Dieselaffäre

Hochrangiger Ex-VW-Manager in Haft

Stand: 13.10.2017 16:09 Uhr

In der Abgasaffäre des VW-Konzerns ist zum ersten Mal ein hochrangiger Ex-Manager verhaftet worden. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" handelt es sich dabei um Wolfgang Hatz, einen der einst wichtigsten Verantwortlichen für die Motoren-Entwicklung.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte erreicht eine neue Stufe. Nach Informationen von NDR, WDR und "SZ" ist Wolfgang Hatz verhaftet worden. Er hat lange in wichtigen Positionen bei Volkswagen gearbeitet und war enger Vertrauter des früheren Vorstandschefs Martin Winterkorn.

Hatz leitete von 2001 bis 2007 die Motoren-Entwicklung der Audi AG. Im Jahr 2007 wurde er Chef der Aggregate-Entwicklung im VW-Konzern und Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG. Vier Jahre später zog Hatz in den Vorstand der Porsche AG ein, als Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung.

Hatz leitete von 2001 bis 2007 die Motoren-Entwicklung der Audi AG, Archivbild.

Nun ist Hatz in München dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden, der ihm den Haftbefehl eröffnete und entschied, dass Hatz in Untersuchungshaft komme. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II gab es am Mittwoch neben der Verhaftung auch zwei Durchsuchungen. Offenbar war davon auch Hatz betroffen. Das Verfahren wurde ausgeweitet. Bislang wurde gegen vier ehemalige Manager ermittelt. Neuerdings ist ein gutes halbes Dutzend Ex-Manager ins Visier der Ermittler geraten.

Bereits im Herbst 2015 beurlaubt

Hatz wurde bereits kurz nach Bekanntwerden der Affäre im September 2015 von seinem Vorstandsposten bei Porsche beurlaubt. Im Jahr 2016 einigte er sich mit Porsche auf einen Aufhebungsvertrag, mit einer millionenschweren Abfindung. Damals betonte Porsche, interne Untersuchungen hätten kein Fehlverhalten von Hatz zutage gefördert. Die Abfindung wurde jedoch unter Vorbehalt gezahlt. Für den Fall, dass Hatz eine Pflichtverletzung begangen haben sollte, muss er Geld an das Unternehmen zurückzahlen.

Hatz wird auch durch Aussagen des früheren Audi-Mitarbeiters Giovanni P. belastet, der in Auslieferungshaft sitzt. Die genauen Haftgründe für den ehemaligen Automanager Hatz sind unklar. In Frage kommen Flucht- oder Verdunkelungsgefahr.

Zum Zeitpunkt der Inhaftierung des VW-Managers war es nicht möglich, eine Stellungnahme von ihm zu erhalten. Gegenüber der juristischen Zeitschrift "JUVE" haben seine Anwälte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestritten.