Aldi Theo Albrecht

Aldi-Mitbegründer gestorben Trauer um Theo Albrecht

Stand: 28.07.2010 12:42 Uhr

Aldi-Mitgründer Theo Albrecht ist mit 88 Jahren in Essen gestorben. Das bestätigte die Unternehmensgruppe Aldi Nord. Der Unternehmer starb bereits am vergangenen Samstag und wurde am Morgen im engsten Familienkreis beigesetzt. Er sei seit längerer Zeit schwer krank gewesen.

Aldi Nord erklärte, das Unternehmen trauere "um einen Menschen, der gegenüber seinen Geschäftspartnern und Mitarbeitern bescheiden auftrat und sie immer mit großem Respekt behandelte". Die Firma wolle "sein Vermächtnis in seinem Sinne respektvoll fortsetzen".

Weiter hieß es, Albrecht habe über eine Nachfolgeregelung die Zukunft der Unternehmensgruppe mit weltweit über 50.000 Mitarbeitern abgesichert. Die Gruppe werde seit Jahren von Managern geführt, die unabhängig alle operativen Entscheidungen träfen. Das Unternehmensvermögen sei zudem in Stiftungen gebunden, die nicht auflösbar seien; dies garantiere Unternehmens- und Vermögenskontinuität.

Laden der Mutter 1946 übernommen

Albrecht wurde 1922 als Sohn eines Bergarbeiters und gelernten Bäckers geboren. Sowohl sein Geburtsort als auch der Geburtstag sind unbekannt - je nach Quelle ist es der 13. März oder der 28. März. Sein Bruder ist zwei Jahre älter.

Die Mutter der beiden führte im Essener Vorort Schonebeck seit 1913 einen kleinen Lebensmittelladen, den sie 1946 übernahmen. Darauf bauten sie eine Lebensmittelkette auf. Im Jahr 1950 gehörten ihnen 31 Geschäfte, im Jahr 1960 schon 300 Geschäfte mit einem Gesamtumsatz von 90 Millionen Mark.

Im Jahr 1962 eröffneten die Brüder den ersten Aldi-Discountmarkt, fast zehn Jahre später gab es bereits mehr als 600 Filialen in 300 Städten. Das Geschäftsprinzip fußte auf klaren Prinzipien: überschaubare Artikelmenge, identische Filialen, sparsame Ladeneinrichtungen, wenig Personal - und günstige Preise.

Aldi Nord und Aldi Süd

Die Supermarktkette Aldi wurde von den Brüdern Karl und Theo Albrecht gegründet. Bereits 1960 teilten sie ihr Unternehmen in die eigenständigen Firmen Aldi Nord (Theo) und Aldi Süd (Karl) auf. Die Grenze zwischen beiden Unternehmen verläuft quer durch Nordrhein-Westfalen und Nordhessen bis Thüringen. Spätestens mit der Eröffnung des ersten Aldi-Marktes 1962 in Dortmund verschrieben sie sich ganz dem Discount-Prinzip. Das Kürzel Aldi steht für Albrecht-Discount.

Aufteilung in Nord und Süd

Schon 1961 hatten sie die Zuständigkeiten getrennt: Theo Albrecht übernahm die nördlichen Filialen, Karl Albrecht die südlichen. Gerüchte sagen, es habe einen Streit über den Verkauf von Zigaretten gegeben. Beide blieben aber geschäftlich verbunden und bauten die Kette in den folgenden Jahrzehnten zu einem international tätigen Unternehmen aus. Für das vergangene Jahr geben die Handelsexperten von Planet Retail die Zahl der Filialen in Deutschland mit 4295 an, weltweit sind es demnach rund 9400 in 18 Ländern.

Im Jahr 2005 meldete das Unternehmen einen Umsatzrekord von 31 Milliarden Euro. Die aktuelle Zahl liegt bei gut 50 Milliarden Euro. Im Jahr 1993 übergab Albrecht die operative Führung des Unternehmens an seine zwei Söhne, blieb aber einflussreich.

Gleich eine ganze Palette Apfelsaft

Einen Wachstumsschub brachte der Strategiewechsel Anfang der 70er Jahre: Ab dem Zeitraum setzte Aldi auf 800-Quadratmeter-Läden mit vielen Parkplätzen statt Läden in Innenstädten zu eröffnen. Mit einem Mal hätten Kunden nicht mehr nur eine Packung Apfelsaft, sondern gleich eine ganze Palette gekauft, sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Forschungsinstitutes EHI. Wachstumsmotor war lange das sogenannte Non-Food-Geschäft mit Computern, Bekleidung und Haushaltswaren.

Aldi wurde oft kritisiert, etwa für den hohen Druck auf Lieferanten. "Senkt Aldi Preise, ziehen die anderen mit", beschreibt Gerling die Rolle des Unternehmens als Kosten- und damit Preisführer. Im vergangenen Jahr zum Beispiel klagten die Milchbauern, wegen des hohen Preisdrucks der Discounter mit Aldi an der Spitze hätten sie kein ausreichendes Einkommen mehr. Doch drei von vier Haushalten in Deutschland kaufen bei Aldi ein und die Kette gilt ihnen laut einer Studie aus dem Jahr 2008 als die vertrauenswürdigste Handelsmarke in Deutschland.

Wenig über Privatleben bekannt

Theo Albrecht (Archivbild 1971) | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Dieses Bild von Theo Albrecht aus dem Jahr 1971 ist eines der wenigen verfügbaren des Unternehmers.

Über das Privatleben der Albrechts ist extrem wenig bekannt: Die Brüder gelten seit jeher als extrem öffentlichkeitsscheu. 1971 wurde Theo entführt, 17 Tage lang festgehalten und gegen sieben Millionen D-Mark Lösegeld freigelassen. Der Fall erregte große öffentliche Aufmerksamkeit.

Albrecht war laut der Liste des US-Magazins "Forbes" der drittreichste Deutsche mit einem Vermögen von knapp 17 Milliarden Dollar. Sein Bruder Karl steht mit 23,5 Milliarden Dollar an der Spitze der Liste. Ihm folgt mit deutlichem Abstand der Versandhaus-Unternehmer Michael Otto. Er wird zusammen mit seiner Familie von "Forbes" auf 18,7 Milliarden Dollar geschätzt.

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