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Hauptversammlung bei ThyssenKrupp
Chefaufseher Cromme räumt Fehler ein
ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat auf der Bochumer Hauptversammlung des Stahlkonzerns Fehler eingeräumt. "Ja, wir haben zu lange vertraut. Wir hätten früher handeln können", sagte er angesichts von Milliardenverlusten und Kartellverstößen. Gleichzeitig verteidigte er die Arbeit des Kontrollgremiums: Wenn "die Fakten es ermöglicht hätten", habe der Aufsichtsrat konsequent gehandelt. Er betonte, erste Erfolge seien erkennbar.
Aufsichtsratschef Cromme reagiert auf heftige Kritik der Aktionärsvertreter
tagesschau 20:00 Uhr, 18.01.2013, Michael Heussen, WDR
Zu den Milliardenverlusten von ThyssenKrupp in Übersee sagte Cromme, es sei in der Vergangenheit trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern. Durch massive Probleme bei den Stahlwerken in den USA und in Brasilien war der Stahlkonzern, der weltweit 150.000 Mitarbeiter hat, im vergangenen Geschäftsjahr mit einem Verlust von fünf Milliarden Euro tief in die roten Zahlen gestürzt. Erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 erhalten die Aktionäre keine Dividende. ThyssenKrupp will die Werke verkaufen, mit denen das Unternehmen bislang insgesamt zwölf Milliarden Euro Verlust gemacht hat.
Außerdem hatte sich der Konzern unter anderem in einem Kartell von Schienenherstellern bei Preisabsprachen zu Lasten der Deutschen Bahn, privater Bahnanbieter und von Nahverkehrsunternehmen beteiligt. Das Bundeskartellamt verhängte deswegen allein gegen ThyssenKrupp ein Bußgeld in Höhe von 103 Millionen Euro.
Scharfe Kritik an Cromme
Aktionäre forderten personelle Konsequenzen auch im Aufsichtsrat. Jens Meyer vom Deka Investmentfonds appellierte an Cromme: "Es wäre eine ehrbare Entscheidung zu sagen, ich trete zurück." Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, nannte das derzeitige Bild des Konzerns "verheerend", viele Aktionäre seien entsetzt. Ein anderer Aktionärssprecher beantragte vergeblich die Abwahl Crommes als Versammlungsleiter, der auch von anderen Kleinaktionären angegriffen wurde.
Der seit 2001 amtierende Cromme äußerte sich nicht konkret zu den Forderungen und ließ keinen Willen zum Rücktritt erkennen. Die in der Öffentlichkeit geäußerte Kritik bezeichnete Cromme als "bisweilen auch unberechtigt". Er fügte hinzu: "Was in den Medien steht, ist letztlich nicht maßgeblich."
Der Aufsichtsrat verzichte "als Geste der Betroffenheit und Solidarität mit den Anteilseignern des Konzerns" auf die Hälfte seiner Vergütung für das Geschäftsjahr 2011/2012, erklärte Cromme. Das entspricht insgesamt rund 700.000 Euro. Cromme verliert rund 100.000 Euro.
Konzernchef stellt sich vor Cromme
Rückendeckung erhielt Cromme von Konzernchef Heinrich Hiesinger. Der Aufsichtsrat mit Cromme an der Spitze habe den Wandel des Unternehmens eingeleitet, betonte er. Er habe für seinen Kurs immer die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat erhalten. Vorstand und Aufsichtsrat könnten ThyssenKrupp gemeinsam "in eine erfolgreiche Zukunft führen können, wenn wir den kritischen, aber vertrauensvollen Dialog fortführen".
Der seit zwei Jahren amtierende Hiesinger kündigte eine neue Führungskultur bei dem größten deutschen Stahlkonzern an: "Wir geben offen zu, vieles ist falsch gelaufen, vieles war nicht verhältnismäßig oder nicht mehr zeitgemäß."
Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation bei ThyssenKrupp betonte Hiesinger, der notwendige Konzernumbau werde mehrere Jahre dauern. Im gegenwärtigen Zustand sei der Konzern "bei weitem noch nicht zukunftsfähig". Es gebe aber keine Überlegungen, sich auch vom europäischen Stahlgeschäft zu trennen.
Stand: 18.01.2013 16:52 Uhr
