Fragen und Antworten

Überlandleitungen des Stromnetzes

Neue Kabel für die Energiewende Welches Stromnetz braucht das Land?

Stand: 30.05.2012 15:18 Uhr

Der Ausbau der Stromnetze ist ein entscheidender Aspekt der Energiewende. Denn die Hinwendung zu erneuerbaren Energien verlangt neue Leitungen. 380.000 Kilometer neue Kabel sollen in den nächsten Jahrzehnten quer durch die Republik verlegt werden - ein Milliardenprojekt. tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Warum muss das Netz ausgebaut werden?

Mit der Energiewende will die Bundesregierung das Land weg von der Atomenergie und hin zu erneuerbaren Energien führen. 2011 lag der Anteil von Wind, Wasser, Biogas, Erdwärme und Sonnenenergie bei 20 Prozent der gesamten Energieerzeugung. Im Jahr 2030 soll er bei 50 Prozent liegen, 2050 bei 80. Ein Großteil des Stroms käme dann von den Offshore-Windparks, die momentan vor der deutschen Nord- und Ostseeküste gebaut werden oder in Planung sind. Nahe der Ballungsräume und der großen Industriestandorte im Süden und im Westen der Republik sorgten bislang AKWs und Kohle für den Strom aus der Steckdose. Die Zukunft aber gehört den Windrädern, die sich auf offenem Meer drehen: Die Lücke im Süden soll vom Norden aus geschlossen werden.

Stromerzeugung und -nachfrage in 2020
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Das Stromnetz in Deutschland ist in mehrere Regionen unterteilt, die sogenannten Übertragungsnetze, die in dieser Grafik grob schematisch dargestellt sind. Die dena-Netzstudie prognostiziert, in welchen Regionen künftig mehr Strom produziert als verbraucht wird (blaue Kreise) und in welchen dies umgekehrt ist (rote Kreise).

Um diese Strommengen zu transportieren, müssen im Netz neue Kapazitäten geschaffen werden - das heutige Stromnetz wäre mit dieser Aufgabe überlastet. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber gehen in ihrem im Mai 2012 vorgestellten Netzentwicklungsplan davon aus, dass bis 2020 insgesamt 3800 Kilometer Höchstspannungsleitungen neu gebaut und 4400 Kilometer erneuert werden müssen. Die Gesamtkosten betrügen 20 Milliarden Euro.

Neben den Höchstspannungsleitungen müssen auch örtlichen Verteilernetze erweitert werden. Zwischen 2006 und 2011 hat sich die Strommenge aus Erneuerbaren in Deutschland von 11,6 Prozent auf 20,1 Prozent nahezu verdoppelt: Immer mehr Betriebe und private Erzeuger drücken Strom in dünne Leitungen, die zwar für den Verbrauch, nicht aber für die Stromerzeugung vorgesehen sind. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft müssen deswegen zwischen 195.000 und 380.000 Kilometer unterirdische Kabel verlegt werden.

Strom Energie Leitungen Netzausbau

Das deutsche Stromnetz besteht derzeit aus über 1,5 Millionen Kilometern Leitungen. Davon 35.708 Kilometer Höchstspannungsleitungen (380-220 KV), 76.279 Kilometer Hochspannungsleitungen (220-60 KV), 507.210 Kilometer Mittelspannungsleitungen (60-1 KV) und rund 1.160.000 Kilometer Niederspannungsleitungen. Von Kraftwerken wird der Strom zunächst über Höchstspannungsleitungen unter 380.000 Volt zu Ballungsgebieten und großen Industriestandorten transportiert. Umspannwerke wandeln den Strom dann auf ein Hochspannungsniveau von 110.000 Volt. Für das Niederspannungsnetz, worüber Haushalte und Unternehmen versorgt werden, wird der Strom auf 230 Volt, die reguläre Steckdosenspannung, transformiert.

Welche Probleme haben die Netzbetreiber beim Ausbau?

Bürgerinitiativen, Umweltschützer und Kommunen stemmen sich gegen viele Netzbauprojekte. Grund dafür sind die erheblichen Eingriffe in die Landschaft: 500 bis 1000 Meter breite Korridore mit 80 Meter hohen Masten wollen die Betreiberunternehmen anlegen, die meisten davon in Niedersachsen.

Weil Baugenehmigungen auf Länderebene erteilt werden, gerieten die Projekte bislang immer wieder ins Stocken. War eine Leitung in einem Bundesland fertiggestellt, konnten die Bauarbeiten im nächsten Bundesland teilweise nicht fortgesetzt werden, weil die entsprechende Genehmigung dafür noch ausstand.

Welche Alternative gibt es zu hohen Masten?

Grafik | Bildquelle: AP
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Das Netz der Bahn könnte für den Ausbau der Leitungen eine Rolle spielen.

Laut einer Greenpeace-Studie wäre der Widerstand gegen unterirdische Kabel deutlich geringer. Das Problem: Der Bau und die Wartung von Erdkabeln sind teuer. Und weil die Leitungskapazität unterirdisch geringer ist, müssten Umspannwerke errichtet werden, die den Strom auf eine niedrigere Voltzahl transformieren. Außerdem wäre die doppelte Kabelmenge nötig. Experten taxieren die Kosten insgesamt auf das Vier- bis Zehnfache von oberirdischen Leitungen.

Mit welchen Maßnahmen soll der Ausbau ermöglicht werden?

Die Bundesregierung hat auf die Widerstände rund um den Netzausbau mit dem Entwurf des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (Nabeg) reagiert. Um die Baugenehmigungen schneller abzuwickeln, sollen diese bald zentral und länderübergreifend erteilt werden. Gemeinden, die durch den Ausbau des Nachteile erleiden, sollen mit 40.000 Euro pro Kilometer entschädigt werden.

Gleichzeitig sollen sich demnächst auch Bürger an die Bundesnetzagentur wenden können, die sich mit Beschwerden befassen soll. Landesbehörden dürfen verlangen, dass Höchstspannungsleitungen unterirdisch verlegt werden, sobald sie einen Abstand von 400 Metern zu Wohngebieten unterschreiten.

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