2500 Stellen weg - "Vattenfall hat sich verzettelt"

Vattenfall-Logo auf einer Batterie (Bildquelle: dapd)

Energie-Riese streicht 2500 Stellen

"Vattenfall hat sich verzettelt"

Gerade noch hatte Vattenfall-Chef Löseth von einem "guten Jahr" gesprochen, da kündigte der größte Energieerzeuger Europas 2500 Stellenstreichungen an, 1500 davon in Deutschland. Wann genau wer wo gehen soll, ist nicht bekannt. Die Schweden haben sich offenbar verzettelt.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Mit so einem Einschnitt hatten auch die Kommentatoren in Schweden nicht gerechnet: "Vattenfall streicht 2500 Stellen" - das war die Topmeldung. 

Der Energieriese aus Stockholm macht also ernst. Zu spüren wird das vor allem in Deutschland sein: 1500 Arbeitsplätze in Hamburg, Berlin und Cottbus sollen bis Ende 2014 gestrichen werden. Dazu kommen nochmal 400 in Schweden und rund 500 in den Niederlanden. Vattenfall will damit Strukturen vereinfachen und Aufgaben zusammenlegen.

Ein harter Schlag, meint der Stockholmer Wirtschaftsjournalist Claes Aronsson - vor allem für die Verwaltung von Vattenfall in Deutschland: "Die Gewerkschaften sitzen jetzt mit dem Aufsichtsrat zusammen und diskutieren das. In der Pressemitteilung von Vattenfall ist von Stabs- und Stützfunktionen die Rede. Es sind also vor allem Büroarbeitsplätze, die wegfallen werden."

Vattenfall streicht 2500 Stellen
T. Krohn, ARD Stockholm
07.03.2013 02:18 Uhr

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Personalabbau "sozial verträglich"

Vattenfall-Chef Öystein Löseth versprach, den Personalabbau sozial verträglich und in engem Dialog mit Betriebsräten und Gewerkschaften umzusetzen. Nähere Details - wann genau wer wo gehen soll - sind bislang nicht bekannt. Es ist nicht einmal ein Monat her, da klang Löseth noch überraschend optimistisch: Von einem "guten Jahr" sprach er - obwohl der Energie-Riese zuletzt 7,6 Prozent an Umsatz eingebüßt hatte und der Gewinn geschrumpft war.

Ein noch einigermaßen stabiles Ergebnis - das alleine hat halt nicht mehr ausgereicht, erläutert der Wirtschaftsexperte Aronsson: "Man könnte ja denken, dass es einem Betrieb, der zuletzt noch über 18 Milliarden schwedische Kronen Gewinn gemacht hat, ganz gut geht. Tatsache ist aber, dass Vattenfall in den letzten Jahren einfach nicht mehr den Anforderungen entsprach, die der Eigner - der schwedische Staat - gestellt hat. Anforderungen an einen bestimmten Gewinn."

Verzettelt bei Investitions-Offensive

Braunkohlekraftwerk in Lippendorf (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Das Braunkohlekraftwerk in Lippendorf stellt Vattenfall weiter zum Verkauf.

Konkret heißt das jetzt: Einsparungen von mindestens 540 Millionen Euro und dann in einem zweiten Schritt auch ein Zurückschrauben der Investitionen. So sollen zum Beispiel Kraftwerksanteile in Dänemark verkauft werden. Außerdem will Vattenfall einen Teil seiner Braunkohleanlage in Lippendorf in der Lausitz loswerden. Der Teilverkauf des Kraftwerkes dort wird derzeit noch geprüft.

Vattenfall ist einer der größten Energieerzeuger Europas und macht rund 60 Prozent seines Umsatzes in Deutschland.

Zuletzt war in Schweden offen darüber spekuliert worden, ob es nicht besser wäre, sich sogar ganz aus dem Geschäft im Ausland zurückzuziehen. Die Zeitung  "Dagens Industri" sprach von "Milliarden-Klatschen" in Deutschland und den Niederlanden. Das "Svenska Dagbladet" sah den Konzern bereits "komplett an die Wand gefahren".

Aronsson, der Vattenfall-Experte vom schwedischen Rundfunk, sprach von einer wichtigen Diskussion, der man sich stellen müsse. Der Konzern habe mit dem Umbau doch gerade erst begonnen: "Man kann sagen, dass Vattenfall ein sehr verzweigtes Unternehmen geworden ist." Es habe in den letzten zehn Jahren eine große Investitionsoffensive gegeben. Und dabei habe sich der Betrieb verzettelt. "Man betreibt viele unrentable Projekte an den verschiedensten Orten Europas. Und das versucht der Konzern jetzt zu berichtigen."

Dieser Beitrag lief am 7. März um 6:47 Uhr auf NDR Info.

Stand: 07.03.2013 03:19 Uhr

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