Überland Stromkabel vor leicht wolkigem Abendhimmel. | Bildquelle: dpa

Tennet erhöht Netzentgelt Strompreise steigen kommendes Jahr

Stand: 22.09.2016 21:27 Uhr

Der langsame Ausbau der Stromnetze wird für den Verbraucher teuer. Der Netzbetreiber Tennet erhöht seine Preise massiv - das schlägt am Ende auch auf die Stromrechnung durch.

Stromkunden müssen sich im kommenden Jahr auf eine höhere Rechnung einstellen. Der Stromnetzbetreiber Tennet erhöht massiv seine Preise und begründet dies mit den Folgekosten der Energiewende. "Unsere Netzentgelte werden zum Jahreswechsel um 80 Prozent steigen", sagte Tennet-Chef Urban Keussen dem "Handelsblatt" (Freitagsausgabe). Das schlage am Ende auch auf die Stromrechnung der Verbraucher durch.

30 Euro mehr für Drei-Personen-Haushalt

Nach Angaben Keussens werde ein Drei-Personen-Haushalt rund 30 Euro mehr im Jahr bezahlen müssen. "Hauptursache für den Anstieg ist, dass der Netzausbau nicht so schnell voran kommt wie der Zubau der Erneuerbaren. Das muss uns alarmieren", sagte der Manager der Zeitung. Der Ausbau der Netze wird allerdings seit Jahren verzögert durch politischen Streit, lange Genehmigungsverfahren und Proteste entlang der geplanten Trassen.

Die Leitungen fehlen

Das Problem: Ohne einen deutlichen Netzausbau kommt die Energiewende nicht voran, Freilandleitungen sind vielerorts kaum durchsetzbar. Erdkabel sollen auf Dauer helfen. Ohne den Ausbau ist es schwierig, Sonnen- und vor allem den Windstrom aus dem Norden etwa in den Süden der Republik zu bekommen.

Eine Windkraftanlage hinter einem Hausdach mit Solarzellen | Bildquelle: dpa
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Wegen ungleichmäßiger Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom müssen Netzbetreiber häufig stabilisierend eingreifen - das kostet Geld.

Weil das Stromnetz mit den Schwankungen überfordert ist, fallen Milliarden-Kosten für die Gegenmaßnahmen an. Der Löwenanteil des Anstiegs der Netzentgelte von Tennet gehe auf das Konto solcher "netzstabilisierenden Notmaßnahmen", sagte Keussen. "Nur fünf Prozent sind durch den Netzausbau begründet." Das zeige, dass die vielen Verzögerungen beim Bau neuer Stromnetze teurer seien als der Neubau von Masten und Leitungen selbst.

Mehr Strom als das Netz verträgt

Im Sommer 2015 etwa zeigten sich solche Probleme massiv: Während einer wochenlangen Hitzewelle erzeugten Photovoltaik-Anlagen im Norden Sonnenstrom in Hülle und Fülle, so dass konventionelle Kraftwerke ihre Leistung teils drastisch herunterfahren mussten, um das Netz zu stabilisieren. Für die Entschädigung an die Betreiber kommen die Verbraucher über die Netzentgelte ihrer Stromrechnung auf. Gut eine Milliarde Euro kostete das Engpass-Management 2015.

Tennet ist ein Schwergewicht in Deutschland

Tennet hatte 2010 das Höchstspannungsnetz von E.ON übernommen, das fast die Hälfte der Fläche Deutschlands abdeckt. Der niederländische Staatskonzern ist hierzulande der größte der vier Übertragungsnetzbetreiber, die anderen sind TransnetBW, 50Hertz und Amprion.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. September 2016 um 06:41 Uhr

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