Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Weitere ARD Online-Angebote.
[Bildunterschrift: Logo der Deutschen Telekom an der Firmenzentrale in Bonn. ]
Bei der Deutschen Telekom sind mehr als ein Jahr lang die Telefonkontakte von Managern und Aufsichtsräten ausspioniert worden. Nach derzeitigen Erkenntnissen sei es 2005 und nach aktuellen Behauptungen auch 2006 zur missbräuchlichen Nutzung von Verbindungsdaten gekommen, teilte das Unternehmen mit und bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel".
Demnach sammelte und überprüfte der Konzern über ein Jahr lang Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten und Managern. Ziel der Spähoperationen "Clipper" und "Rheingold" sei es gewesen, undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufzuspüren. Eine Berliner Beratungsfirma habe die Datensätze auswerten und mit den Telefonnummern von Journalisten abgleichen sollen, hieß es in dem Bericht.
Nach Angaben der Deutschen Telekom wurden jedoch keine Gespräche abgehört. Bei den missbräuchlich genutzten Verbindungsdaten habe es sich um Angaben zu Uhrzeit, Länge und Teilnehmern von Gesprächen gehandelt.
[Bildunterschrift: Derzeitiger Telekom-Chef Rene Obermann ]
Die Telekom erklärte, ein erster Einzelfall sei bereits im Sommer 2007 entdeckt und aufgeklärt worden. Die Überwachung ging demnach von der Sicherheitsabteilung des Unternehmen aus. Durch ein Schreiben eines extern Beteiligten vom 28. April dieses Jahres habe das Unternehmen dann Hinweise auf sehr viel umfangreichere Aktionen bekommen. Die Konzernspitze habe daraufhin die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und am 14. Mai Anzeige erstattet. "Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert. Wir nehmen den Vorgang sehr ernst", sagte Telekom-Chef Rene Obermann. "Mit unserem Vorgehen wollen wir höchstmögliche Transparenz erreichen und der Strafjustiz ermöglichen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen."
Zusätzlich zur Staatsanwaltschaft sei auf Wunsch des Vorstandes und Aufsichtsrates eine Kölner Anwaltskanzlei mit einer unabhängigen Untersuchung der Vorfälle beauftragt worden. Obermann ist seit November 2006 Vorstandschef der Telekom. Sein Vorgänger war Kai-Uwe Ricke.
[Hinweis: Sie benötigen das Flash-Plugin und aktiviertes Javascript um das Video zu sehen.]
Die Bonner Staatsanwaltschaft prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. "Derzeit wird das umfangreiche Material ausgewertet, das uns die Telekom übergeben hat", sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel. Die Entscheidung, ob Ermittlungen eingeleitet werden, falle voraussichtlich in der kommenden Woche.
Der stellvertretende Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Schröder forderte eine schnelle Aufklärung der Affäre. "Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das eine gewaltige Dimension", sagte das ver.di-Bundesvorstandsmitglied der Nachrichtenagentur ddp. Falls Personen aus dem Unternehmen zur Aufklärung beitragen könnten, sollten sie dies tun.
Der Konzern teilte mit, dass bereits nach Bekanntwerden der ersten Bespitzelung die konzerneigene Sicherheitsabteilung "komplett umgebaut" und mit neuen Kontrollmechanismen ausgestattet worden sei. Es habe "weitreichende personelle und organisatorische Veränderungen" gegeben. In diesem Zuge sei 2007 der ehemalige Ministerialdirektor Reinhard Rupprecht als Sicherheitsbevollmächtigter des Vorstands eingesetzt worden.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW