Strommasten in Duisburg (Bildquelle: dpa)

Handelsplätze sollen stärker kooperieren EU macht Druck auf die Strombörsen

Stand: 05.10.2013 11:46 Uhr

Strombörsen spielen im Energiemarkt eine immer wichtigere Rolle. EU-Kommissar Oettinger will nun per Gesetz erreichen, dass sich die Handelsplätze stärker vernetzen. Sein bestes Argument: die Unberechenbarkeit erneuerbarer Energien.

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

"Mehr Europa" - das ist derzeit keine sehr populäre Forderung. Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger versucht es trotzdem. Mehr Europa in der Energieversorgung sei gerade für Deutschland ein großer Gewinn: "Ich möchte behaupten, dass die Energiewende in Deutschland alleine nicht gelingen kann, sondern nur mit einer perfekten Kooperation zu Nachbarländern."

Oettingers bestes Argument dabei sind die erneuerbaren Energien. Wind- und Sonnenenergie können nun mal nicht gleichmäßig erzeugt werden. Mal gibt es zu wenig davon, mal zu viel. Gibt es zu wenig, müssen konventionelle Kraftwerke hochgefahren werden. Gibt es zu viel, verfallen die Preise.

Da wäre es doch höchst vernünftig, diese Schwankungen grenzüberschreitend auszugleichen, "indem wir erstens die Netze ausbauen, damit man Strom über die Grenzen der Mitgliedsstaaten hinweg transportieren kann und indem zweitens die bestehenden regionalen Strombörsen europäisch kooperieren", sagt der EU-Energiekommissar.

Oettinger will Strombörsen zur Kooperation zwingen
M. Bohne, MDR Brüssel
05.10.2013 11:11 Uhr

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"Leipzig spielt eine zentrale Rolle"

Solche Börsen spielen eine immer wichtigere Rolle. Immer mehr Strom wird über sie gehandelt. Eine dieser Börse ist die European Energy Exchange EEX in Leipzig. "Da spielt Leipzig eine zentrale Rolle, eine große aufstrebende Strombörse für wichtige Mitgliedsstaaten, aber eben nur für einige Mitgliedsstaaten." Und so gibt es noch etliche andere Strombörsen in Europa, die bisher völlig abgeschottet voneinander agieren.

"Unser Ziel ist es, andere Strombörsen mit Leipzig zu vernetzen - nicht zu fusionieren, sondern zu koordinieren, gemeinsame Netzkodizes zu haben, eine gemeinsame Software zu entwickeln und damit Transparenz in ganz Europa zu schaffen." Dann könnte sich ein deutscher Händler, wenn der Wind hierzulande mal nicht bläst, endlich auch Strom aus Italien liefern lassen. Und bläst der Wind zu heftig, könnten deutsche Energieerzeuger den überflüssigen Strom nach Italien verkaufen. Profitieren würden alle davon. Man müsste weniger neue Infrastruktur schaffen, weniger Ökostrom würde "für die Tonne" produziert.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger. (Bildquelle: dpa)
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Will die Strombörsen zu besser Zusammenarbeit zwingen: EU-Energiekommissar Oettinger.

Oettinger erhofft sich Einsparungen

"All dies wird dem Bürger, dem Stromverbraucher und der Industrie mit Sicherheit pro Jahr Hunderte von Millionen in der Europäischen Union einsparen", fügt Oettinger hinzu. Seit Jahren drängt die EU-Kommission daher auf eine bessere Vernetzung der regionalen Strombörsen.

Aber auf freiwilliger Basis ging nichts voran. Jede Börse fand ihre eigene Technologie am besten. Deshalb soll nun eine europäische Verordnung her, die die Schaffung einer gemeinsamen elektronischen Plattform für alle Börsen vorschreibt. 2015 soll dann zumindest im Stromhandel ein echter europäischer Binnenmarkt herrschen.

Dieser Beitrag lief am 05. Oktober 2013 um 17:59 Uhr auf NDR Info.

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