Ölpumpen auf einem Ölfeld in den USA | Bildquelle: AP

Deutsche Umsatz-Hoffnungen Unternehmer hoffen auf "Trump-Boom"

Stand: 23.11.2016 13:31 Uhr

Groß sind die Hoffnungen deutscher Unternehmer auf einen "Trump-Boom". Sollte er seine angekündigten Infrastrukturmaßnahmen umsetzen, hoffen viele deutsche Firmen auf Umsatz. Trumps Hass-Wahlkampf ist längst vergessen.

Von Daniel Hechler, SWR

"Trump ist gut für Bilfinger." Es ist ein bemerkenswert klares Eingeständnis von Vorstandschef Tom Blades, das noch vor kurzem unvorstellbar schien. Im Wahlkampf säte der Milliardär Hass, polarisiert, diffamierte. In Deutschland ist er so unbeliebt wie kaum ein anderer Politiker. Der Schock über seinen Wahlsieg sitzt bei vielen noch immer tief.

In Deutschlands Chefetagen aber hat der Populist offenbar seinen Schrecken verloren. Erstaunlich offen plaudert Blades über die Chancen, die der künftige Präsident für Bilfinger eröffnen könnte. Der krisengeschüttelte Konzern beschäftigt in den USA 3000 Mitarbeiter, engagiert sich im Öl-, Gas- und Chemiesektor, außerdem bei großen Infrastrukturprojekten. Hier trat die Obama-Regierung in den vergangenen Jahren auf die Bremse - aus Umweltschutzgründen, aber auch wegen des Klimawandels. Trump interessiert das herzlich wenig. Er sei da "viel klarer" als Obama, erklärt Vorstandschef Blades. Schließlich gehe es um Projekte der nationalen Energiesicherheit, die Trump nun "fördern und fordern" wolle.

Aktionäre von Bilfinger vor dem Firmenlogo
galerie

Bilfinger Vorstandschef Tom Blades setzt auf den "Trump-Boom".

Trumps Hass? Schnee von gestern

Für Bilfinger eröffneten sich damit ungeahnte Möglichkeiten, etwa beim Bau neuer Öl-Pipelines. Ins Schwärmen kommt auch Peter Kulitz, Geschäftsführer des Ulmer Maschinenbauers Esta: "Trump ist ein Unternehmer. Er versteht es, die Bevölkerung anzusprechen. Wenn er jetzt noch die Gabe hat, gute Berater um sich zu scharen, dann ist mir nicht bange."

Esta stellt High-Tech-Maschinen her, die Spähne, Staub und Gerüche in Produktionshallen absaugen. Vor kurzem hat Kulitz ein Tochterunternehmen in den USA gegründet und will weiter investieren. Der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags setzt große Hoffnungen in das milliardenschwere Investitionsprogramm, das Trump im Wahlkampf angekündigt hat: "Er will ja richtig mächtig rangehen. Das hat alles auch Auswirkungen auf die Produktionsprozesse, die Kapazitäten und damit sind auch unsere Geräte wieder im Spiel." Trumps Hass-Wahlkampf sei längst Schnee von gestern. Die Ausfälle gegen Frauen, Latinos und Minderheiten solle man besser schnell vergessen, meint der Unternehmer.

Hoffen auf den "Trump-Boom"

Gerade der deutschen Rüstungsindustrie winken milliardenschwere Aufträge. Trump forderte von den NATO-Verbündeten im Wahlkampf schließlich deutlich höhere Ausgaben für die Verteidigung und drohte schon einmal mit dem Rückzug aus dem Verteidigungsbündnis, sollten die Alliierten nicht spuren. Davon könnten EADS, Rheinmetall oder Heckler&Koch profitieren.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft sieht in seiner neuesten Prognose zwar auch Unsicherheiten und Risiken für Deutschlands Konjunktur, nicht zuletzt wegen möglicher neuer Handelsbarrieren. Einige Branchen aber könnten tatsächlich einen "Trump-Boom" erleben, wie Geschäftsführer Hubertus Bardt, Geschäftsführer Institut der Deutschen Wirtschaft meint: "Es gibt die Ankündigung, die Öl- und Gasförderung weiter zu erleichtern. Insofern führt das zu Geschäftsmöglichkeiten für die Ausrüster hier. Wenn neue Infrastrukturen gebaut werden, etwa Pipelines, ist das natürlich auch für die entsprechenden Baufirmen von Interesse. Und es gibt einige, die sich im Gesundheitsbereich neue Geschäftsmöglichkeiten erhoffen", sagt er.

Aesculap: Chirurgie-Mechaniker Christian Borowski poliert in Tuttlingen einen Mikronadelhalter | Bildquelle: dpa
galerie

Chirurgie-Mechaniker bei Aesculap in Tuttlingen: "Wenn 'Obamacare' fällt, wird es für uns auch neue Chancen im Markt geben."

Deutsche Medizintechnik für die USA

Dazu zählen auch Konzerne der Medizintechnik, allen voran Aesculap. Den Tuttlinger Hersteller von Implantaten und OP-Besteck kam "Obamacare" teuer zu stehen. Mit der Pflichtversicherung für alle US-Bürger führte Obama auch Preisbeschränkungen und eine Sondersteuer für Medizinhersteller ein. Die Margen von Aesculap schmolzen zusammen. Mit Trumps Triumph keimt bei Vorstandschef Hans-Peter Knaebel nun Hoffnung auf: "'Obamacare'‚ war ja für uns ein teures Strukturprogramm. Wenn sich die Situation jetzt verändert und 'Obamacare' fällt, wird es für uns auch neue Chancen im Markt geben", hofft er.

Keine Angst vor Donald also. Diese Einsicht scheint sich mittlerweile bei etlichen Konzernführern durchzusetzen. Den Aufstieg des Milliardärs sehen sie mit großer Gelassenheit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. November 2016 um 09:00 Uhr.

Darstellung: