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30.05.2012

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Wirtschaft
Spekulationsskandal erschüttert Großbank UBS
Händler verzockt zwei Milliarden Dollar

Spekulationsskandal erschüttert Großbank UBS

Ein mutmaßlicher Betrugsskandal bei der Schweizer Großbank UBS erschüttert die Finanzwelt: Ein Händler bescherte der UBS durch unerlaubte Wertpapiergeschäfte einen Verlust von schätzungsweise zwei Milliarden Dollar. Der Banker wurde in London festgenommen.

Von Barbara Wesel, RBB-Hörfunkkorrespondentin London

London ist der Ort, wo die Großbanken ihre Investment-Abteilungen angesiedelt haben, hier wurden in den Boom-Jahren die riesigen Gewinne eingefahren - zum Beispiel bei der Deutschen Bank, die deswegen auch Investment König Anshu Jain in den Vorstand holt.

Hier passieren aber auch die Katastrophen, wie jetzt im Falle UBS. In der Nacht nahm die britische Polizei einen 31-jährigen Wertpapierhändler der Schweizer Großbank fest, der für einen Verlust von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro in den Büchern des Kreditinstituts verantwortlich sein soll.

Entdeckung zur Unzeit

UBS-Bankfiliale in Zürich (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: UBS-Bankfiliale in Zürich: 2008 musste der Staat der Bank zur Seite springen. ]
Gestern war das schwarze Loch entdeckt worden - und das Timing hätte für die Bank nicht schlimmer sein können. Denn ausgerechnet an diesem Tag befasste sich das Parlament in Bern mit einer Gesetzesvorlage über verschärfte Regeln für Banken, damit bestimmte Kreditinstitute, die als "too big to fail", also als "zu groß, um unterzugehen" eingestuft werden, nicht mehr vom Staat gerettet werden müssten. Im Jahr 2008, als die UBS in der Finanzkrise rund 28 Milliarden Schweizer Franken verloren hatte, war ihr nämlich der Staat zur Seite gesprugen, die Regierung hatte mehr als das Doppelte zu ihrer Stützung aufgeboten.

Wegen des neuen Skandals musste die UBS jetzt eine Gewinnwarnung veröffentlichen: Sie wird im nächsten Quartal voraussichtlich wieder in die roten Zahlen rutschen. Die Aktie der Bank fiel in London am Morgen zwischenzeitlich um sieben Prozent.

Katz-und Maus-Spiel

Die Frage ist: Wie konnte das passieren? Schon einmal hatte es eine solche Katastrophe gegeben. Im Jahr 2008 hatte bei der französischen Bank Société Général der Händler Jerôme Kerviel fast fünf Milliarden Euro verloren und die Bank damit an den Rand des Absturzes gebracht. Damals schworen alle Großbanken, so etwas dürfe nie wieder passieren, die Kontrollen würden verschärft. Offenbar nicht genug - oder die Händler sind schlauer als die Kontrolleure, wie der frühere Hedgefonds-Manager Lars Kroijer glaubt. "Es gibt viele Kontrollen. Keine Bank will so etwas, es wirft ein schlechtes Licht auf sie. Es ist ein Katz-und Maus-Spiel", sagt Kroijer. Er hat ein Buch über die Machenschaften beim Investment-Banking geschrieben.

Dennoch: Wie konnte der jetzt verhaftete Wertpapierhändler ein dermaßen großes Rad drehen ohne aufzufliegen? Ließ man ihn an der langen Leine, weil er früher für große Gewinne gut war, und manövrierte er sich nach ersten Verlusten immer tiefer ins Minus hinein? Das wäre das übliche Muster. Oder schliefen seine Vorgesetzten? Im Fall des zu fünf Jahren Haft verurteilten Händlers des Société Générale gab es Zweifel daran, dass er tatsächlich allein den Milliardenschaden angerichtet hatte.

Letzte Warnung

Für das Investment Banking in London ist der neue Skandal eine letzte Warnung.  Seit längerem heißt es hier: Die guten Zeiten sind vorbei, die Gewinne magerer geworden, die Risiken größer. Die Banken bauen massiv Stellen ab. Die UBS hatte bereits die Streichung von erneut 3500 Jobs angekündigt - die Hälfte davon in London.

Stand: 15.09.2011 16:09 Uhr
 

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