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30.05.2012

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Wirtschaft
Motorradfahrer bestaunen den Tata Nano in Indien (Foto: AP)
Tata Nano – noch eine Seltenheit auf Indiens Straßen
Mini-Auto Tata Nano in Indien

Zwerg auf vier Rädern ist der Größte

In Neu-Delhi ist das Kleinstauto Tata Nano noch eine seltene Attraktion. Per Lotterieverfahren werden die begehrten Zwerge auf vier Rädern ausgeliefert, denn die Produktion kommt den Bestellungen nicht hinterher. Und dennoch: Auf den Straßen der indischen Hauptstadt ist der Auto-Zwerg der Größte.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Wo immer Devanand mit seinem Auto anhält, erzeugt er in minutenschnelle Menschenansammlungen, als würde er eine Raumfähre besitzen. Dabei fährt er doch nur einen Kleinwagen, zugegeben einen besonders kleinen Kleinwagen: "Ich bin sehr stolz, dieses Auto zu haben", sagt Devanand. "Es ist wunderschön. Und es verbraucht so wenig."

Tata Nano (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein seltenes Bild: der Tata Nano auf den Straßen Neu Delhis ]
Devanand ist Lehrer – und Besitzer eines Tata Nano. Genau genommen ist er der erste Nano-Fahrer Neu Delhis überhaupt. Auch jetzt, wo er das erzählt, hat sich schon wieder eine Traube um das Kfz-Kleinod gebildet. Und auch drinnen sind schnell alle Sitze belegt. Die Neugierigen testen das Blech und die Hupe. In diesem Moment dürfte Devanand froh sein, dass er die Plastikhüllen vorsichsthalber noch nicht von den Sitzen entfernt hat. „Aufpassen, dass Ihr nichts dreckig macht“, warnt er.

Der Zwerg unter den Autos ist begehrt

Im Grunde könne er allen den Wagen nur empfehlen, sagt der Lehrer. Er, seine Frau und zwei Kinder fänden darin locker Platz. Nur mit dem Preis habe sich Herr Tata wohl eher einen Werbe-Gag erlaubt, bemängelt er: "Die Menschen gehen davon aus, dass das, wie angekündigt, ein 100.000 Rupien-Auto ist", sagt Devanand. Das stimme aber nicht. Mit eingebauter Klima-Anlage habe er sogar 165.000 Rupien bezahlt. Also rund 2500 Euro.

Trotzdem sagt der Chef der Gesellschaft indischer Autohersteller, Dilip Chenoy, werde der Zwerg unter den Wagen fleißig nachgefragt. "Die Zahl der Buchungen liegt bei über 200.000. Die Herausfoderung für den Hersteller besteht jetzt darin, mit der Produktion hinterherzukommen, um diejenigen zufriedenzustellen, die auf den Wagen warten", sagt Chenoy. Sonst würden sie das Interesse an dem Produkt verlieren.

Im Lotterieverfahren

Devanand hatte seinen Wagen schon vor Monaten bestellt – und ihn im Lotterieverfahren dann auch tatsächlich bekommen. Dass er trotzdem auf den Straßen Neu Delhis noch immer eine Attraktion ist und ihm bislang noch kein anderer Nano begegnet ist, liegt auch daran, dass erst ganz wenige ausgeliefert sind.

Doch obwohl der indische Markt noch gar nicht erobert ist, schiele Tata ganz sicher schon mit einem Auge nach Europa, sagt der Chef der indischen Autohersteller, Chenoy. "Die haben ja schon bei der Motorshow in Genf verkündet, dass sie ein Modell entwickelt hätten, das mit europäischen Abgas-Regeln und Sicherhetsanforderungen kompatibel ist. Die Frage ist, wann sie damit rauskommen."

Zunächst also darf sich Devanand freuen, noch eine echte Rarität auf den Straßen Delhis spazieren zu fahren. Aber der Nachwuchs ist bereits auf den Geschmack gekommen: Wie dieser junge Inder: "Noch bin ich Student. Wenn ich Geld verdiene, will ich auch so ein Auto."

Stand: 21.09.2009 15:29 Uhr
 

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