Lebensversicherung | Bildquelle: picture-alliance

Europaweiter Stresstest Versicherer zeigen Krisensymptome

Stand: 01.12.2014 17:06 Uhr

Die lebenslangen Zinsgarantien für Lebensversicherungen könnten zu einer ernsten Gefahr für die viele deutsche Versicherer werden. Zu diesem Ergebnis kommt der europaweite Stresstest für die Branche. Zwar machten die Aufseher - anders als beim Bankenstresstest vor wenigen Wochen - keine Einzelergebnisse publik. Allerdings stellte die Aufsichtsbehörde Eiopa heraus, dass die deutschen Versicherer besonders anfällig seien, falls das niedrige Zinsniveau anhalten sollte.

Hintergrund des Alarmrufs sind die hohen Zinsversprechen, die deutsche Versicherer ihren Kunden speziell in den späten 90er-Jahren gegeben haben. Damals galt bei Kapitallebensversicherungen ein lebenslanger Garantiezins von vier Prozent. Inzwischen sind die Zinsen deutlich niedriger als damals. Das heißt: Viele Versicherer machen mit den Policen de facto Verluste - denn die vier Prozent Ausschüttungszins können sie mit ihren eigenen Kapitalanlagen kaum verdienen.

Immerhin: Die Branche hat 20 Milliarden Euro beiseite gelegt

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin arbeitet seit 2012 gegen das Zinsproblem der Versicherer an. So musste die Branche seitdem schon mehr als 20 Milliarden Euro als "Zinszusatzreserve" zurücklegen. Zudem drängt die BaFin auf eine Abkehr von den lebenslangen Garantien. Der Branchenverband GDV räumt inzwischen ein, dass "die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen mittelfristig zu einer Herausforderung für die gesamte Branche in Europa werden könnten". Die Lebensversicherer in Deutschland hätten sich darauf aber frühzeitig vorbereitet.

Die in Frankfurt ansässige europäische Aufsicht wollte mit dem Stresstest feststellen, wie weit die Branche mit den Vorbereitungen auf Solvency II vorangekommen sind. Solvency II sind die neuen Kapitalregeln für die Versicherungsindustrie - vergleichbar mit dem Basel-III-Regime für die Banken. Dabei untersuchte die Eiopa 60 Konzerne und 107 weitere einzelne Versicherer aus der EU, Norwegen, der Schweiz und Island.

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