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30.05.2012

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Wirtschaft
Obama schickt Finanzminister zu Gesprächen über Euro-Krise
Gespräche über die Beilegung der Euro-Krise

Die USA warten ungeduldig auf Angela Merkel

Kurz vor dem EU-Gipfel schickt US-Präsident Obama seinen Finanzminister Geithner zu Gesprächen nach Deutschland und Frankreich. Die Obama-Regierung nimmt die Euro-Krise sehr ernst, und das Augenmerk auch der Medien richtet sich immer stärker auf Angela Merkel.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

Angela Merkel und Barack Obama auf dem G20-Gipfel in Cannes im November 2011 (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Entscheidet sie auch über seine Wiederwahl? Angela Merkel und Barack Obama ]
Etwas über Angela Merkel in den US-Medien zu finden - das hatte früher Seltenheitswert. Selbst als die Bundeskanzlerin im Sommer von Präsident Barack Obama die prestigeträchtige Freiheitsmedaille verliehen bekam, wurde das in den USA kaum beachtet.

Inzwischen ist täglich etwas über Angela Merkel zu lesen oder zu hören. "Auf eine seltsame Weise ist das Schicksal von Barack Obama jetzt mit dem von Angela Merkel verbunden", sagte am Wochenende die Radio-Journalistin Mara Liasson in einer Talkrunde des Fernsehsenders Fox. Die "Washington Post" schrieb in einem Kommentar, zwischen Präsident Obama und seiner Wiederwahl im nächsten November stehe einzig und allein Angela Merkel - denn nur sie könne den Euro retten.

Audio: Angela Merkel im Fokus der USA

AudioAnna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington 06.12.2011 07:24 | 3'03
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Paris rutscht aus dem Blickfeld

"Der Fokus ist zur Zeit unglaublich auf die Führungspersönlichkeit Angela Merkel gerichtet", meint Heather Conley, bei der renommierten Washingtoner Denkfabrik CSIS für Europa zuständig. Bis vor kurzem hätten alle immer auf das Tandem Paris/Berlin geschaut, aber inzwischen nur noch auf Berlin. "Die Obama-Regierung will, dass Europa diese Krise löst - und zwar jetzt. Darauf wartet sie schon seit zwei Jahren. Der Frust und die Ungeduld im Weißen Haus wachsen, weil die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft von der Krise in Europa in Mitleidenschaft gezogen werden."

Außenminister Kissinger und Präsident Gerald Ford (Foto: REUTERS) [Bildunterschrift: Suchten schon in den 70er-Jahren nach einer Telefonnummer Europas: Außenminister Kissinger und Präsident Ford ]
Bisher allerdings haben sich die Europäer Ratschläge aus Washington verbeten. Und zwar mit dem Hinweis, jeder solle doch vor seiner eigenen Haustür kehren. "Das hilft nur für die europäische Krise nicht", stellt Thomas Kleine-Brockhoff trocken fest. Der Deutsche arbeitet beim German Marshall Fund in Washington. Die neue Aufmerksamkeit für Angela Merkel in den USA erklärt er so: "Seit 30 Jahren versuchen die Amerikaner, eine Telefonnummer in Europa zu bekommen - seit der Zeit von Außenminister Henry Kissinger. Und kein transatlantisches Gespräch verläuft ohne dieses Zitat. Jetzt glauben sie, sie gefunden zu haben: in Angela Merkel."

Rätselhafte Zurückhaltung Washingtons

Eben weil Deutschland die wichtigste Nation innerhalb der EU ist. Das größte Problem zwischen den USA und Europa sieht Kleine-Brockhoff in der Tatsache, dass die USA den Europäern nicht helfen wollen. Deswegen sei nicht nur der Euro in der Krise, sondern auch das transatlantische Verhältnis. "Aus meiner Sicht müsste es ein eminentes amerikanische Interesse geben, in diesem Prozess involviert zu sein und ihn am besten über den IWF zu steuern. Denn dort haben die USA eine starke Machtposition und können die Mittel anderer hebeln."

Dass der IWF, also der Internationale Währungsfonds, neues Geld für die kriselnden Euro-Länder zur Verfügung stellt, darüber wird auch bereits in Brüssel und Berlin gesprochen. Wie es heißt, könnte auch die US-Notenbank, die Fed, mitziehen. Um eine Stärkung des IWF könnte es gehen, wenn US-Finanzminister Timothy Geithner heute seinen deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble sowie die Chefs der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank, Mario Draghi sowie Jens Weidmann, trifft.

Stand: 06.12.2011 08:51 Uhr
 

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