Turkish Airlines (Archivbild)

Krise von Turkish Airlines Überflieger in Turbulenzen

Stand: 08.11.2016 10:53 Uhr

Turkish Airlines steht wie kein zweites Unternehmen für den wirtschaftlichen Erfolg der Türkei. Doch Terroranschläge und angespannte Sicherheitslage setzen dem einstigen Überflieger zu. Ein Sparprogramm soll den erwarteten Milliardenverlust abfedern

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Istanbul 

Vor zehn Jahren wurde das staatliche Unternehmen Türk Hava Yollari zu 51 Prozent privatisiert und ging als Turkish Airlines an die Börse. Seitdem hatte die Fluglinie jährlich zweistellige Wachstumsraten vorzuweisen, die Zahl der Passagiere hat sich auf 63 Millionen fast verfünffacht. 2016 markiere einen Einschnitt in diese beispiellose Erfolgsgeschichte, meint der Luftfahrtexperte Murat Herdem. "Nach den Terroranschlägen und dem Putschversuch hat es bei den Spätbuchungen einen Rückgang von rund 25 Prozent gegeben, bei den Frühbuchungen um rund zehn Prozent. Seitdem gibt es Probleme."

Drastischer Passagierrückgang

18 größere Terroranschläge habe es bislang 2016 in der Türkei gegeben, erklärt Murat Herdem. Vor allem die Angriffe auf deutsche Touristen Mitte Januar mit zwölf Toten sowie auf den Atatürk-Flughafen Ende Juni mit 45 Toten seien für die gesamte Flugbranche in der Türkei verheerend gewesen. "Die Zahl der Passagiere ist drastisch zurückgegangen, bei den Flügen aus Europa um  bis zu 40 Prozent", sagt Herdem. Der Verlust von Turkish Airlines im Europa-Markt betrage momentan 17 Prozent.

Turkish Airlines repräsentiert wie kein zweites Unternehmen den wirtschaftlichen Erfolg der aufstrebenden Türkei unter Recep Tayyip Erdogan. Im vergangenen Jahr fuhr die Fluglinie einen Nettogewinn von einer Milliarde Dollar ein. Im laufenden Jahr wird mit einem Verlust in annähernd gleicher Höhe gerechnet. Öffentlich werde die Krise nicht eingestanden, analysiert Murat Herdem, aber das Management reagiere auf den Sinkflug. Turkish Airlines verfüge über rund 330 vorwiegend neue Flugzeuge, von denen gut vier Dutzend vorläufig stillgelegt werden sollen. "Auch beim Personal muss gespart werden."

Eine Turkish Airlines Maschine rollte in Istanbul zum Start.
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Turkish Airlines steuert auf einen Milliardenverlust zu.

Einsparungen beim Personal und weniger Service

Geplant ist, rund 1500 Angestellte in unbezahlten Urlaub zu schicken oder deren Verträge zu kündigen. Die Bewirtung an Bord wird eingeschränkt. Außerdem sollen die Ausgaben für Werbung und Sponsoring gesenkt werden.

Turkish Airlines bekommt wie kein zweites türkisches Großunternehmen die Auswirkungen der politischen Instabilität des Landes zu spüren. Die türkische Führung tut sich schwer damit, Zusammenhänge zwischen der von ihr aktiv betriebenen Politik und wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu erkennen. Neben vielen Touristen meiden auch immer ausländische Investoren das Land.

Langfristiger Höhenflug erwartet

Zwei der drei großen internationalen Ratingagenturen haben die Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Die Türkische Lira verliert drastisch an Wert und hat mit 3,50 pro Euro ein Rekordtief erreicht. Trotz allem seien die langfristigen Aussichten für Turkish Airlines gut, glaubt der Luftfahrtexperte Herdem. "Der größte Vorteil von Turkish Airlines ist die geographische Lage der Türkei. In einem Radius von drei Flugstunden kann man von der Türkei aus über 50 Länder erreichen."

Mit dem dritten sich im Bau befindlichen Flughafen werde Istanbul zu einem wichtigen internationalen Drehkreuz. Bis zu 120 Millionen Fluggäste sollen einmal über diesen Flughafen transportiert werden, der türkischen Medienberichten zufolge nach Erdogan benannt werden soll.

Turkish Airlines - Superstar im Sinkflug
R. Baumgarten, ARD Istanbul
08.11.2016 07:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. November 2016 um 07:03 und 07:32 Uhr.

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