Bundestag: Schwarz-Gelb kippt Verbot von Nachtspeicheröfen

Entscheidung des Bundestags

Nachtspeicheröfen dürfen länger laufen

Nachtspeicherheizungen in Deutschland können auch über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden. Der Bundestag kippte am frühen Morgen mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP ein entsprechendes Verbot aus den Zeiten der Großen Koalition.

Teure Stromfresser oder flexible Speicher?

Nachtspeicherheizung
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Die Stromfresser von einst gelten heute als variable Speicher.

Die einst massenhaft installierten Nachtspeicheröfen waren lange Zeit als teure Stromfresser verpönt. Neuerdings gelten sie jedoch als flexible Stromspeicher, die in den Zeiten der Energiewende besser auf das schwankende Ökostromangebot reagieren sollen. In Deutschland gibt es noch mehr als 1,5 Millionen solcher Nachtspeicherheizungen. Die Große Koalition hatte beschlossen, dass zur Energieeinsparung und aus Klimaschutzgründen alle vor 1990 installierten Nachtspeicher nur noch bis Ende 2019 erlaubt sind. Nach 1990 angeschlossene Geräte sollten maximal 30 Jahre laufen dürfen.

Umweltverbände laufen Sturm

Umweltverbände kritisierten die Entscheidung des Bundestages scharf und sprechen von einem Lobbygeschenk: Der derzeitige Bestand an Nachspeicherheizungen in Deutschland sei verantwortlich "für eine gewaltige Stromverschwendung von 10 bis 15 Terawattstunden, das entspricht rund zwei bis drei Prozent des nationalen Strombedarfs", argumentiert die Deutsche Umwelthilfe. Denn die Nachtspeicherheizungen bräuchten vor allem im Winter Strom, wenn oft kaum Wind wehe und die Sonne nicht scheine.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einer "unverhohlenen Klientelpolitik" für den Energieversorger RWE. Der hatte sich zuletzt stark gemacht für eine Nutzung und Umrüstung der Nachspeicheröfen als variable Stromspeicher.

Stichwort

Die Nachtspeicherheizung ist eine elektrisch betriebene Heizung mit Wärmespeicher. Dieser wird in sogenannten Schwachlastzeiten wie in der Nacht aufgeheizt und kann die Wärme dann einige Stunden lang halten.

Aufgrund günstiger Nachtstromtarife war diese Heizmethode jahrelang eine Alternative etwa zu Kohle- oder Holzöfen. Für die Energieversorger hatten sie den erwünschten Nebeneffekt, dass ihre Kraftwerke einigermaßen gleichmäßig ausgelastet waren. Speicherheizungen bergen aber viele Nachteile: Sie haben einen niedrigen Gesamtwirkungsgrad. Mit ihren Außentemperaturfühlern können sie schlecht auf Wetterumschwünge reagieren. In vielen Altgeräten wurde Asbest verbaut.

Stand: 17.05.2013 14:39 Uhr

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