Türkische Lira | Bildquelle: REUTERS

Ratingagentur Fitch sieht die Türkei auf Ramschniveau

Stand: 28.01.2017 11:46 Uhr

Für türkische Staatsanleihen gibt es schlechte Noten: Die US-Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft - und nennt dafür gleich mehrere Gründe. Derweil droht auch Standard & Poor's mit einer weiteren Absenkung.

Die US-Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Damit gelten türkische Staatsanleihen bei allen großen Ratingagenturen als risikoreich. Die Bonitätsnote sei um eine Stufe auf "BB+" gesenkt worden, teilte Fitch mit. Der Ausblick für das Rating sei stabil. Damit droht zunächst keine weitere Herabstufung.

Unsicherheit wegen politischer Stabilität...

Fitch begründete die Herabstufung mit der Unsicherheit mit Blick auf die politische Stabilität und Sicherheit des Landes. Das anstehende Verfassungsreferendum könnte die Kontrolle der Regierungspolitik unterminieren. Nach dem Putschversuch im vergangenen Sommer sei die Notstandsgesetzgebung immer noch in Kraft.

...Terroranschläge belasten den Tourismus

Zudem würden Terroranschläge das Verbrauchervertrauen und den Tourismussektor belasten. Fitch verweist zudem auf den starken Verfall der türkischen Währung Lira. Gefährdet sei die Türkei durch die hohe Auslandsverschuldung. Das Wirtschaftswachstum hat sich zudem im zweiten Halbjahr 2016 deutlich abgeschwächt. Die Herabstufung durch Fitch dürfte die Schuldenaufnahme durch die türkische Regierung weiter verteuern. Die wirtschaftliche Krise des Landes könnte sich also noch verschärfen.

S&P droht mit tieferer Herabstufung

Derweil droht auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) der Türkei mit einer Herabstufung der Bonitätsnote tiefer in den Ramschbereich. Der Ausblick sei auf "negativ" von "stabil" gesenkt worden, teilte S&P mit. Der Spielraum der Entscheidungsträger im Kampf gegen die Inflation und die Schwäche der türkischen Lira sinke, hieß es zur Begründung. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wiederholt die Zinspolitik der Zentralbank kritisiert. Mit der Note "BB" gelten türkische Anleihen bereits als spekulative Investitionen.

Die türkische Lira war in den vergangenen Wochen mehrfach auf Rekordtiefs gefallen. Ökonomen halten deutliche Zinserhöhungen für nötig, um die Währung zu stützen und die Inflation in den Griff zu bekommen. Doch Erdogan will die Zinsen niedrig halten, um mit günstigen Darlehen die Konjunktur anzukurbeln. "Zinserhöhungen wirken sich negativ auf den Wechselkurs und die Inflation aus", bekräftigte Erdogan seine Kritik.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Januar 2017 um 05:00 Uhr.

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