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UPS greift Deutsche Post an
"Wir schmieden einen Weltmarktführer"
Der US-Paketdienst United Parcel Service (UPS) übernimmt den niederländischen Paketdienst TNT Express. Das teilten beide Unternehmen mit. "Wir schmieden einen Weltmarktführer", kündigte UPS-Finanzchef Kurt Kuehn an. In den USA ist UPS bereits Marktführer. Auswirkungen wird die TNT-Übernahme vor allem in Europa haben, denn UPS greift damit DHL an, den Paketdienstleister der Deutschen Post.
Die Deutsche Post hat kartellrechtliche Bedenken. "Es handelt sich hier um zwei relevante Wettbewerber, die sich zusammentun wollen", sagte ein Konzernsprecher. Durch die Übernahme entstehe eine Größe und Marktposition, die wettbewerbsrechtliche Probleme mit sich bringe.
Die Deutsche Post erwarte eine eingehende Prüfung der Übernahme durch die EU-Kommission, sagte der Sprecher. Diese könne sich nach den Regularien der EU-Wettbewerbshüter über Monate hinziehen. UPS rechnet nicht damit. Die EU-Kommission werde die Übernahme nach nur einem Monat durchwinken, meint Finanzchef Kuehn.
TNT ist derzeit mit einem Marktanteil von 18 Prozent führend in Europa, DHL liegt mit 15 Prozent auf Platz zwei.
"Es ist schwer, wenn man übernommen wird"
UPS wurde 1907 in USA gegründet. Seit 1976 ist das Unternehmen auch in Europa präsent. Am Flughafen Köln-Bonn, in unmittelbarer Nähe zur Zentrale der Deutschen Post, unterhält UPS sein europäisches Luftfrachtzentrum. Zurzeit wird es für rund 200 Millionen US-Dollar weiter ausgebaut. UPS beschäftigt weltweit 400.000 Menschen.
TNT Express ist 2011 aus der Aufspaltung der niederländischen Post in einen Brief- und einen Paketdienst entstanden. Das niederländische Unternehmen hat 82.000 Angestellte und ist in 200 Staaten weltweit aktiv. Der Zukauf wäre der bislang größte für UPS.
UPS und TNT hatten seit Februar verhandelt. Schließlich hatte UPS sein Angebot auf 9,50 Euro pro Aktie erhöht, das sind insgesamt 5,16 Milliarden Euro. Darauf war TNT eingegangen, wie beide Unternehmen bestätigten. TNT-Chefin Marie-Christine Lombard sprach von einem "schweren, aber auch großen Tag für TNT Express". Lombard räumte ein: "Wir sind ein stolzes Unternehmen. Es ist schwer, wenn man übernommen wird." Ihr Unternehmen steuere aber auch auf eine große Zukunft zu. Denn nun entstehe ein "Weltmarktführer".
Wenn die Fusion scheitert, muss UPS 200 Millionen Euro zahlen
Ob die Kartellbehörde ihre Zustimmung zur Fusion gibt, ist noch offen. Wenn der Deal an Einsprüchen der Wettbewerbshüter scheitert, müsste UPS an TNT eine Entschädigung in Höhe von 200 Millionen Euro zahlen.
UPS attackiert deutsche Post
J. Kleikamp, ARD Den Haag
19.03.2012 10:50 Uhr
Stand: 19.03.2012 16:56 Uhr
