E-Auto an einer Ladestation | Bildquelle: dpa

Autogipfel in Stuttgart Zu wenig, zu langsam, zu spät

Stand: 19.05.2017 03:22 Uhr

Kanzlerin Merkel hat sich von ihrem Ziel verabschiedet, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen. Weder Politik noch Industrie waren dafür gewappnet. Ein Autogipfel in Stuttgart soll das nun ändern.

Von Martin Schmidt, SWR

Auf der Internetseite der Bundesregierung ist das ehrgeizige Ziel noch nicht geändert: Eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen bringen. Festgeschrieben im Regierungsprogramm Elektromobilität 2011. Die Abhängigkeit vom Öl überwinden, durch Strom aus erneuerbaren Energien praktisch ohne Schadstoffausstoß unterwegs sein - alles nachvollziehbare und wünschenswerte Visionen.

"Das ist machbar", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch vor wenigen Jahren auf ihrer Internationalen Konferenz "Elektromobilität" zuversichtlich, wenngleich weitaus vorsichtiger als bei ihrem "Wir schaffen das" in der Flüchtlingskrise. Ihren Glauben an die Elektromobilität hat die Kanzlerin zwar bis heute nicht verloren, den Glauben ans Million-Ziel 2020 dagegen schon.

Treffen von Kretschmann mit Autobranche in Stuttgart
tagesschau 15:00 Uhr, 19.05.2017, Florian Gediehn, SWR

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Auch Autoindustrie glaubt nicht mehr an die Million

Dieter Zetsche | Bildquelle: AFP
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Daimler-Chef Zetsche sieht im Verpassen des Ziels "kein Drama".

"So, wie es im Moment aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen", sagte sie Anfang der Woche bei einem Fraktionskongress. Denn trotz Kaufprämie und Steuererleichterungen kommt der Verkauf der E-Autos nur äußerst schleppend voran. In Deutschland sind zurzeit weit unter 100.000 Autos mit elektrischem Antrieb unterwegs.

Am Mittwochabend war Daimler-Chef Dieter Zetsche Merkel bei einer Verbandsfeier in Berlin zur Seite gesprungen: "Die Bundeskanzlerin hat Recht. Wir werden keine eine Million E-Autos bis 2020 erreichen." Kritik von politischen Gegnern an ihrer Aussage wehrte er ab: "Das ist aber auch kein Drama."

Die Hauptprobleme sind immer noch nicht gelöst

Eine bloße Jahreszahl scheint weder für Politik noch Industrie der Gradmesser zu sein in der Frage, wann sich die E-Mobilität durchsetzt. Und dennoch wird mehr und mehr deutlich, dass noch immer Lösungen für die großen Probleme fehlen, die die deutschen Autofahrer vom Kauf der E-Autos abhält: Reichweite, Ladeinfrastruktur und Kosten.

Auch deshalb ist Zetsche heute gemeinsam mit den Chefs von Audi, Porsche und denen einiger Automobilzulieferer in Stuttgart bei Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Gast. Der hat dazu auch die Stuttgarter Verkehrsbetriebe und den Energiekonzern EnBW geladen, um mit allen zusammen übers große Ganze zu sprechen. Ein "strategischer Dialog über die Transformation im Mobilitätssektor" solle das sein, kein einfacher Auto-Gipfel, wie einige Journalisten schreiben.

Industrie ist zu langsam

Aber natürlich treibt Kretschmann vor allem eins um: Sein Baden-Württemberg steht gerade wegen der Automobilindustrie wirtschaftlich sehr gut da, und das soll auch so bleiben. Denn mit Sorge stellt er fest: "Wir sind zu langsam." Vom technologischen Wandel der Branche seien so viele Bereiche betroffen, man müsse ihn mit Tempo vorausschauend angehen.

Winfried Kretschmann | Bildquelle: dpa
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann will die Elektromobilität voranbringen.

Kretschmann will verhindern, dass es immer wieder zu Nadelöhr-Situationen kommt, wie er sie nennt. Zum Beispiel die Infrastruktur für die E-Autos. Zwar seien Strom-Ladestationen für wenige E-Autos kein Problem, doch fügt er hinzu: "Wenn das in die Breite geht, müssen sie auch die Verteilernetze aufrüsten." Er beklagt, dass es noch kein vernünftiges Geschäftsmodell für die Ladestationen gebe. "So eine kostet vielleicht 8000 Euro und dann geht da einer ran und tankt für 5,50 Euro - wie soll da das Geschäftsmodell aussehen?"

Späte Reue

Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach findet den Start des Dialogs im Ländle durchaus sinnvoll. Einen kleinen Seitenhieb auf die Politik kann er sich allerdings nicht verkneifen. "Das finde ich schon putzig, dass man erst im Jahr 2017 versucht, solche Grundsatzfragen zu klären, wenn die Ziele für die E-Mobilität schon Jahre alt sind", sagt Bratzel.

Kaufprämien für Autos, die es gar nicht gibt

Gleichzeitig nimmt er den baden-württembergischen Ministerpräsidenten aber auch in Schutz, schließlich sei das eigentlich eine bundespolitische Aufgabe. Doch gerade in Berlin habe die Regierung gerne mal zu falschen Maßnahmen gegriffen. Beispiel: Kaufprämie für E-Autos. "Es gibt doch kein Nachfrageproblem, sondern ein Technologieproblem", meint Bratzel. Härtere Auflagen, zum Beispiel strengere Abgastests oder Zufahrtsbegrenzungen der Innenstädte, hätten die Industrie vielleicht dazu gebracht, schneller bessere E-Autos zu entwickeln. 

Der Automobilexperte ist wenig verwundert, dass Baden-Württemberg vorangehen will, vielleicht sogar eine Art Leitmodell entwickeln, das sich bundesweit übertragen lassen könnte. Die Landeshauptstadt Stuttgart erstickt noch immer regelmäßig im Feinstaub, und auch die Stickstoffdioxid-Werte liegen zu oft über den Grenzwerten. Der Druck vor Ort ist groß - sowohl auf die Politik als auch auf die Arbeitgeber der Automobilindustrie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2017 um 18:28 Uhr

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