ThyssenKrupp bietet Amnestie in Kartellfällen an

Aufdeckung von Kartellfällen

ThyssenKrupp bietet Mitarbeitern Amnestie an

Der Chef des Essener ThyssenKrupp-Konzerns, Heinrich Hiesinger, will einen Schlussstrich unter die Serie von Kartellfällen bei dem Stahlriesen ziehen. Dafür bietet der Vorstandsvorsitzende seinen Mitarbeitern eine Amnestie an: Wer Kartell- oder Korruptionsfälle "freiwillig, wahrheitsgemäß und umfassend offenbart", brauche keine Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes oder vor Schadenersatzansprüchen zu haben, teilte das Unternehmen mit.

Die ThyssenKrupp-Zentrale in Essen (Bildquelle: dpa)
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ThyssenKrupp in Essen: Der Konzern will mit der Vergangenheit aufräumen.

Die Aktion ist jedoch auf zwei Monate begrenzt, und auch strafrechtliche Vorwürfe sind von der Amnestie ausgenommen. Daneben sei das Programm auf noch nicht verjährte Verstöße begrenzt und gelte nicht für Vorstände und Bereichsvorstände, hieß es. Mitarbeiter könnten Verstöße noch bis zum 15. Juni melden, sagte ein Sprecher.

Bei der Initiative gehe es darum, eine Zäsur zu machen und einen Selbstreinigungsprozess anzustoßen. "Wir können nicht immer nur zurückblicken", so der ThyssenKrupp-Sprecher. Durch die in der Vergangenheit bekanntgewordenen Verstöße sei ein "gewaltiger Imageschaden" entstanden.

Neben der Amnestie wolle das Unternehmen sich auch externe Verstärkung durch eine Rechtsanwaltskanzlei und die Etablierung eines Ombudsmanns holen.

Amnestieprogramm für korrupte Mitarbeiter
J. Marksteiner, WDR
16.04.2013 13:28 Uhr

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Wandel der Führungskultur bei ThyssenKrupp

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte in der Vergangenheit bereits ein hartes Vorgehen gegen derartige Verstöße angekündigt. Bei ThyssenKrupp gelte das Prinzip "Null Toleranz", betonte Hiesinger zuletzt Ende Februar. "Wir sind dabei, einen umfassenden Wandel der Führungskultur bei ThyssenKrupp umzusetzen." Wer nicht mitziehe, habe bei ThyssenKrupp nichts zu suchen.

Nach einer ganzen Serie von Kartellverfahren ermittelt das Bundeskartellamt derzeit gegen ThyssenKrupp und andere Stahlhersteller wegen des Verdachts der Bildung eines Kartells beim Verkauf von Autoblechen. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen den Beteiligten hohe Schadenersatzforderungen.

Bereits in der Vergangenheit war ThyssenKrupp in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen bei Rolltreppen hatte zuletzt ein Schienenkartell für Aufsehen gesorgt. Mitte Juni 2012 hatte das Bundeskartellamt gegen die Schienenhersteller Bußgelder in Höhe von 124 Millionen Euro verhängt. Der Löwenanteil des Bußgeldes entfiel auf ThyssenKrupp mit gut 100 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. April 2013 um 15:42 Uhr.

Stand: 16.04.2013 12:31 Uhr

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