Testlauf

Twitter verdoppelt auf 280 Zeichen

Stand: 27.09.2017 03:23 Uhr

Twitter könnte sich bald von seinem Markenzeichen verabschieden: Das soziale Netzwerk testet doppelt so lange Tweets, statt 140 können die Teilnehmer eines Testprojekts 280 Zeichen verwenden. Damit könne eine "größere Quelle der Frustration" für viele Nutzer beseitigt werden.

Nicht mehr 140, sondern bald bis zu 280: Twitter probiert doppelt so lange Tweets aus und könnte sich damit bald von seinem zentralen Markenzeichen verabschieden. Die Änderung solle im Rahmen eines Testprojekts geprüft werden, kündigte das US-Unternehmen am Dienstag in San Francisco an.

Durch die anvisierte Reform könne eine "größere Quelle der Frustration" für viele Nutzer beseitigt werden. Die Gedanken in 140 Zeichen zu packen, sei eine "Qual", schrieb die Twitter-Produktmanagerin Aliza Rosen in einem Internet-Eintrag.

Dennoch wolle Twitter die Änderung erst "mit einer kleinen Gruppe" von Leuten testen, "bevor wir die Entscheidung treffen, sie für alle verfügbar zu machen", hieß es. Der Kurznachrichtendienst zeigte sich am Dienstag schon vorab zuversichtlich, dass die Aufstockung auf 280 Zeichen einen positiven Effekt haben werde.

Japanisch, Chinesisch und Koreanisch außen vor

Der Test soll in allen Sprachen außer Japanisch, Chinesisch und Koreanisch laufen - weil in diesen Sprachen ohnehin mehr Inhalt mit weniger Schriftzeichen vermittelt werden könne, erklärte Twitter. Nur 0,4 Prozent der Tweets auf Japanisch erreichten die Länge von 140 Zeichen, rechnete Twitter vor. Von den Twitter-Beiträgen in englischer Sprache seien es neun Prozent - und viele Nutzer seien über die Begrenzung frustriert.

Die durchschnittliche Länge betrage dabei 15 Zeichen in japanischen Tweets und 34 Zeichen in englischen. Twitter machte zunächst keine Angaben dazu, wie viele Nutzer genau in den Test einbezogen werden und wie sie ausgewählt werden sollen. Die Beschränkung auf 140 Text-Zeichen ging ursprünglich darauf zurück, dass Twitter beim Start vor mehr als zehn Jahren zunächst noch auf Basis von SMS-Nachrichten aufgebaut war. Nach kurzer Zeit war sie dann technisch nicht mehr erforderlich - blieb aber als Markenzeichen.

Kürze bei Direktnachrichten schon aufgehoben

Twitter-Chef Jack Dorsey hatte vor zwei Wochen betont, dass die Plattform grundsätzlich auf kurze Beiträge ausgerichtet bleiben solle. "Wir glauben, dass es wirklich wichtig ist, diese Kürze beizubehalten", sagte er. Nach der Rückkehr an die Twitter-Spitze vor zwei Jahren hatte er noch mit dem Gedanken gespielt, die Einschränkung aufzuheben. Sie wurde allerdings nur für Direktnachrichten von Nutzer zu Nutzer gekippt. Solche Direktnachrichten seien danach dann häufiger genutzt worden.

Jetzt erklärte Dorsey in einem Tweet im neuen längeren Format, die 140 Zeichen seien eine "willkürliche" Einschränkung gewesen. Die langen Nachrichten, die nun vereinzelt auf der Plattform auftauchen, sehen gewöhnungsbedürftig aus.

Einige Twitter-Nutzer begrüßten in ersten Reaktionen die Aufstockung. Andere wiederum kritisierten, dass Twitter mit dem Schritt ein Stück seiner Identität aufgebe oder erklärten, dass das Unternehmen erst einmal konsequenter gegen andere Probleme wie das Publizieren von Tweets mit Hassreden vorgehen sollte.

Twitter erklärte in einem Blogeintrag, man hoffe, dass mit den Änderungen weniger Tweets an die Text-Obergrenze stoßen, "was es für alle einfacher machen sollte, zu twittern". Der chronisch verlustbringende Kurzmitteilungsdienst steht unter dem Druck der Börse, schneller die Nutzerzahlen zu steigern.