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Geplante Datenvermarktung sorgt für Wirbel
Heftiger Gegenwind für die "Smart Steps" von O2
Die Bewegungsdaten der O2-Mobilfunkkunden will der Konzern Telefónica zu Geld machen. Sie sollen in anonymisierter Form vermarktet werden. Doch die Pläne sorgen für Wirbel. Datenschützer und Politiker fürchten, dass Rückschlüsse auf die Kunden möglich sein werden.
Von Marc Dugge, HR
Am deutlichsten wurde der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Seine Behörde ist für die Telekom-Anbieter zuständig. Schaar ist derzeit in Washington. Von dort äußerte er sich in hr info zu den Plänen von Telefónica. "Ich sehe das außerordentlich kritisch", sagte er. "Denn wenn ich ein Handy in der Tasche habe, und damit dann auch telefonieren will, dann gebe ich zwangsläufig Informationen über meinen Standort an die Telefongesellschaft - und zwar zum Zwecke der Erreichbarkeit. Wenn ich telefonieren will, bleibt mir gar nichts anderes übrig!"
Schaar fügte hinzu: "Wenn diese Daten dann verkauft werden, dann wäre das nach derzeitigem Recht so nicht zulässig." Mit einer Einschränkung, wie der Datenschutzbeauftragte ergänzte: Der Nutzer müsse ausdrücklich zustimmen, dass der Anbieter seine Daten verwenden darf. "Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass das Unternehmen wirklich wirksame Einwilligungen von einer größeren Zahl von Kunden erhalten wird, so dass ich fast ausschließen würde, dass man da einen Weg findet, der legal ist, um diese Pläne zu realisieren."
Einführungstermin in Deutschland noch offen
Die Pläne von Telefónica sorgen für Wirbel. Mit dem Programm "Smart Steps" will der Konzern anonymisierte Bewegungsdaten seiner Kunden vermarkten. Das Programm wurde Anfang Oktober von Telefónica in Großbritannien vorgestellt. Geplant ist, es zu einem späteren Zeitpunkt auch in Deutschland einzuführen.
Zu dem Projekt äußerte sich auch Marrit Hansen, stellvertretende Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig Holstein. Auch sie kritisierte die Vermarktung von Standortdaten. Es müsse sichergestellt sein, dass die Daten vollständig anonymisiert werden. "Ich kann mir das tatsächlich auch vorstellen, dass eine Anonymisierung in dem Sinne stattfindet, dass ich sage: An diesem Funkmast bei dem Volksfest sind jetzt gerade so und so viele meiner Kunden dabei. Auf dem Level aggregiert ist das ziemlich unkritisch. Da kann ich mir vorstellen, dass man da auch zu rechtskonformen Lösungen kommt."
Datenpläne von Telefonica sogren für Wirbel
M. Dugge, HR
30.10.2012 19:34 Uhr
O2 verspricht Einhaltung der Datenschutzgesetze
Ein Sprecher von O2 betonte gegenüber hr info noch einmal, dass die Daten bei "Smart Steps" tatsächlich komplett anonymisiert würden. O2 werde sich selbstverständlich an die Datenschutzbestimmungen halten. Derzeit gebe es noch keine konkreten Pläne für einen Einsatz von "Smart Steps" in Deutschland. Auch könne man Nutzer aus technischen Gründen nur auf höchstens 200 Meter genau orten.
Politiker zweifeln an wirksamer Anonymisierung
Dem widerspricht Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstands und Datenschutzexperte der Grünen. Er verweist darauf, dass man in Städten zum Teil auf 20 oder 50 Meter genau verfolgen könne, wo sich jemand aufhalte. "Wenn man jetzt nicht nur die Daten von einem Tag, sondern von zwei Wochen zum Beispiel zusammenfügt, kann man natürlich sehen: Wo halten sich Menschen auf." Daraus könne man auch Rückschlüsse auf das soziale Leben der Nutzer ziehen, so Spitz.
Auch die Liberalen kritisierten das Projekt. Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, sagte, wenn in einem Dorf nur eine Handvoll Menschen bei einem bestimmten Telefonanbieter sei, sei es mit der Anonymisierung nicht weit her. Das gelte insbesondere dann, wenn die Datensätze noch um Alter, Geschlecht und weitere Merkmale angereichert werden.
Telefónica bekommt bei "Smart Steps" heftig Gegenwind - auch wenn es bisher von dem Programm nur einen Prototyp gibt.
O2-Mutterkonzern erwägt Verkauf von Kundendaten an Werbeindustrie
tagesschau 20:00 Uhr, 30.10.2012, Oliver Feldforth, HR
Stand: 30.10.2012 17:29 Uhr
