Tesla | Bildquelle: AFP

Tesla in der Kritik "Willkommen in der Produktionshölle"

Stand: 10.08.2017 08:28 Uhr

Tesla gilt mit seinen Elektroautos als wegweisend. Weniger wegweisend scheinen allerdings die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Produktion zu sein: Berichte über Arbeitsunfälle häufen sich. Dazu sind die Gehälter vergleichsweise mager.

Von Marcus Schuler, Silicon Valley

Vermutlich muss es für die Arbeiter des Tesla Werkes in Fremont zynisch geklungen haben, als ihr Chef Elon Musk sie vor zwei Wochen mit den Worten begrüßte: "Welcome to production hell" - "Willkommen in der Produktionshölle."

Douglas Parker fand die Rede des Tesla Chefs jedenfalls weniger lustig. Parker leitet die gemeinnützige Organisation "Worksafe", die sich für Sicherheit an Arbeitsplätzen einsetzt. Sie hat dafür gesorgt, dass mögliche Missstände im Tesla-Werk bekannt wurden.

Hohe Zahl an Verletzungen

"Worksafe" hat seinen Sitz in Oakland, das liegt gut 40 Kilometer entfernt von der Elektroauto Fabrik von Tesla. "Mich erinnerte seine Ansprache an das, was uns Arbeiter kürzlich erzählt haben, was dort jeden Tag geschieht und was bislang zu einer hohen Anzahl an Verletzungen geführt hat."

Douglas Parker schätzt, dass gut 10.000 Arbeiter im Werk in Fremont beschäftigt sind. Vergleicht man die Zahl der Arbeitsunfälle mit dem Rest der US-Autoindustrie, dann liege die Verletzungsrate 31 Prozent über dem Durchschnitt. "Viele der Unfälle kommen daher, weil die Arbeiter die immer wieder gleichen Bewegungen machen sowie die Geschwindigkeit, mit der sie diese Tätigkeiten ausüben müssen."

Tesla-Chef Elon Musk sprichtauf dem Fabrikgelände in Fremont, Kalifornien, bei der Übergabe des ersten Model 3. | Bildquelle: dpa
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Tesla-Chef Elon Musk spricht auf dem Fabrikgelände in Fremont, Kalifornien, bei der Übergabe des ersten Model 3.

Bis vor kurzem wurde im Tesla-Werk in Fremont noch in zwei Schichten gearbeitet. Eine Schicht soll bis zu zwölf Stunden lang gewesen sein. Tesla hat reagiert. Im US-Fernsehen bestätigte eine Werksmitarbeiterin: "Sie haben jetzt eine dritte Schicht eingeführt, es gibt jetzt nicht mehr zwei Schichten je zwölf Stunden, das macht für uns einen großen Unterschied. Der Körper wird dadurch nicht mehr so stark beansprucht."

Immenser Druck auf Mitarbeiter

Auch der Personalchef von Tesla, Josh Hedges, beschwichtigt. Tesla sei die Sicherheit seiner Mitarbeiter wichtig, sagte er dem Fernsehsender CBS: "Wir haben die Produktionsstraße ergonomisch angepasst. In keinem Fall geht bei uns die Zahl der produzierten Autos vor die Gesundheit unserer Angestellten." Dennoch dürften die Arbeitsbedingungen für die Tesla-Mitarbeiter schwierig sein. Sie stehen unter einem immensen Druck.

Das kalifornische Unternehmen hat im vergangenen Jahr 84.000 Fahrzeuge hergestellt. Im kommenden Jahr sollen nach dem Willen von Elon Musk eine halbe Million Fahrzeuge vom Band rollen. Ein Produktionsanstieg, hinter den viele Fachleute ein dickes Fragezeichen machen.

Jonathan Galescu arbeitet am Fließband bei Tesla. Gegenüber CBS meint er: "Der Druck ist hoch und wenn das passiert, dann ignoriert man eben andere wichtige Dinge." Douglas Parker von Worksafe sagt, seine Organisation und er seien besorgt. Tesla habe zu viel versprochen. "Um ihre Versprechungen gegenüber der Öffentlichkeit, ihren Kunden und ihren Investoren einzuhalten, haben sie ihre Arbeiter unmöglichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Die bisherige Geschwindigkeit am Fließband war nur möglich, weil man bereit war, das Verletzungsrisiko zu akzeptieren."

Silicon Valley für Tesla-Mitarbeiter oft zu zu teuer

Wer bei Tesla anfängt, verdient im Schnitt rund 15 Euro pro Stunde. Im mittleren Westen, in Detroit, wo die großen Autohersteller ihre Fabriken haben, sind es im Schnitt fast 26 Euro. Der Unterschied wird noch größer, wenn man sich die Lebenshaltungskosten anschaut: In der Bay-Area mit dem Silicon Valley sind die Mieten und Lebenshaltungskosten extrem hoch. Leisten können sich das viele Tesla-Arbeiter nicht. Sie müssen oft zwei Stunden pendeln - pro Weg, so Douglas Parker. "Ich habe sogar gehört, dass manche im Auto schlafen, um zwischen den Schichten genug Schlaf zu bekommen."

Noch konnten sich die Tesla-Arbeiter nicht gewerkschaftlich organisieren. Das ist in den USA deutlich schwieriger als in der EU. Doch die Gewerkschaften in der Bay Area hoffen, dass der Druck auf Tesla wächst und sich doch eine Arbeitnehmervertretung bilden lässt.

Tesla-Mitarbeiter beschweren sich über niedrige Löhne
Marcus Schuler, Silicon Valley
10.08.2017 10:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2017 um 06:20 Uhr.

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