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Petersdom in Rom

Elektronischer Zahlungsverkehr gesperrt

Der Vatikan nimmt nur noch Bares

Die italienische Zentralbank hat den Vatikan vom elektronischen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Damit können Besucher und Gläubige nur noch bar bezahlen. Der Ausgangspunkt des Problems hat im Vatikan eine lange Vorgeschichte. Er lautet: Verdacht auf Geldwäsche.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

"Ci scusiamo per possibili disagi - wir entschuldigen uns für mögliche Unannehmlichkeiten", heißt es lapidar auf der Homepage der Vatikanischen Museen. Leider sei seit dem 1. Januar keine Bezahlung per Kredit- oder EC-Karte möglich. Diese harmlos klingende Mitteilung beinhaltet allerdings reichlich Sprengstoff - denn dahinter steckt viel mehr.

Italienische Zentralbank sperrt Kreditkartenzahlung im Vatikan
S. Troendle, ARD Rom
03.01.2013 18:54 Uhr

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Im gesamten Vatikan kann derzeit nicht mit elektronischen Zahlungsmitteln bezahlt werden. Die italienische Zentralbank hat nämlich dem Vatikan den elektronischen Zahlungsverkehr komplett gesperrt. Und so ist in Apotheke, Supermarkt, Vatikan-Post, vor allem aber an den Eintrittskassen berühmten Museen - mit einem Jahresumsatz von mehr als 90 Millionen Euro - derzeit nur Barzahlung möglich. Alternativ werden auch Schecks akzeptiert.

Genehmigung für Zahlungsverkehr abgelehnt

Bisher hat die Deutsche Bank Italien einen Großteil des Zahlungsverkehrs für den Vatikan abgewickelt. Nur unterliegt diese italienischen Bestimmungen. Die Deutsche Bank habe zwar 2012 eine Genehmigung beantragt, schreibt die Nachrichtenagentur ANSA. Die sei aber abgelehnt worden.

Der Hintergrund ist für den Vatikan ungefähr so unangenehm wie der "Vatileaks"-Skandal. Er lautet: Verdacht auf Geldwäsche. Die Banca d’Italia ist nämlich der Auffassung, dass der Vatikan die internationalen Anti-Geldwäsche-Standards immer noch nicht erfüllt. Daher dürften italienische Banken diese Finanztransaktionen im Vatikan nicht abwickeln.

Vatikanbank mehrmals im Visier der Ermittler

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Ermittlungen wegen undurchsichtiger Transaktionen der Vatikanbank IOR. 2010 hatten die italienischen Behörden eine Zahlung von 23 Millionen Euro über einen längeren Zeitraum beschlagnahmt. Das Geld befand sich auf dem Konto einer anderen Bank und sollte zu JP Morgan in Frankfurt und anderen Instituten überwiesen werden. Das IOR hatte offenbar keine Kontrollmitteilungen über den Transfer der Summen gemacht. Vor gut einem Jahr tauchte der Vatikan dann in einem Bericht des US-Außenministeriums auf einer Liste der Staaten auf, die wegen Verdachts auf Geldwäsche beobachtet werden.

Ettore Gotti-Tedeschi
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Ettore Gotti-Tedeschi musste im Mai 2012 als Chef der Vatikanbank gehen.

Es gab wohl noch weitere Vorkommnisse. Denn im vergangenen Mai hatte der IOR-Aufsichtsrat den verantwortlichen Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti-Tedeschi, über Nacht gefeuert. Zur Begründung hieß es nur, dieser habe verschiedene wichtige Aufgaben seines Amtes nicht erledigt. Gotti-Tedeschi selbst ließ allerdings verlauten, seine Probleme in der Bank hätten genau dann begonnen, als er Fragen nach den Namen hinter den Nummernkonten stellte.

Skandal in den 1970er-Jahren

Ende der 1970er-Jahre hatte es einen großen Skandal um die Geschäfte der Vatikanbank gegeben, in den auch die Mafia verwickelt war. Der damalige Leiter des IOR, Kardinal Marcincus, hatte sich sogar vor einer Verhaftung in die USA geflüchtet.

Juristisch gesehen arbeitet die Vatikanbank mit eigenem Vermögen und auf eigene Rechnung im Auftrag des Papstes und fungiert damit als eine Art Girozentrale der katholischen Kirche.

Vatikan gibt keinen Kommentar ab

Zum aktuellen Vorfall gibt es übrigens keinen Kommentar aus dem Vatikan. Vatikansprecher Lombardi bestätigte nur, dass die Verträge einiger vatikanischen Einrichtungen mit einem ihrer Finanzdienstleister ausgelaufen sind. Wie lange der Vatikanstaat von der elektronischen Finanzwelt abgeschnitten ist, ist unklar, allerdings werde momentan intern mit Hochdruck an einer Ersatzlösung gearbeitet, heißt es.

Dieser Beitrag lief am 03. Januar 2013 um 23:52 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 03.01.2013 18:14 Uhr

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