Schreibtisch | Bildquelle: dpa

DGB-Report Jeder Dritte hat überlange Arbeitszeiten

Stand: 11.02.2016 12:58 Uhr

45 Stunden Arbeit pro Woche oder mehr - das ist in Deutschland keine Seltenheit. Eine DGB-Umfrage hat ergeben, dass die vielen Überstunden auch Auswirkungen bis in das Privatleben haben. Wer wie viel arbeitet, schwankt deutlich - je nach Position und Branche.

Jeder dritte Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeitet nach Zahlen des Deutschen Gewerkschaftsbundes mehr als 45 Stunden pro Woche. 17 Prozent arbeiteten sogar mehr als 48 Stunden - das geht aus einer Auswertung des DGB-Indexes "Gute Arbeit" hervor.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach findet die Zahlen alarmierend: "Viele tun das nicht freiwillig", so ihre Kritik. Dabei würde oft gegen gesetzliche Höchstarbeitszeiten verstoßen: "Meist sind mehr als acht Stunden am Tag verboten", betont Buntenbach. Überlange Arbeitszeiten gefährdeten die Gesundheit und erschwerten, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu kriegen.

Wer länger arbeitet, klagt auch öfter

Der Report zeigt, dass die betroffenen Arbeitnehmer häufiger über eine schlechte Work-Life-Balance klagen als andere Beschäftigte. Danach berichten die überlang Arbeitenden zu knapp 60 Prozent davon, dass Familie und Freunde aufgrund der Arbeitsbelastung zu kurz kommen. Bei der Gruppe der Beschäftigten, die 35 bis 44 Wochenstunden arbeiten, ist dies nur bei 28 Prozent der Fall.

Außerdem zeigen die DGB-Zahlen, dass die Arbeitnehmer mit deutlich mehr Überstunden auch über mehr Probleme bei der Einhaltung von Pausen und der Erholung außerhalb der Arbeit klagen. Der Anteil derjenigen, die auch in ihrer Freizeit nicht richtig abschalten könnten, sei bei ihnen deutlich größer (48 zu 27 Prozent). Und deutlich mehr Beschäftigte mit überlangen Arbeitszeiten nehmen auch Arbeit mit nach Hause (32 zu 11 Prozent).

Fast jeder Zweite in Leitungsfunktion macht Überstunden

Besonders anfällig für Überstunden sind offenbar Arbeitnehmer in Leitungsfunktionen. Insgesamt geben 44 Prozent von ihnen an, 45 Stunden und mehr zu arbeiten. Jeder vierte leitende Angestellte hat nach DGB-Verständnis "Arbeitszeiten mit extremer Überlänge" von 48 Stunden und mehr pro Woche. Zwischen den verschiedenen Branchen gibt es große Unterschiede. 59 Prozent der Fahrzeugführer etwa geben an, überlange Arbeitszeiten zu haben. Den Spitzenwert erreicht die Hotel- und Gaststättenbranche: 63 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten länger als vereinbart. Den geringsten Anteil an Überstunden leisten der Studie zufolge die Beschäftigten in der Finanz- und Versicherungsbranche.

DGB fordert neue Arbeitszeitregeln

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach | Bildquelle: picture alliance / dpa
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DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnt vor den Folgen "überlanger Arbeitszeiten".

Wer mehr als 45 Stunden die Woche am Arbeitsplatz verbringt, steht dem Report zufolge oft unter Zeitdruck. 70 Prozent der Befragten, die überlang arbeiten, gaben an, sich sehr häufig gehetzt zu fühlen. Bei den Arbeitnehmern, die 35 bis 44 Stunden die Woche arbeiten, stehen 49 Prozent unter Zeitdruck. Buntenbach forderte angesichts der Umfrageergebnisse eine Stärkung der Arbeitnehmer. "Wir brauchen neue Regeln, damit die Beschäftigten ihre Arbeitszeit flexibel und selbstbestimmt gestalten können".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Februar 2016 um 12:00 Uhr.

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