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Billigster Tablet-PC
Indiens zweiter "Himmel" soll die Welt erobern
Indien will den billigsten Tablet-Computer der Welt salonfähig machen. "Aakash 2" - eine Art iPad für Arme - soll 32 Euro kosten. Jetzt wurde es in Mumbai vorgestellt. Doch wird "Aakash 2" auch ein Erfolg? Vor einem halben Jahr hatte Indiens Regierung stolz den Vorgänger präsentiert, der ein Riesenflop wurde.
Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Viel bedeutungsschwerer hätte Indiens Bildungsminister Kapil Sibal das Projekt nicht ankündigen können: "Es gibt immer wieder Meilensteine in der Geschichte, über die spätere Generationen sprechen werden. Dies ist so ein Meilenstein." Damit meinte Sibal den billigsten Tablet-Computer der Welt, "Aakash" - zu deutsch Himmel.
Das Gerät sollte die indische Bildungslandschaft revolutionieren und zunächst hunderttausendfach an Studenten verteilt werden, später dann in ärmeren Regionen, in denen sich kaum jemand einen Computer leisten kann. So der Plan vor gut einem halben Jahr.
Und dann ging alles schief: Der Produzent des Tablet Computers, die Firma Datawind, musste Fehler einräumen, zum Beispiel funktionierte der Touchscreen nicht richtig. Dazu gab es Streit zwischen Datawind und der Universität von Jodphur, die den "Aakash" entwickelt hatte. Kaum ein Gerät wurde überhaupt ausgeliefert.
Indien will Billig-Tablet-Computer salonfähig machen
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
27.06.2012 09:03 Uhr
Zweiter Anlauf mit "Aakash 2"
Jetzt versuchen die indische Regierung, Datawind und die Universität Mumbai einen zweiten Anlauf: "Aakash 2" heißt das Gerät. Und eines dürfte sicher sein: Es ist immer noch der günstigste Tablet-Computer der Welt. Sein Preis: 32 Euro.
Datawind-Chef Suneet Tuli, der in indischen Medien zuletzt heftigst kritisiert worden war, gibt sich wieder hoffnungsvoll: "Durch die neue Zusammenarbeit in Mumbai wird es auch einfacher für uns, den 'Aakash 2' zu produzieren und die Nachfrage zu decken."
100.000 Tablets für Studenten
Die Nachfrage bestimmt vor allem die indische Regierung: Sie hält an der Idee fest, zunächst 100.000 Exemplare an Studenten zu verteilen, die dann zum Beispiel Online-Vorlesungen auf dem Tablet verfolgen können.
Deepak Phatak von der Universität Mumbai hat die Neuentwicklung geleitet: "Ich glaube, dass diese Tablet-Computer genau so schnell den Markt erobern wie etwa Handys. Unser Ziel war es, ein Gerät zu entwickeln, das mehr kann, als nur den Zugang zum Internet herzustellen."
Auch Bildungsminister Sibal, der im Winter noch tief enttäuscht von der Pleite des "Aakash 1" war, sagt, er habe wieder Vertrauen gefasst in das "Himmelsprojekt". Doch so große Worte wie damals will er lieber nicht mehr in den Mund nehmen. Das Ziel bleibt aber das Gleiche: Der billigste Tablet-Computer soll irgendwann den Weltmarkt erobern, so wie die Firma Tata es mit dem billigsten Auto, dem Nano, schon versucht hat.
Keine Erfahrung mit Massenproduktionen
Ob das gelingt? Daran gibt es Zweifel - zum Beispiel beim renommierten IT-Berater Atul Chitnis aus der Computerstadt Bangalore: "Wir haben in Indien doch gar keine Erfahrung mit der Massenproduktion solcher Geräte. Da mögen indische Firmennamen draufstehen. Aber eigentlich sind die Geräte bisher immer aus China oder Taiwan importiert worden."
Dazu kommt: Der "Aakash 2" muss sich noch bewähren. Wird er wirklich nutzerfreundlich genug, wie die Entwickler versprechen? Fragen wie diese sollen in den kommenden Monaten geklärt werden: Mehrere Universitäten wollen den "Aakash 2" erst einmal gründlichen Praxistests unterziehen.
Stand: 27.06.2012 09:45 Uhr
