Banken Stresstest

Ergebnisse des Banken-Stresstests Deutsche Banken robust - acht europäische nicht

Stand: 15.07.2011 22:19 Uhr

Die deutschen Banken haben den Banken-Stresstest bestanden. Das teilten die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin mit. Sonderfall unter den 13 deutschen Instituten war die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die nach den Regeln der europäischen Bankenaufsicht EBA durchgefallen wäre, sich aber nach einem Streit über die Kriterien aus dem Test zurückgezogen hatte und ihre Daten kurzerhand selbst veröffentlichte. Am besten unter den deutschen Kandidaten schnitt die Landesbank Berlin ab.

Acht Banken halten Test nicht stand

Europaweit fielen insgesamt acht von 90 teilnehmenden Banken durch, wie die EBA mitteilte. Dabei handelt es sich um fünf Kreditinstitute aus Spanien, zwei aus Griechenland und eines aus Österreich. Ihre Kapitalpuffer seien zu dünn, um bei einem simulierten schweren Konjunktureinbruch bei einer Kapitalquote von über fünf Prozent zu liegen.

Die Kernkapitalquote sagt aus, inwieweit die Risikopositionen einer Bank (also etwa Kredite oder Wertpapiere) durch ihr Eigenkapital gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Die acht betroffenen Banken benötigen nach EBA-Angaben 2,5 Milliarden Euro Kapital, um sich zu stärken und die Kriterien künftig zu bestehen. 16 weitere Banken hielten demnach dem Stresstest nur knapp stand.

Die acht Durchgefallenen

Folgende Banken sind bei dem Test durchgefallen. Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Kernkapitalquoten:

ATE Bank, Griechenland (-0,8 Prozent)
Caja de Ahorros del Mediterranéo, Spanien (3,0)
Banco Pastor, Spanien (3,3)
Goupo Caja3, Spanien (4,0)
Österreichische Volksbanken (ÖVAG), Österreich (4,5)
Caixa d'Estalvis Unio des Caixes de Manlleu, Sabadell i Terrassa, Spanien (4,5)
Caixa d'Estalvis de Catalunya, Tarragona i Manresa, Spanien (4,8)
EFG Eurobank Ergasias, Griechenland (4,9)

Bei dem Test mussten die Banken zwei Szenarien durchlaufen: Bei dem sogenannten Grundszenario nahmen die Bankenaufseher als Basis die Prognose der EU-Kommission für die wirtschaftliche Entwicklung. Demnach würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2011 um 1,5 Prozent wachsen und 2012 um 1,8 Prozent.

Schärfer wurden die Auflagen im Krisenszenario: Dabei nahmen die Bankenaufseher an, dass die Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern 2011 um 0,5 Prozent und 2012 um 0,2 Prozent schrumpft. Außerdem gingen sie davon aus, dass die Aktien um 15 Prozent einbrechen, die Immobilienmärkte danieder liegen und die Arbeitslosigkeit auf 10,3 Prozent steigt. Nur diejenigen Banken, die diesem Szenario standhielten und eine Kernkapitalquote von mindestens fünf Prozent erreichten, gelten als krisenfest.

"Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der Banken"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte den Stresstest. Die aktuelle Lage an den Finanzmärkten zeige deutlich, "wie wichtig das Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der europäischen Banken ist", sagte der CDU-Politiker. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger zeigte sich zufrieden über das Abschneiden der deutschen Banken. Deren Kapitalausstattung sei "robust und ausreichend". Sie betonte, ihre Einschätzung gelte auch für die Helaba.

Die EU ermahnte die durchgefallenen Banken, ihre Kapitalausstattung zu verbessern: "Von den Banken, die die Mindestanforderungen nicht geschafft haben und jenen, die substanzielle Schwächen gezeigt haben, erwarten wir, dass sie alles tun, um ihre Kapitalstruktur zu stärken", teilten die Kommissare Michel Barnier und Olli Rehn mit.

"Wir haben unser Haus noch nicht aufgeräumt"

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rief auch die Banken, die den Test nur mit Mühe bestanden, dazu auf, ihre Hausaufgaben zu machen: Wegen der Marktturbulenzen müsse auch deren Kapitalausstattung verbessert werden, hieß es in einer Erklärung. EBA-Chef Andrea Enria bezeichnete die Ergebnisse des Tests als Beleg dafür, dass die Bankenbranche noch nicht ausreichend gegen Krisensituationen gewappnet ist: "Wir haben unser Haus noch nicht aufgeräumt", sagte er.

Im vergangenen Jahr hatte es erstmals einen europaweiten Stresstest gegeben. Damals nahmen 91 Banken teil, von denen sieben durchfielen, unter ihnen der verstaatlichte deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate.

Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA)

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) wurde im November 2010 infolge der weltweiten Bankenkrise gegründet. Offiziell nahm sie zum 1. Januar 2011 ihre Arbeit auf. Oberstes Ziel der EBA ist es, Finanzkrisen zu verhindern. Um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen, führt die EBA die Stresstests bei europäischen Banken durch.

Die EBA mit Sitz in London arbeitet eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammen, hat aber in Streitfällen das letzte Wort. Zusammen mit ihnen und der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Frankfurt am Main) sowie der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Paris) soll sie eine möglichst einheitliche Finanzaufsicht in Europa garantieren und nationale Alleingänge verhindern.

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