Eine Verkäuferin arbeitet in einer Filiale einer Bäckerei in Zwenkau (Landkreis Leipzig). Vor allem Frauen nutzen die Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung.  | Bildquelle: dpa

Weniger Vollzeitstellen Voll arbeiten immer weniger

Stand: 26.05.2017 01:58 Uhr

In Deutschland haben heute mehr Menschen als jemals zuvor einen Job. Doch die Zahl der Vollzeitstellen geht zurück. Mittlerweile liegt sie sogar unter dem Stand der Jahrtausendwende. Dafür boomt die Teilzeit - vor allem für Frauen.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland nimmt immer weiter zu. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die tagesschau.de vorliegt. Demnach hat die Zahl der Kernerwerbstätigen, also Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die nicht in der Ausbildung sind, zwar seit dem Jahr 2000 deutlich zugenommen. Dies ist allerdings auf einen spürbaren Anstieg bei den Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen.

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ging seit der Jahrtausendwende sogar zurück: So gab es im Jahr 2015 insgesamt 36,16 Millionen Kernerwerbstätige in Deutschland - ein Anstieg von 7,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten nahm im selben Zeitraum jedoch um 3,2 Prozent ab. Sie liegt heute bei 21,4 Millionen Menschen. Gleichzeitig schoss die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in die Höhe.

Im Jahr 2015 gab es fast doppelt so viele Teilzeitbeschäftigte, die mehr als 20 Wochenstunden arbeiten, als im Jahr 2000. Damals waren es noch rund 1,7 Millionen Menschen. 15 Jahre später sind es bereits 3,4 Millionen.

"Beschäftigungswunder ist reine Umschichtung"

Bei Erwerbstätigen, die weniger als 20 Wochenstunden arbeiten, fiel der Anstieg etwas weniger stark aus. Ihre Zahl stieg um 23 Prozent auf 4,8 Millionen. Hinzu kommt noch eine weitere Entwicklung bei der sogenannten atypischen Beschäftigung. So gab es im Jahr 2016 insgesamt 7,8 Millionen Minijobber - ein Zuwachs von 37,5 Prozent seit dem Jahr 2003.

Für die Linksfraktion sind diese Zahlen ein Beleg dafür, dass die rot-grünen Arbeitsmarktreformen gescheitert sind. "Das angebliche Beschäftigungswunder entpuppt sich als reine Umschichtung auf dem Arbeitsmarkt: Weniger Vollzeit, mehr Teilzeit, mehr Minijobs und Zeitarbeit", sagt der Linken-Abgeordnete Klaus Ernst zu tagesschau.de.

Teilzeit vor allem bei Frauen verbreitet

Aus der Antwort der Bundesregierung geht zudem hervor, dass vor allem Frauen Teilzeit arbeiten. Insgesamt gab es im Jahr 2015 fast genauso viele weibliche Teilzeiterwerbstätige wie Frauen, die in Vollzeit arbeiten. Bei den männlichen Kernerwerbstätigen gingen hingegen mehr als 73 Prozent einer Vollzeitbeschäftigung nach.

Auch bei den Minijobs liegen die Frauen weit vorn. So gab es 2015 mehr als 1,8 Millionen Minijobberinnen - bei rund 530.000 männlichen Minijobbern.

Durchschnittliche Arbeitszeit geht zurück

Angesichts dieses Anstiegs bei der Teilzeit ist es kaum überraschend, dass auch die durchschnittliche Arbeitszeit eines Erwerbstätigen in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Im Jahr 2000 lag sie noch bei 1452 Stunden im Jahr, 2015 nur noch bei 1368, schreibt Annette Kramme, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage. Auch der Anstieg des Arbeitsvolumens fiel entsprechend moderat aus.

Über dieses Thema berichtete die ARD am 24. Januar 2017 um 21:45 Uhr.

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