Strand in Sousse, Tunesien | Bildquelle: REUTERS

Tunesien Die Rückkehr der Touristen?

Stand: 14.04.2017 01:37 Uhr

2015 sterben bei Anschlägen in Tunesien fast 60 Menschen. Die Folge: Die Buchungen gehen um 70 Prozent zurück, der Tourismus kommt fast zum Erliegen. Nun scheint es wieder aufwärts zu gehen.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Martina Knis ist Tunesien-Fan. Seit Jahren lebt sie auf der Ferieninsel Djerba - und verkauft Urlaub an den paradiesischen Stränden. Zuletzt lief das Geschäft mit der schönsten Zeit des Jahres hier eher schlecht - jetzt ist Knis wieder optimistisch. "Die Sonne scheint, wir haben Superwetter", sagt sie. "Wir erwarten gerade eine sehr große Anreise - gerade zu Ostern. Es sind ja jetzt Osterferien auch in Deutschland."

"Es gibt mehr Polizisten"

Knis arbeitet als Managerin im neuen Robinson-Club auf Djerba. Nach zehn Jahren ist Robinson zurück: das hochwertigste Produkt des Reiseveranstalters TUI, der noch zwei andere Ressorts auf der Insel unterhält. TUI hat Vertrauen in den Standort und in die tunesischen Partner. Die hätten schließlich auch viel getan, sagt Knis, um die Sicherheit zu verbessern. In den Hotels, aber auch an den Stränden: "Die Sicherheitsmaßnahmen sind verstärkt worden - aber auf eine angenehme Art und Weise. Es gibt mehr Polizisten, die patrouillieren."

Fast jeder Zweite im Tourismus

Tunesiens Behörden mussten auf die Terrorangriffe auf Touristen reagieren: 2015 starben bei zwei Anschlägen auf das Nationalmuseum von Tunis und einen Hotelstrand nahe der Stadt Sousse fast 60 Urlauber. Die Folge: Die Buchungen brachen um 70 Prozent ein. Eine Katastrophe für Tunesien - und besonders für Djerba, sagt TUI-Managerin Knis: "Auf Djerba ist fast jeder Zweite in den Tourismus involviert - ob das der kleine Mann ist, der vor den Hotels Wasser verkauft, oder der Taxifahrer oder Museumswärter."

60 Prozent mehr Reservierungen

Mittlerweile scheint sich das Blatt zu wenden. Die tunesischen Reiseveranstalter verzeichnen 60 Prozent mehr Reservierungen als im Vorjahr, mehr als sechseinhalb Millionen Touristen werden dieses Jahr erwartet.

Für Knis liegt das nicht nur an den Bemühungen um mehr Sicherheit, sondern auch am Produkt. Modernisierte Anlagen, ein breiteres Angebot: Oasen, die archäologischen Ausgrabungen, die "Star-Wars"-Drehorte in den Dünen von Nefta - oder "Djerbahood", die mittlerweile berühmte Graffiti-Galerie in Erriadh, dem kleinen Insel-Dorf mit jüdischer Geschichte.

Djerba will Zugpferd eines Tourismus-Booms in Tunesien sein, und Knis wäre gern Teil dieser Geschichte. Jetzt müssten nur noch mehr Flüge kommen, sagt sie - und vor allem: Tunesiens Behörden müssten weiter ihre Hausaufgaben machen.

Tunesien: Die Urlauber kommen zurück
Alexander Göbel, ARD Rabat
13.04.2017 20:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2017 um 05:40 Uhr

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