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19.03.2010

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Wirtschaft
Computermonitor mit Illustration von "Viren"
Zentrale Anlaufstelle für Computerviren-Opfer geplant
Konzertierte Aktion gegen Botnets

Zentrale Anlaufstelle für Computerviren-Opfer

Mit einem europaweit einzigartigen Projekt sagt die Bundesregierung der Virenlast auf privaten Computern den Kampf an. Schon in der ersten Jahreshälfte 2010 sollen PC-Nutzer auf die Hilfe einer Beratungsstelle zurückgreifen dürfen, mit der sie ihre Rechner daheim von Computerviren befreien können. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) stellten das Vorhaben beim IT-Gipfel der Bundesregierung in Stuttgart vor.

Internetanbieter sollen Geschädigte warnen

Der Ordner "Eigene Dateien" eines Computers ist zu sehen, während eine Frau an einem anderen Bildschirm arbeitet. [Bildunterschrift: Sind die eigenen Dateien wirklich noch die eigenen? Zukünftig soll ein Beratungszentrum deutschen Nutzern helfen. ]
Auch die Anbieter der Internetanschlüsse sollen in die Bekämpfung der Computerschädlinge einbezogen werden: Sie können einen solchen Virenbefall meist feststellen, da der Anschluss das Internet massiv mit einem bestimmten Muster nutzt. Stellen die Firmen fest, dass der Computer eines Nutzers infiziert ist, sollen die Nutzer beim Verbinden mit dem Internet auf eine Website gelenkt werden, die Reinigungsprogramme zum Beseitigen der Schädlinge anbietet. Sollte dies nicht helfen, erhalten die Kunden einen Zugangscode für ein Callcenter des Beratungszentrums. Dort sollen sie von Experten Hilfe per Telefon erhalten.

Service soll für Endkunden kostenlos sein

Laut Projektskizze sollen die Anbieter ihre Kunden zur Nutzung des Service bewegen, der kostenlos ist. Das Angebot steht den Kunden allerdings nur frei, wenn ihnen ihr Internetanbieter eine Nutzung reserviert hat. Nach Angaben der Projektorganisatoren läuft die Abstimmung mit den DSL-Dienstleistern "auf Hochtouren". Machten nur die fünf größten Anbieter mit, seien damit bereits etwa 80 Prozent des deutschen DSL-Marktes abgedeckt.

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Ein Cursor zeigt auf dem Bildschirm eines Laptops im Ordner "Eigene Dateien" auf das Wort "Ansicht" (Foto: dpa)
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Ein Viertel aller Rechner in Deutschland infiziert?

Die Projektplaner schätzen, dass in Deutschland bis zu einem Viertel aller Rechner mit Viren infiziert ist. Es gebe allein 60.000 Neuinfektionen jeden Monat. Kriminelle schleusen die Viren über das Internet auf die Rechner und öffnen sich so ein Tor für Verbrechen - etwa, indem sie online das Bankkonto plündern oder den Rechner per Fernsteuerung für den Versand krimineller Massen-E-Mails nutzen. Ziel des laut BSI in Europa einzigartigen Projektes ist es, Deutschland aus den Top-Ten der Länder zu bekommen, von dessen PCs Netzkriminalität ausgeht.

Botnet:

Internetkriminelle schleusen mithilfe von Internetseiten oder E-Mails kleine schädliche Programme auf Computern ein. Damit können sie die Kontrolle über die Rechner übernehmen und diese in sogenannten Botnetze integrieren. Diese Netze nutzen die geballte Rechenkraft der abertausenden gekaperten Computer etwa zum Versand von Spam-E-Mails oder für Angriffe über das Internet auf Unternehmen oder sogar auf Staaten.
 

Vor der Umsetzung des Vorhabens soll geklärt werden, mit welchen Sanktionen Kunden rechnen müssen, die eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen Internetdienstleistern verweigern. Eco-Fachbereichsleiter Sven Karge, einer der Projektplaner, sagte der Deutschen Presseagentur: "Wer im Netz ohne Virenschutz unterwegs ist, gefährdet andere Nutzer in etwa so, wie ein Autofahrer, der mit kaputten Bremsen unterwegs ist und so andere fahrlässig gefährdet."

Computerkriminalität auf dem Vormarsch

Der Branchenverband Bitkom hatte jüngst ausrechnen lassen, dass jeder zweite deutsche Internetnutzer schon einmal Opfer von Kriminalität im Netz geworden ist. Die meisten hatten es dabei mit Computerviren oder anderen schädlichen Programmen zu tun. Die Zahl der sogenannten Phishing-Fälle, bei denen Kriminelle Passwörter für das Online-Banking abfangen, soll dieses Jahr um gut 50 Prozent steigen. Von etwa elf Millionen Euro Gesamtschaden wird ausgegangen - die Tendenz sei weiter steigend.

Zu den möglichen Kosten des testweise für ein Jahr geplanten Vorhabens wollte sich das BSI aus vergaberechtlichen Gründen nicht äußern. Die Seite mit der Reinigungssoftware soll nach Informationen der dpa bereits im April 2010 online gehen und das Call-Center seine Arbeit spätestens im Juni aufnehmen. Laut eco laufen in Australien, Japan und Südkorea ähnliche Projekte seit längerer Zeit erfolgreich.

Stand: 08.12.2009 19:11 Uhr
 

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