UBS

Konsequenz aus Libor-Skandal Rekordbuße für Schweizer Bank UBS

Stand: 19.12.2012 11:53 Uhr

Die Verstrickung in den Libor-Skandal um Zinsmanipulationen kommt die Schweizer Großbank UBS teuer zu stehen. Die größte Schweizer Bank muss insgesamt 1,4 Milliarden Franken als Geldstrafen zahlen - so viel wie noch nie eine Bank zuvor.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Die Gerüchteküche brodelte seit Tagen. In zahlreichen Zeitungsberichten wurde spekuliert, ob die UBS im sogenannten Libor-Skandal eine Milliarde, 1,4 Milliarden oder gar 1,6 Milliarden Franken an die amerikanische und britische Finanzaufsicht zahlen muss. Jetzt steht es fest: Sie muss die höchste Strafe zahlen, die je gegen eine Bank verhängt wurde.

1,4  Milliarden Franken beträgt die Geldstrafe für die größte Schweizer Bank, dreimal mehr als die Barclays-Bank, die ebenfalls in den Libor-Skandal verwickelt ist und rund 350 Millionen Euro (umgerechnet rund 425 Millionen Schweizer Franken) berappen musste. Libor ist ein Kürzel für London Interbank Offered Rate und ist der wichtigste Referenzzinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Gleichzeitig dient der Libor-Zinssatz als Richtschnur für Finanzgeschäfte in Billionenhöhe, zum Beispiel für Derivate, Hypotheken oder Studentenkredite.

36 UBS-Händler in den Skandal verwickelt

Die UBS wurde zu der Höchststrafe verdonnert, obwohl sie von Anfang an mit der amerikanischen und der britischen Finanzmarktaufsicht kooperiert hatte. Das lässt die Dimension des Skandals erahnen. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht gab bekannt, dass sie 59 Millionen Franken an unrechtmäßigen Gewinnen von der UBS zurückverlangen wird. Doch das sind Peanuts im Vergleich zur Geldbuße, die die Schweizer Großbank an die amerikanischen und britischen Behörden abführen muss.

Logo der Schweizer Bank UBS | Bildquelle: AFP
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Die Schweizer Bank arbeitete mit den Finanzbehörden zusammen - trotzdem musste sie wegen des Libor-Skandals eine Rekordstrafe zahlen.

Nach Angaben des Züricher "Tagesanzeigers" sollen 36 UBS-Händler in den Libor-Skandal verwickelt sein. Sie sollen zwischen 2005 und 2010 in der japanischen Filiale der UBS die Zinssätze manipuliert haben. Offenbar wurde aber auch der Euribor-Leitzins illegal beeinflusst. In der vergangenen Woche war der UBS-Händler Thomas Hayes in London zusammen mit zwei weiteren Bankern verhaftet worden. Er soll eine Schlüsselfigur bei der Koordination der Manipulation der Referenzzinssätze gewesen sein.

Topmanager der Schweizer Finanzmarktaufsicht im Ausstand

In den Skandal sind bis zu 16 Großbanken verwickelt, darunter auch die Deutsche Bank, die Citigroup, Barclays und die Royal Bank of Scotland. Besonders pikant: Der heute für die Großbanken zuständige Topmanager bei der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA, Mark Branson, war nicht nur zur fraglichen Zeit UBS-Mitarbeiter, sondern ausgerechnet auch noch CEO der Filiale in Tokio. Das ist nicht nur peinlich, sondern dubios. Deshalb ist Branson in den Ausstand getreten.

Die UBS hat eine eigene interne Untersuchung eingeleitet und rund 20 Händler und Manager gefeuert. Die heute bekannt gegebene Rekordbuße dürfte sich auch auf das vierte Quartal der UBS extrem negativ auswirken, ein Verlust gilt als wahrscheinlich, zu dem die Bank lediglich Rückstellungen in Höhe von rund 900 Millionen Franken vorgenommen hat - vom Reputationsschaden ganz zu schweigen. Schwere Zeiten für UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber, der die Altlasten der Bank beseitigen muss - mit horrenden Kosten, die an die Substanz gehen.

Dieser Beitrag lief am 19. Dezember 2012 um 12:39 Uhr im Deutschlandfunk.

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