Braunkohlekraftwerke der Vattenfall AG in Jänschwalde (Brandenburg) | Bildquelle: dpa

Studie zu Kohlekraftwerken Bessere Stromversorgung dank stillgelegter Meiler?

Stand: 15.11.2017 16:11 Uhr

Eine Analyse des Wirtschaftsministeriums gibt der Debatte über Kohlekraftwerke eine neue Richtung und stärkt die Grünen in den Sondierungen. Stilllegungen könnten die Versorgungssicherheit in Deutschland steigern, heißt es in dem Papier. Das Ministerium distanzierte sich jedoch.

Das Abschalten von Kohlekraftwerken kann einem Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge die Versorgungssicherheit im deutschen Stromnetz steigern. "Der Großteil der Kohlekraftwerke hat heute eine belastende Wirkung auf das Netz", heißt es in einem gemeinsamen Papier des Ministeriums und der Bundesnetzagentur.

Die Netze seien die größte Herausforderung für die Versorgungssicherheit. Im Vergleich dazu stelle sich die Situation am Strommarkt "überaus entspannt" dar. Wenn etwa Kraftwerke mit einer Kapazität von sieben Gigawatt stillgelegt würden, stelle eine "Dunkelflaute" ohne Sonne und Wind keine Gefahr dar, heißt es in dem Papier. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass ein Kraftwerk, das in Deutschland steht, auf jeden Fall im Inland zur Versorgungssicherheit beiträgt", heißt es in dem Papier.

In Jamaika-Sondierungen auf Seite der Grünen

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums ging heute auf Distanz. Das Papier sei "im Haus und mit der Hausleitung nicht abgestimmt". Das Wirtschaftsministerium wird noch von der SPD geführt, Ministerin Brigitte Zypries ist geschäftsführend im Amt.

Inhaltlich stellen die Verfasser des Papiers sich in den Jamaika-Sondierungen auf die Seite der Grünen und widerlegen Argumente vor allem von FDP und CSU, die im Streit um einen Kohleausstieg mit der Sicherheit der Stromversorgung argumentieren. Bisher wollten Union und FDP die Kohlestrom-Produktion um höchstens fünf Gigawatt drosseln, die Grünen dagegen um acht bis zehn. Die Grünen verlangen das Abschalten von 20 Kohlekraftwerksblöcken bis 2020. Union und FDP hatten angeboten, bis zu zehn Kohlemeiler sofort zu schließen. Der grüne Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake ist an den Gesprächen als Energieexperte beteiligt.

Leistungsüberschuss auch nach Atomausstieg

Dem Papier zufolge würde Deutschland auch dann noch netto Strom exportieren, wenn 2020 sieben Gigawatt stillgelegt würden. Zwar sei die nationale Leistungsbilanz inzwischen praktisch ohne Aussagekraft, weil der europäische Strommarkt Realität sei. Aber selbst wenn man nur die deutsche Stromproduktion betrachte, gebe es 2023 - nach Vollzug des Atomausstiegs - noch einen Leistungsüberschuss von etwa elf Gigawatt, wenn 2020 sieben Gigawatt stillgelegt würden.

Auch die Bundesnetzagentur äußerte sich zurückhaltend: "Das Papier enthält politisch zugespitzte Formulierungen", sagte ein Sprecher. Nach Einschätzung der Fachbehörde führe ein Abschalten von bis zu sieben Gigawatt Kohlekraftwerkskapazität bis 2023 nicht zu einer Gefährdung der Versorgungssicherheit, wenn der Standort der Kraftwerke unter Berücksichtigung der Situation in den Netzen gewählt werde. "Der Strompreis an der Börse dürfte durch die Angebotsverknappung steigen und so zu einer Senkung der deutschen Stromexporte führen", sagte er.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2017 um 02:00 Uhr und die tagesthemen am 15. November 2017 um 22:15 Uhr.

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