Springer-Gebäude in Berlin | Bildquelle: REUTERS

Springer gibt US-Konzern Gratislizenz Kapitulation vor Googles Marktmacht

Stand: 05.11.2014 17:35 Uhr

Der Axel-Springer-Verlag will dem US-Konzern Google ab sofort wieder erlauben, Pressetexte der hauseigenen Medien kostenlos bei der Online-Suche anzuzeigen. Das hat Springer-Unternehmenschef Mathias Döpfner bekannt gegeben. Dem Verlag drohten andernfalls empfindliche Umsatzeinbußen.

Springer folgt Beispiel anderer Häuser

Die zuletzt eingeschränkte Präsentation beim Suchmaschinenbetreiber habe dazu geführt, dass deutlich weniger Internet-Nutzer auf Webseiten wie beispielsweise "Welt.de" weitergeleitet wurden. "Würden wir das fortsetzen, schießen wir uns aus dem Markt", räumte Döpfner ein. Bei Google-News sei der Traffic um rund 80 Prozent eingebrochen, so der Unternehmenschef weiter. Der finanzielle Schaden durch entgangene Vermarktungsumsätze hätte sich - bezogen auf das Gesamtjahr - im siebenstelligen Bereich pro Marke bewegt.

Das Einknicken von Springer ist ein weiterer Beleg für Googles Marktmacht. Diese ist vielen Politikern und Unternehmen schon länger ein Dorn im Auge. Im Streit mit Google geht es um das sogenannte Leistungsschutzrecht. Dieses Gesetz ermöglicht den Verlagen seit August 2013 faktisch, Geld von Suchmaschinenbetreibern zu fordern, die Textteile der Pressehäuser ab einer bestimmten Länge im Internet verwerten. Google lehnt dies jedoch ab. Mehrere Verlage gaben bereits nach und vergaben Gratislizenzen.

Mehrere Klagen von Verlagen

Der US-Konzern hat eine verkürzte Darstellung von Texten angekündigt, um die Risiken infolge einer Klage der Verlage und ihrer Verwertungsgesellschaft VG Media zu minimieren. Denn die Verlage halten juristische Schritte gegen Google aufrecht. Zuletzt hatten mehrere Unternehmen jedoch ihre Geldforderung aufgegeben und Google eine Gratislizenz gewährt, da sie Einbrüche bei Umsatz und Gewinn befürchteten.

Screenshot der Seite news.google.de.
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Darum geht es in dem Streit: Kleinstausschnitte aus den Texten der Verlagsseiten bei Google oder Google News.

Springer hingegen pochte bei vier Marken - welt.de, computerbild.de, sportbild.de und autobild.de - auf Zahlung, woraufhin Google im Netz die betreffende Anzeige von Suchergebnissen deutlich eingeschränkt hat. Der Internet-Gigant argumentiert, damit stehe man im Einklang mit dem Leistungsschutzrecht.

Bundesregierung will Leistungsschutzrecht prüfen

Ein Sprecher des US-Konzern sagte zu Springers Kehrtwende: "Die Entscheidung zeigt, dass Google einen erheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg von Presseverlagen leistet." Jeden Monat leite man über eine halbe Milliarde Klicks allein zu deutschen Nachrichtenseiten.

Döpfner hingegen wetterte, der US-Konzern hebele damit das Leistungsschutzrecht aus. Das Einknicken von Springer solle nun Anlass geben für Politiker, Gerichte und Kartellexperten, die Angelegenheit unter die Lupe zu nehmen. Die Bundesregierung wird nach Worten ihres Sprechers Steffen Seibert prüfen, ob das Gesetz seine Ziele erreiche.

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