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Wahlkampf gegen Samsung, Hyundai und Co.

Südkorea nimmt seine Konzerne ins Visier

Samsung, Hyundai, LG: Die großen Konzerne dominieren die südkoreanische Wirtschaft - und das zum Teil mit unlauteren Mitteln, so Kritiker. Was lange fast schon aus Gründen der Staatsräson geduldet wurde, ist nun ins Zentrum des Wahlkampfs gerückt. Und die Präsidentschaftskandidaten überbieten sich mit Vorschlägen, wie die Macht der Konzerne begrenzt werden soll.

Von Martin Fritz, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Vor der Präsidentenwahl im Dezember setzen sich die Parteien in Südkorea verstärkt für eine "wirtschaftliche Demokratisierung" ein. Das Schlagwort spiegelt die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Korea wider - die Folge eines ungleich verteilten Wirtschaftswunders: Mehr als achtzig Prozent der Wirtschaftsleistung werden von nur zehn Prozent der Firmen erzeugt. Sie gehören zu großen Konglomeraten, auf Koreanisch Chaebol genannt.

"Die Macht der Chaebol brechen"

Logo des Elektronikkonzerns Samsung
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Samsung ist für ein Fünftel aller Exporte Südkoreas verantwortlich.

Ein Fünftel der Exporte von Südkorea zum Beispiel geht auf das Konto einer einzigen Firma, nämlich Samsung Electronics. Das hat zwei Folgen. Erstens: Die Familien, die die großen Konglomerate gründeten, werden immer reicher. Zweitens: Die Gehälter der Mitarbeiter von Samsung, Hyundai, LG oder SK steigen immer weiter, während die Angestellten der kleinen Zulieferer weitaus schlechter bezahlt werden. Die Initiative "Geteiltes Wachstum" von Präsident Lee Myung-bak, den Reichtum besser zu verteilen, hat bisher wenig erreicht.

Nun verlangt die Opposition ein härteres Vorgehen gegen die Riesenkonzerne, so ihr Präsidentschaftskandidat Moon Jae-in im Wahlkampf: "Die wirtschaftliche Demokratisierung kann erst beginnen, wenn wir die Macht der Chaebol brechen. Ohne eine Reform der Chaebol gibt es keine wirtschaftliche Demokratisierung."

Nach Ansicht vieler Südkoreaner haben die Firmengiganten das Wirtschaftswunder zwar geschaffen. Aber inzwischen vergrößerten sie das Wohlstandsgefälle und missbrauchten ihre Marktmacht. So nähmen Giganten wie Samsung aufmüpfigen Lieferanten, die etwa eine höhere Bezahlung verlangten, erst die Aufträge ab und kauften sie dann billig auf.

Südkorea will wirtschaftliche Demokratisierung stärken
M. Fritz, ARD Tokio
10.10.2012 11:38 Uhr

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Schluss auch mit den Dauer-Begnadigungen

Als erste konkrete Gegenmaßnahme wurde kürzlich der erniedrigte Mindeststeuersatz für die Konzerne auf den Standardsatz angehoben. Die Opposition fordert auch die Offenlegung der Gehälter von Top-Managern sowie die Einführung einer Klagemöglichkeit gegen den Missbrauch wirtschaftlicher Macht.

Da kann auch die Präsidentschaftskandidatin der Konservativen, Park Geun-Hye, nicht zurückstehen. Sie ist die Tochter des Diktators Park Chung-hee. Der General erfand die Chaebol und förderte ihren krakenhaften Zugriff auf die Wirtschaft von Staats wegen. Die 60-Jährige, die für den Urnengang im Dezember als Favoritin gilt, gibt sich deshalb im Wahlkampf aufgeklärt: "Gerechte Unternehmerleistungen sollen möglichst gewährleistet bleiben. Aber ich werde eine Regierung bilden, die strenge Gesetze erlassen wird, damit einflussreiche Unternehmen mehr soziale Verantwortung tragen."

Park Geun-Hye
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Übertreffen sich Regulierungsvorschlägen: Park Geun-Hye...

Moon Jae-in
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...und der Präsidentschaftskandidat der Opposition, Moon Jae-in.

Doch die Opposition will noch einen Schritt weitergehen. Liberale Politiker drängen auf die Beschneidung von Begnadigungsrechten. Mehrere oberste Chaebol-Herrscher, allesamt Mitglieder von Gründerfamilien, wurden in der Vergangenheit zu Haftstrafen verurteilt, die ihnen jedoch prompt erlassen wurden, da sie als Firmenlenker zu wichtig für die Wirtschaft seien. Damit soll künftig Schluss sein, fordern die Umdenker.

Inzwischen zweifeln Richter ohnehin am gesellschaftlichen Nutzen der Chaebol-Familien. Mitte August musste Kim Seung-you, der Vorsitzende der Hanwha-Gruppe, die kürzlich den deutschen Solarhersteller Q-Cells übernahm, seine vierjährige Gefängnisstrafe wegen Veruntreuung sofort antreten.

Dieser Beitrag lief am 10. Oktober um 06:41 Uhr bei Deutschlandradio Kultur

Stand: 10.10.2012 12:01 Uhr

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