Eingang des Leipziger Unister-Firmensitzes | Bildquelle: dpa

Insolventes Urlaubsportal Unisters Reise - bald vor Gericht

Stand: 22.11.2016 20:00 Uhr

Unister ist pleite - die Geschichte um den Online-Reisevermittler aber noch nicht zu Ende erzählt. Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ soll Anfang 2017 ein umfangreicher Prozess gegen ehemals führende Manager des Unternehmens beginnen.

Von Sebastian Pittelkow, NDR

Plötzlich war das Unternehmen führungslos: Kurz vor Weihnachten 2012 wurden Unister-Gründer Thomas Wagner und zwei weitere Manager festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Der Vorwurf: unerlaubtes Betreiben von Versicherungsgeschäften und Steuerhinterziehung. Weil Wagner die meisten Transaktionen im eigenen Internet-Imperium selbst freigegeben haben soll, ist das Unternehmen damals kurzzeitig wie gelähmt.

Eilig werden Kautionen aufgetrieben. Die Manager kommen wieder auf freien Fuß, aber verschiedene Ermittlungsverfahren gegen sie und andere Führungskräfte laufen mehrere Jahre lang und münden nun in ein Gerichtsverfahren.

Verhandlungsbeginn steht bevor

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" steht der Prozessbeginn gegen Top-Manager und Gesellschafter kurz bevor. Der Verfahren vor dem Landgericht Leipzig soll nach Angaben aus Kreisen von Verfahrensbeteiligten Anfang 2017 beginnen. Das Gericht habe jetzt eine entsprechende Anklage zugelassen und bereits Verhandlungstermine für mehrere Monate angesetzt.

Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe, die in der jetzt zugelassenen und in einer früheren Anklage enthalten sind. Es geht um mehrere Vorwürfe: Steuerhinterziehung, unerlaubter Verkauf von Versicherungen sowie banden- und gewerbsmäßiger Computerbetrug. 

Was wird in einem möglichen Prozess verhandelt?

Die Weihnachtszeit vor vier Jahren sei der Anfang vom Ende des Onlinereisevermittlers gewesen, sagen ehemalige führende Mitarbeiter heute. Unister machte damals noch eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr. Hunderttausende buchten auf den beliebten Portalen wie fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de.

Um Gewinne zu erzielen, sollen Teile der damaligen Führungsebene um Firmengründer Thomas Wagner nach Ansicht der Ermittler aber die gesetzlichen Grenzen wiederholt überschritten haben. Es folgten mehrere Durchsuchungsmaßnahmen unter anderem in der Leipziger Firmenzentrale des Unternehmens.

Zunächst fanden die Ermittler Hinweise auf ein Reiseversicherungsprodukt, das ihnen zufolge nicht ordnungsgemäß versteuert worden sei. Bei einer zweiten Durchsuchung ein Jahr später nahmen sie die internen Datenbanken der Firma auseinander und stellten mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei Flugbuchungen fest. Der konkrete Vorwurf der Ermittler: Tickets seien auf Anweisung der Unister-Spitze illegal "runtergebucht" worden.

Dabei handelt es sich um ein komplexes Verfahren, bei dem Unister als Reisevermittler, nach dem Verkauf eines Tickets Marktschwankungen ausgenutzt haben soll, um den Einkaufspreis zu drücken. Die Differenz sei aber nicht an den Verbraucher weitergegeben worden. Etwa 90.000 Kunden und diverse Airlines sollen auf diese Weise geschädigt worden sein. Das Unternehmen hatte der Einschätzung der Ermittler aber immer widersprochen.

Firmengründer gestorben

Sowohl im Fall des "Runterbuchens", als auch im Fall der Steuerhinterziehung richten sich die Vorwürfe zwar gegen mehrere ehemalige Top-Manager und Gesellschafter des Unternehmens, vor allem aber gegen Thomas Wagner. Doch der Firmengründer ist inzwischen tot. Er starb im Juli dieses Jahres nach einem windigen Kreditdeal bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien. Das Geld sollte seine Firma retten - doch Wagner wurde offenbar betrogen.

Unister ist heute insolvent. Nun sucht der Konkursverwalter Investoren. Sie sollen eine neue Geschichte des Unternehmens beschreiben. Die alte Geschichte - der angebliche Wirtschaftskrimi wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung des Computerbetrugs - wird mit einem umfangreichen Prozess enden. Ohne den ums Leben gekommenen Wagner. Für die übrig gebliebenen Angeklagten soll sich dann vor Gericht zeigen, ob sie schuldig sind, oder nicht. 

Darstellung: