App UBER (Bildquelle: picture alliance / dpa)

App vermittelt private Taxifahrten Uber-Flieger oder Billigkonkurrenz?

Stand: 11.06.2014 04:55 Uhr

Eine App, die Privatleute zu Taxifahrern macht - mit dieser Geschäftsidee konnte das Start-Up Uber 900 Millionen Euro von Investoren einsammeln. Doch es regt sich Widerstand gegen die Pläne. Heute protestieren Hunderte Taxifahrer.

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Für den neuen Fahrten-Anbieter Uber findet Thomas Grätz vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband (BPZ) deutliche Worte: "Das Modell von UberPop ist zutiefst illegal, das geht gar nicht." Er füchtet große Ausfälle für die rund 200.000 Taxifahrer in Deutschland.

Tatsächlich ist das Unternehmen, das Privatpersonen zu Taxi-Fahrern machen will, stark umstritten. Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass eine Smartphone-App Menschen, die mit dem Auto unterwegs sind und solche, die eine Fahrt suchen, zueinander bringt. Für den Fahrgast soll das bis zu 20 bis 40 Prozent günstiger sein als der reguläre Taxitarif.

Bei Uber etwa kommen zu einem Basispreis von einem Euro noch einmal 25 Cent pro Minute und ein Euro pro gefahrenen Kilometer hinzu. 20 Prozent des Fahrpreises müssen als Gebühr an Uber abgeführt werden.

Gerichte verbieten Dienste

Darin sehen die Gerichte jedoch eine Verletzung der Gewerbepflicht. Per einstweiliger Verfügung verbot ein Gericht in Berlin deshalb das (schein)selbständige Taxi-Geschäft. Auch in Hamburg untersagte die Wirtschaftsbehörde die Fahrten-Vermittlung via WunderCar, einem Mitbewerber von Uber. Die Begründung: Es handle sich um ein kommerzielles Angebot, sei jedoch nicht gewerblich registriert.

Bei WunderCar zahlt der Fahrgast eine "freiwilliges Trinkgeld", das jedoch bereits vorher von der App  berechnet wird und von dem das Unternehmen ebenfalls 20 Prozent als Gebühr behält. "Bei uns fahren Köche und Segelmeister, Jurastudenten und Obstbauern", heißt es von seiten des Unternehmens. Es handle sich deshalb nicht um ein kommerzielles Angebot, betonte Geschäftsführer Gunnar Froh und stellte gegenüber ndr.de klar: "Wir bieten unsere Community-Fahrten weiterhin an."

Taxifahrer protestieren gegen Internet-Konkurrenz
tagesschau 14:00 Uhr, 11.06.2014, Eva Lodde, NDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Was passiert bei einem Unfall?

Das Argument, ihr Modell könnte die Personenbeförderung in Städten effizienter machen, lässt man bei der Hamburger Behörde jedoch nicht gelten: "Die Strecken bei WunderCar sind keine zufälligen Mitfahrten - die Wege werden nur auf Wunsch des Kunden, also extra gefahren", sagt Ulrich Werner von der Wirtschaftsbehörde. Ähnliche Tendenzen sind bereits seit längerem bei Portalen wie mitfahrgelegenheit.de oder airbnb.de zu beobachten.

Offen sind ebenfalls versicherungsrechtliche Fragen. Bei einem Unfall in einem regulären Taxi ist der Fahrgast in jedem Fall versichert. Deshalb sind Versicherungsprämien für gewerblich gemeldete Anbieter auch deutlich teurer. "Bei vermeintlichen Privatfahrten ist die Lage sehr viel komplizierter und kann damit enden, dass der Fahrer, falls er keinen entsprechenden Schutz hat, in Regress genommen wird", sagt Ulrich Werner - und der Fahrgast im schlimmsten Fall leer ausgeht.

Autos stehen im Stau (Bildquelle: picture alliance / dpa)
galerie

Lauter potenzielle Taxifahrer? Uber möchte den Stadtverkehr effizienter gestalten und damit auch Staus verhindern.

Investoren geben 900 Millionen

Trotz all dieser Bedenken scheinen Investoren von dem Erfolg des Uber-Modells überzeugt. Rund 900 Millionen Euro konnte das Unternehmen von Geldgebern einsammeln. Den Börsenwert des Unternehmens schätzen Analysten sogar auf knapp 13 Milliarden Euro. Dieser Wert ist zwar hochgerechnet, könnte aber eine Orientierung für einen späteren Börsengang sein. Zu den größten Geldgebern zählt Google, das derzeit mit selbstfahrenden Autos experimentiert. Ob daraus jedoch eine Flotte von Robotertaxis hervorgeht, wie manche orakeln, ist jedoch fraglich.

