Telekom will weniger stark drosseln

Firmenlogo Deutsche Telekom (Bildquelle: dapd)

Limit für Datenmengen

Telekom bremst weniger scharf

Nach heftiger Kritik an ihren Plänen zur Internetdrosselung rudert die Deutsche Telekom ein Stück zurück. Überschreiten Kunden ein bestimmtes Datenvolumen bei der Nutzung ihres Internetanschlusses, soll die Geschwindigkeit weniger stark gedrosselt werden als bislang geplant, wie das Unternehmen mitteilte. Demnach soll die Geschwindigkeit auf zwei Megabit pro Sekunde sinken - statt auf 384 Kilobit pro Sekunde wie bislang geplant.

Mit zwei Megabit pro Sekunde wäre auch eine gedrosselte Leitung noch doppelt so schnell wie die langsamste DSL-Verbindung, würde aber zum Beispiel kein Video-Streaming in hoher Auflösung erlauben.

Telekom: Tempobremse hat "für Aufregung gesorgt"

Netzwerkkabel (Bildquelle: dpa)
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Deutsche Telekom: Grenzen für schnelles Internet

Telekom-Marketingchef Michael Hagspihl räumte ein, die Ankündigung der Tempobremse für Vielsurfer Ende April habe "für Aufregung" bei Kunden gesorgt. Auch die Politik habe sich zu Wort gemeldet. Seitdem habe sich der Konzern "im intensiven Dialog" mit seinen Kunden befunden und reagiere jetzt: Die Telekom habe beschlossen, die garantierte Mindestgeschwindigkeit von heimischen Internetanschlüssen bei Erreichen der monatlichen Volumengrenze "zu verfünffachen".

Telekom weicht umstrittene Drosselpläne auf
tagesschau 15:00 Uhr, 12.06.2013, Philipp Glitz, WDR

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Tempo-Bremse greift ab 2016

Die Telekom hatte am 2. Mai für Neukunden im Festnetz Daten-Obergrenzen eingeführt, bei deren Überschreiten die Geschwindigkeit der Internet-Verbindung gedrosselt werden kann. Die Tempo-Bremse soll allerdings nicht vor 2016 greifen. Dann will die Telekom für einen Aufpreis aber auch Flatrates ohne Einschränkungen anbieten. Das könnte zehn bis 20 Euro mehr kosten, hieß es. Der Erhalt der "echten" Flatrates war die erste Abweichung von den ursprünglichen Plänen nach den kritischen Reaktionen.

"Taktisches Manöver"

"Es ist wohl vor allem ein taktisches Manöver, wenn die Telekom jetzt ein Stück weit auf Kritik reagiert", meint NDR-Netzexperte Fiete Stegers. "Die Drosselung soll ja weiterhin stattfinden, nur nicht mehr ganz so stark wie zunächst angekündigt", fügt er hinzu. Zwei Megabit pro Sekunde sei derzeit die Geschwindigkeit der langsamsten möglichen DSL-Anschlüsse - für einfaches Surfen und Mailen reiche das laut Stegers heutzutage noch aus. Aber bis 2016 werde sich seiner Meinung nach das Datenvolumen bei jedem normalen Internet-Nutzer automatisch weiter erhöhen, weil das Internet alle häufiger nutzen und die Anwendungen mehr Daten schlucken würden. Zudem merkte er an, dass die EU eigentlich als Ziel ausgebe, dass bis 2020 jeder zweite EU-Bürger einen Internet-Anschluss mit 100 Megabit pro Sekunde oder mehr hat.

"Minimales Zugeständnis"

Markus Beckedahl von dem Verein Digitale Gesellschaft, der sich für Verbraucherschutz im Netz stark macht, spricht von einem "minimalem Zugeständnis". Haushalte mit mehreren Internetnutzern wie Familien seien weiter benachteiligt. "Wenn mehr als eine Person im Haushalt Videos schaut, ist das Internet für die anderen nicht mehr benutzbar." Der entscheidende Punkt bleibe unverändert, sagte Beckedahl: Angebote, die Teil der "Managed Services" der Telekom sind, würden nicht in das monatliche Freivolumen eingerechnet. Er sieht dadurch das Gebot der Netzneutralität verletzt, nach dem alle Inhalte im Internet gleichberechtigt behandelt werden sollen. Dieses Prinzip müsse per Gesetz verankert werden, forderte er.

Stand: 12.06.2013 16:38 Uhr

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