Neuwagen vor der Auslieferung | Bildquelle: dapd

Verbrennungsmotoren-Verbot Wirtschaft bangt um Arbeitsplätze

Stand: 18.07.2017 14:18 Uhr

Das Auto der Zukunft soll elektrisch sein: Aber was bedeutet der Umstieg auf Elektromobilität für den Standort Deutschland? Dies hat das ifo-Institut im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie untersucht und warnt für die Zukunft vor Arbeitsplatzverlusten.

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung spricht sich dagegen aus, Neuwagen mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Ein Verbot ab dem Jahr 2030 könnte deutliche Einbußen für Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland haben, heißt es in einer Studie des ifo-Instituts im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Demnach wären mehr als 600.000 der derzeitigen Industriearbeitsplätze direkt oder indirekt betroffen. Das seien zehn Prozent der Industriebeschäftigungen. In der Autobranche direkt wären demzufolge 436.000 Jobs gefährdet.

Clemens Fuest Präsident des ifo-Instituts | Bildquelle: picture alliance / Soeren Stache
galerie

ifo-Chef Clemens Fuest fürchtet um Arbeitsplätze, sollte der Verbrennungsmotor verboten werden.

VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen
galerie

Für VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen ist es Aufgabe der Industrie, Arbeitsplätze zu erhalten.

"Verbot wäre Bärendienst an Umwelt"

Klimaschutzziele sollten ohne Technikvorschriften vorgegeben werden, sagte ifo-Chef Clemens Fuest. "Wer den Wettbewerb der Umweltschutztechniken mit Verboten ausschaltet, verschwendet Ressourcen und leistet dem Klimaschutz einen Bärendienst." Besonders Sorgen bereiten Fuest kleine und mittelständische Unternehmen, die hochspezialisiert seien.

VDA-Chef Matthias Wissmann sagte, der hocheffektive Verbrennungsmotor und das Elektroauto seien keine Gegner. "Beide sind notwendig, wenn man die ambitionierten Klimaschutzziele erreichen will." Der Verbrennungsmotor könne später etwa auch mit Kraftstoffen auf Basis regenerativer Energie betrieben werden und so "einen zweiten Frühling" erleben.

"Aufgabe der Industrie, Arbeitsplätze zu erhalten"

Umweltverbände werten dies als eine klare Sackgasse. Gerd Lottsiepen, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), sieht es als Aufgabe der Industrie, trotz einer Umstellung auf Elektromobilität Arbeitsplätze zu sichern. "Wenn die deutsche Autoindustrie weiterhin auf den Verbrennungsmotor setzt, ist das so, als ob man nach wie vor Röhrenfernseher produzieren würde", so Lottsiepen in der ARD.

Die Grünen machen sich für ein Aus für den Verbrennungsmotor bis 2030 stark. Damit soll der Elektromobilität schneller zum Durchbruch verholfen werden. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir verteidigt die Pläne seiner Partei: "Gerade weil so viele Arbeitsplätze am fossilen Verbrennungsmotor hängen, brauchen wir einen Weckruf."

Mit dem Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren lasse sich verhindern, dass es der deutschen Autoindustrie gehe wie den Energiekonzernen, die den Atomausstieg erst bekämpft und verschlafen hätten, so Özdemir weiter. "Auf dem Weltmarkt ist der fossile Verbrennungsmotor ein Auslaufmodell." Die Frage sei nicht mehr, ob sich das emissionsfreie Auto durchsetze, sondern wer es baue.

Über dieses Thema berichteten am 18. Juli 2017 die tagesschau um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 12:30 Uhr in der Wirtschaft.

Darstellung: