Seit Jahren streiten Verdi und Amazon über die Einführung eines Tarifvertrags. | Bildquelle: dpa

Streit um Tarifvertrag Amazon-Mitarbeiter streiken an vier Standorten

Stand: 07.04.2017 16:49 Uhr

Ver.di will bei Amazon bessere soziale Standards durchsetzen sowie einen Tarifvertrag einführen. Nun hat die Gewerkschaft den Druck erhöht und die Belegschaften an vier Standorten in Deutschland zum Streik aufgerufen.

Die Gewerkschaft ver.di erhöht im Tarifstreit mit Amazon den Druck auf den US-Versandhändler und hat zum Streik aufgerufen: Am heutigen Weltgesundheitstag legten die Beschäftigen an den Amazon-Standorten Rheinberg, Werne, Bad Hersfeld und Koblenz die Arbeit laut ver.di die Arbeit nieder. Die Streiks sollten bis zum Ende der Spätschicht dauern. Seit Jahren streitet die Arbeitnehmervertretung mit dem Internet-Versandhandel über die Einführung eines Tarifvertrags.

Die Gewerkschaft wirft Amazon darüber hinaus vor, "wenig Rücksicht" auf die Gesundheit der Beschäftigten zu nehmen. Der Arbeitsalltag sei "von hohem Druck, Hetze und Kontrollen" geprägt, was überdurchschnittlich hohe Krankenraten zur Folge habe, kritisierte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Laut ver.di setze Amazon mit "Gesundheitsprämien" kranke Mitarbeiter unter Druck und fördere "das Misstrauen der Beschäftigten untereinander".

Amazon verteidigt sich

Amazon wies die Vorwürfe zurück. "Für Amazon haben die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter oberste Priorität", sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen habe ein Konzept für Gesundheitsmanagement erstellt und an allen Standorten Posten für Gesundheitsmanager geschaffen. Die Sprecherin betonte zudem, dass die Streiks "keinerlei Auswirkung auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens" hätte.

Ver.di ringt mit Amazon seit mehreren Jahren um die Einführung eines Tarifvertrags auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels - bislang ohne Erfolg. Amazon betont im Tarifstreit immer wieder, ein guter Arbeitgeber zu sein und vergleichsweise hohe Löhne zu zahlen. Das Unternehmen orientiert sich dabei an der Logistikbranche.

Zuletzt hatte ver.di gegen Amazon einen gerichtlichen Erfolg verbuchen können, der die Möglichkeit eines Streiks an den vier Standorten unterstützt. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatte in der vergangenen Woche Arbeitskampfmaßnahmen auf dem Betriebsgelände von Amazon nicht grundsätzlich untersagt. Es hob damit eine anderslautende Entscheidung des Arbeitsgerichts Berlin auf. In dem Fall ging es um einen Arbeitskampf bei Amazon in Pforzheim. Auch hier wollte ver.di erreichen, dass das Unternehmen die Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels in Baden-Württemberg einhält.

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