Stellenangebote für Flüchtlinge in Berlin | Bildquelle: dpa

Jobmotor Migranten Zuwanderer gründen häufiger Firmen

Stand: 30.01.2016 12:24 Uhr

Migranten gründen überdurchschnittlich oft Firmen - und schaffen überdurchschnittlich viele Jobs. Das zeigt eine neue KfW-Studie. Doch sie brechen ihre Karriere auch schneller als andere ab. Die Wirtschaft drängt aber darauf, das Potential der Migranten stärker nutzen zu können.

Die Wirtschaft kann von Migration profitieren - und sie möchte die Fähigkeiten der Zuwanderer stärker nutzen als bisher. Wie ihr Potential dem Arbeitsmarkt in Deutschland zugute kommt, zeigt eine neue Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach wagen Migranten häufiger den Schritt in die Selbstständigkeit und beschäftigten zudem mehr Mitarbeiter als Durchschnittsgründer in Deutschland.

Jeder fünfte Unternehmensgründer hat laut der Studie ausländische Wurzeln oder eine ausländische Staatsbürgerschaft. Damit liegt die jährliche Gründerquote (1,86 Prozent) um ein Zehntel über der allgemeinen Quote (1,68 Prozent). Diese Quote beschreibt den Anteil der Günder an der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Auch die Zahl der Beschäftigten lag im Schnitt mit umgerechnet zwei Vollzeitstellen etwas höher.

Viele scheitern früh

Die meisten Neu-Unternehmer starten im Dienstleistungssektor, Migranten setzen dabei überdurchschnittlich oft auf den Handel. Allerdings brechen sie ihre Karriere der Studie nach häufiger ab als andere. Nach drei Jahren bestehen 70 Prozent aller Existenzgründungen noch, bei Migranten sind es nur noch 60 Prozent.

Laut der Studie beruht der häufigere Schritt in die Selbständigkeit auf mangelnden Alternativen auf dem Arbeitsmarkt. Da viele Unternehmensgründer aber aus der Arbeitslosigkeit kommen und vergleichsweise jung sind, scheitern sie auch schneller.

Mehr in Bildung investieren

Das Problem der überdurchschnittlichen Arbeitslosigkeit von Flüchtlingen möchten Industrie und Handel angehen. Der Präsident des Bundesverbandes der Industrie, Ulrich Grillo, rief die Bundesregierung auf, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um Flüchtlinge einstellen zu können. Gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio betonte Grillo, wichtig sei nun, die Qualifikation von Zuwanderern festzustellen und voranzutreiben. Ebenso konsequent müsse in Bildung und Wohnungsbau investiert werde.

Grillo bemängelte, von der Großen Koalition habe er in den vergangenen Wochen wenig große Taten gesehen, vor allem aber "großen Streit". Jetzt müssten die Beschlüsse des Asylpakets II auch konsequent umgesetzt werden. Merkels Feststellung "Wir schaffen das" könne sich erfüllen, "wenn wir mehr lernen, wie wir das schaffen". Dafür müsse die Koalition aber zusammenarbeiten und sich nicht in Streitereien ergehen.

Weitere Schritte sollen folgen

Auch die Vertreter anderer Verbände forderten von der Bundesregierung, bessere Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Bei einer erfolgreichen Ausbildung müsse eine grundsätzlich unbefristete Anschlussbeschäftigung möglich sein, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, der "Rheinischen Post". Er verlangte auch eine Vertrauensschutzregelung für Betriebe mit Auszubildenden aus Ländern, die nach Beginn der Ausbildung zu sicheren Herkunftsländern erklärt wurden.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, fordert ebenfalls eine Perspektive für eine Anschlussbeschäftigung junger Flüchtlinge, die in Deutschland eine Ausbildung machen. Es komme jetzt darauf an, dass die Politik "kurzfristig eine klare Regelung schafft", sagte er der Zeitung.

Die Parteichefs von Union und SPD hatten sich am Donnerstagabend darauf geeinigt, dass Flüchtlinge eine in Deutschland angefangene Ausbildung beenden und im Anschluss zwei Jahre beschäftigt bleiben können.

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