Uber-App (Bildquelle: dpa)
galerie

Sie will günstiger sein als normale Taxifahrer: die Uber-App.

Seit der Gründung in den USA vor rund vier Jahren ist das Unternehmen in 128 Städte in 37 Ländern expandiert. Streit mit lokalen Behörden und Taxi-Verbänden gab es dabei fast immer. In Frankreich zerstachen aufgebrachte Taxifahrer gar die Reifen von Uber-Fahrern. Die heutige Protestfahrt der Taxi-Unternehmen findet deshalb nicht nur in Berlin und Hamburg, sondern auch in London, Paris, Sao Paolo und Chicago statt.

EU-Kommissarin verteidigt Uber

Unterstützung für die Uber kommt dabei von ungeahnter Stelle: Neelie Kroes, EU-Digitalkommissarin ist empört, dass Uber in der belgischen Hauptstadt Brüssel gerichtlich verboten wurde. Sie sei "entsetzt" über die "verrückte Entscheidung, die nicht die Fahrgäste schützt, sondern das Taxi-Kartell". Viele der Taxifahrer würden zugeben, dass sie bei einem solchen Modell mehr Fahrgäste hätten und wahrscheinlich auch mehr verdienen würden, denn als Angestellte eines großen Taxi-Unternehmens.

Ein Blick auf die Zahlen gibt ihr da Recht. Laut Deutschem Taxiverband verdient ein Taxifahrer in Deutschland im Schnitt etwa 6,50 Euro pro Stunde. Sogar in Großstädten, wo sich der Verdienst nach dem Umsatz berechnet, bleiben nur etwa 40 Prozent des Geldes beim Fahrer hängen - die restlichen 60 Prozent streicht das Unternehmen ein. Der BPZ wehrt sich nach wie vor gegen den von der Bundesregierung beschlossenen Mindestlohn von 8,50 Euro.

Investoren profitieren, Fahrer verlieren

Taxistand
galerie

Taxifahrer verdienen im Schnitt gut 6,50 Euro pro Stunde - weniger als der beschlossene Mindestlohn. Die Auslastung liegt nur bei rund 40 Prozent.

"Die Taxi-Branche ist tatsächlich stark unterbezahlt", gibt auch der Volkswirt und Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel vom Institut für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen zu bedenken. Doch das Uber-Modell sei keinesfalls die Lösung: "Profiteure sind vor allem die Investoren, die keine Risiken tragen, aber satte Provisionen einstreichen. Verlierer sind die Fahrer, die sämtliche Risiken tragen müssten und sozial schwächer gestellte Kunden."

Denn die Beförderungspflicht, die Taxi-Betreiber bisher verpflichtet, jeden Fahrgast zu transportieren, würde damit abgeschafft. "Wenn sie beispielsweise an Silvester oder in dünn besiedelten ländlichen Gebieten ein Taxi rufen, zahlt trotzdem jeder den festgelegten Tarif", so Hickel. "Mit Uber würden die Preise wegen des knappen Angebots in solchen Situationen drastisch in die Höhe schnellen - und viele könnten sich kein Taxi mehr leisten."

Hickel sieht in dem Geschäftsmodell deshalb gar "das Ende des Taxi-Systems". Der bisher einigermaßen regulierte Markt würde dadurch komplett dereguliert. Dumpinglöhne wären die Folge und auch die Vorteile für den Fahrgast, wie eine Versicherung, sichere Autos oder ausgebildete und identifizierbare Fahrer wären hinfällig. Werner Ulrich von der Hamburger Wirtschaftsbehörde pflichtet ihm bei: "Wir müssen im öffentlichen Personenverkehr bestimmte Qualitätskriterien einhalten und das geht nicht, wenn sich ein Schattenmarkt etabliert."

Fragen nach Sicherheit

Ob sich das Geschäftsmodell von Uber oder WunderCar durchsetzen wird, bleibt deshalb fraglich. Der Taxi-Verband hat bereits angekündigt gegen die inoffiziellen Taxifahrer gerichtlich vorzugehen. Auch jenseits der rechtlichen und wirtschaftlichen Probleme stellen sich Fragen etwa der Sicherheit. Bislang ist nicht klar, wie zuverlässig die Personalprüfung der potenziellen Fahrer durch Uber wirklich ist. Zudem könnte das Modell für den Staat steuerliche Nachteile bringen. Denn ob die privaten Taxifahrer wirklich alle Einnahmen offiziell deklarieren und entsprechend versteuern, ist ungewiss. Deshalb dürften die Behörden ein wachsames Auge auf die Hobby-Taxifahrer haben.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: