Volkswagen-Logo | Bildquelle: AFP

Konzernumbau Wohin steuert Volkswagen?

Stand: 12.04.2018 09:31 Uhr

Der angekündigte Konzernumbau bei VW wirft viele Fragen auf: Wohin steuert das Unternehmen? Wie mächtig wird der voraussichtlich nächste Chef Diess? Woran scheiterte Noch-Chef Müller? Der Aufsichtsrat will heute den Umbau beschließen.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

Der Aufsichtsrat von Volkswagen will heute einen grundlegenden Personal- und Konzernumbau beschließen. Die ursprünglich für morgen geplante Sitzung wurde um einen Tag nach vorne verschoben. Mit einem geplanten Umbau der Führungsetage solle ein neuer "Aufbruch" bei Volkswagen ermöglicht werden, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Die Politik hofft bereits auf einen Kurswechsel im Dieselskandal, Autoexperten halten das jedoch für sehr unwahrscheinlich. Spannend bleibt die Frage, welche Machtfülle der voraussichtlich neue Konzernchef Herbert Diess erhalten wird.

Thorsten Hapke, NDR, zum Konzernumbau bei VW
tagesschau 17:00 Uhr, 12.04.2018

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Diess soll Konzern und Marke VW führen

NDR-Informationen zufolge soll Diess künftig nicht nur den Konzern, sondern auch weiterhin die Marke VW führen. Auch wenn er beide Funktionen haben werde, will der Konzern den Eindruck vermeiden, zu einer Struktur zurückzukehren, die unter dem früheren Volkswagen-Chef Martin Winterkorn galt. Durch eine neue Aufgabenverteilung werde er aber so entlastet, dass die damalige Struktur mit der zukünftigen nicht vergleichbar sei, heißt es.

"Die Bündelung der beiden Aufgaben überrascht", erläutert ARD-Korrespondent Thorsten Hapke. "Im Zuge des Dieselskandals hatten Vertreter des Aufsichtsrats und des Unternehmens immer wieder betont, dass die starke Ausrichtung des gesamten Konzerns auf Winterkorn ein Fehler gewesen sei."

VW-Markenchef Herbert Diess | Bildquelle: AFP
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Der bisherige VW-Markenchef Diess soll künftig auch noch den Konzern führen.

Ermüdungserscheinungen bei Müller

Hapke hält den jetzigen Zeitpunkt, um einen Schnitt bei VW zu machen, für richtig. Der 64 Jahre alte Matthias Müller hatte deutlich gemacht, dass er seinen noch zwei Jahre laufenden Vertrag nicht verlängern würde. Ihm wurde aus dem Aufsichtsrat vorgeworfen, den notwendigen Umbau nicht schnell genug vorangetrieben zu haben.

"Man erkennt an Müller, dass die vergangenen zweieinhalb Jahre ihre Spuren hinterlassen haben", sagte Auto-Experte Stefan Bratzel im Gespräch mit tagesschau.de. Ähnlich sieht das Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler. "Müller wirkt immer übermüdet. In den vergangenen Jahren verlor er Power und wohl auch Lust an seinem Job."

"Viel schiefgelaufen"

Müller musste sich um außerordentlich viele Probleme und Aufgaben kümmern, wie Dieselaffäre, E-Mobilität, Stellenabbau, Abgasexperimente mit Affen, Menschenrechtsverletzungen in Brasilien bis hin zum Vorwurf, bei einem schweren Verkehrsunfall in Südafrika mit anschließender Unfallflucht auf dem Beifahrersitz gesessen zu haben. "In seinem ersten Jahr als Konzernchef ist viel schiefgelaufen, denken wir nur an seinen missglückten Auftritt in den USA", erläutert Pieper. "Aber im vergangenen Jahr hat er sich verbessert und an Profil gewonnen. Gerade in Richtung Zukunftstechnologie setzte er gute Akzente."

Beobachter bescheinigen Müller fehlendes diplomatisches Geschick. Zuletzt sorgte er mit einem "Spiegel"-Interview für Schlagzeilen. Darin hielt er sein Jahresgehalt von 9,5 Millionen Euro für "gerechtfertigt" und wehrte sich mit einem unglücklichen DDR-Vergleich gegen den Vorschlag, Managergehälter zu deckeln.

Eignerfamilien verloren wohl Vertrauen in Müller

Branchenintern hatte Müller zuvor überrascht, weil er die Diesel-Technik infrage stellte und die bestehenden Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel zog. Trotz rückläufiger Zulassungszahlen ist der Diesel für VW weiterhin sehr wichtig. "Bei den Eignerfamilien Porsche und Piech verfestigte sich wohl der Eindruck, dass Müller nicht mehr der Richtige ist", glaubt Hapke.

VW-Konzernchef Matthias Müller | Bildquelle: dpa
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Müller hat offenbar die Unterstützung der VW-Eignerfamilien Porsche und Piech verloren.

Weitere Personalwechsel möglich

Der VW-Aufsichtsrat will offenbar heute schon über die neue Führungsstruktur entscheiden. Dabei könnte auch Personalvorstand Karlheinz Blessing durch Gunnar Kilian ersetzt werden, der bislang Generalsekretär des VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh ist.

Inwiefern sich Volkswagen unter einer neuen Führung ändern wird, ist noch unklar. Diess war früher BMW-Vorstandsmitglied und ist seit Sommer 2015 bei VW, kurz bevor der Diesel-Abgasskandal ins Rollen kam. Der 59-Jährige wurde schon länger als Kronprinz Müllers gehandelt. Er gilt als jemand, der strategisch denkt und schnell Entscheidungen treffen kann.

Politiker hoffen auf Kurswechsel

Politiker von SPD und FDP verbinden mit ihm die Hoffnung auf Bewegung in der Debatte um den Abgasskandal. "VW sollte von Manipulation betroffenen Kunden auch ohne Sammelklage sofort eine Nachrüstung oder Entschädigung anbieten", sagte der ehemalige Verbraucher-Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) dem "Handelsblatt". Die Vize-Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Daniela Kluckert (FDP), sagte der Zeitung, sie hoffe "dass VW beim Diesel-Skandal seiner Verantwortung gerecht wird".

Stefan Bratzel
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Auto-Experte Bratzel erwartet keine Änderung bei VW im Umgang mit dem Dieselskandal.

Ein Kurswechsel ist nach Einschätzung von Auto-Experte Bratzel unwahrscheinlich. "Das würde mich wundern. Im Moment erwarte ich keine Änderung." VW steht wie die gesamte Branche vor einem massiven Wandel. "Elektromobilität wird künftig noch mehr Platz eingeräumt", erklärt Frank Schwope, Auto-Analyst bei der Nord LB im Gespräch mit tagesschau.de. Bratzel hält kleinere Einheiten im Konzern für nötig. "Bei VW braucht es eine neue Kultur von Flexibilität und schnellen Entscheidungswegen, aber das kann nicht von heute auf morgen gehen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. April 2018 um 11:30 Uhr in der Wirtschaft und um 15:30 Uhr in einem Schwerpunkt.

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Dominik Lauck, NDR

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