Eine Maschine der Ryanair fliegt an einem Stoppschild vorüber. | Bildquelle: REUTERS

Streik bei Ryanair Kein Abflug unter dieser E-Mail

Stand: 25.07.2018 11:32 Uhr

Wegen eines Streiks beim Kabinenpersonal von Ryanair fallen ab heute mehrere hundert Flüge aus. Betroffen sind damit Zehntausende Passagiere - und die müssen deshalb auch im Urlaub regelmäßig ihre E-Mails checken

Von Jan-Peter Bartels, HR

Noch kann sie lachen. "Wir fliegen mit Ryanair", sagt Eva Hänseler. "Aber zum Glück sind wir nicht bei den Absagen dabei." Zumindest habe sie noch keine E-Mail bekommen. Die deutsche Touristin steht auf dem Plaça Mayor in Palma de Mallorca, das schwarze Baseball-Cap tief ins Gesicht gezogen. Es ist heiß, ihr letzter Urlaubstag. Um sie herum herrscht Trubel, Andenkenhändler und Straßenmaler bieten ihre Waren an.

So mancher Tourist in den Straßencafés schaut ab und zu verstohlen auf das Handy: Hat sich Ryanair doch noch gemeldet? Ist der Flug wegen des Streiks abgesagt? "Bei uns im Hotel gibt es welche, die hatten acht Stunden Verspätung deswegen. Die hatten richtig Ärger", erzählt die blonde Touristin. Sie nimmt es mit Humor: "Wir sind im Urlaub, noch ist alles gut. Und die Sonne scheint!"

600 Flüge sollen bei Ryanair heute und morgen ausfallen. Kunden müssen auf die E-Mail vertrauen, um vorab zu erfahren, ob ihr Flug betroffen ist. Denn nachschauen können sie das nicht. Ryanair hat keine Liste der gestrichenen Flüge herausgegeben und will das auch nicht tun, wie das Unternehmen auf tagesschau.de-Anfrage erklärt. "Wir schlüsseln diese Informationen nicht nach einzelnen Märkten oder Flughäfen auf."

Streiks um bessere Arbeitsbedingungen bei Ryanair
tagesschau 12:00 Uhr, 25.07.2018, Jan-Peter Bartels, HR

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Flüge von und nach Deutschland betroffen

Allerdings sind auch Flüge von und nach Deutschland betroffen: In Köln/Bonn seien heute und morgen jeweils acht Starts und Landungen abgesagt, erklärte der Flughafenbetreiber. An anderen Flughäfen wie Memmingen, Nürnberg, Hamburg, Bremen, Dortmund oder Weeze hat Ryanair einzelne Flüge nach Spanien oder Portugal gestrichen.

Für die Streiks haben viele deutsche Touristen auf dem Plaça Mayor Verständnis. "Natürlich streiken die in der Hauptsaison, da kann man seine Ziele ja viel eher durchsetzen", sagt Heiko Papenburg, der auf Mallorca seinen Urlaub verbringt. "Wir haben im Vorfeld gehört, dass bei Ryanair aktuell öfter gestreikt wird. Deswegen sind wir nicht mit denen geflogen. Es heißt, dass man dann eventuell nicht zurückkommt." Das sagen hier auch andere. Ein Image, das kein Unternehmen wollen kann. Deswegen setzen die Flugbegleiter darauf, dass sich Ryanair bewegt.

In Spanien, Portugal, Italien und Belgien streiken sie. Wichtig ist ihnen vor allem, dass sich die Arbeitsbedingungen ändern: "Die Kollegen möchten alle

bei Ryanair direkt angestellt sein", erklärt Christoph Drescher, Präsident der EurECCA, der Dachorganisation der Flugbegleiter-Gewerkschaften in Europa. "Die meisten Kollegen arbeiten gern bei Ryanair, sind aber bei Zeitarbeitsfirmen temporär angestellt. Wenn der Vertrag ausläuft, müssen sie wieder neu angestellt werden. Das bedeutet natürlich Unsicherheit. Die Personalkultur ist zu einem Teil auch von Angst geprägt."

Ryanair droht mit Stellenstreichungen

Der Billigflieger Ryanair hat wegen des laufenden Streiks des Kabinenpersonals deutliche Stellenstreichungen angekündigt. Die Posten von mehr als 100 Piloten und 200 Flugbegleitern seien bei der Flotte in Dublin in Gefahr, teilte die Fluggesellschaft mit.

Der Bestand in der irischen Hauptstadt soll von 30 auf etwa 24 Maschinen verringert werden. Die Streiks irischer Piloten hätten sich negativ auf die Buchungen ausgewirkt.

"Wenn unser Ruf in Bezug auf Verlässlichkeit oder Termine beeinträchtigt wird, dann sind grundlegende und potenzielle Stellenkürzungen wie diese in Dublin eine zutiefst bedauerliche Konsequenz", sagte Ryanair-Manager Peter Bellew. Es werde nun Verhandlungen mit den Piloten und Flugbegleitern geben. Um möglichst viele Kündigungen zu verhindern, würden Jobs in Polen angeboten.

"Nicht bereit, unangemessenen Forderungen nachzugeben"

Ryanair allerdings will hart bleiben. Das Kabinenpersonal bekomme unter anderem gute Löhne, viele Zuschüsse und Dienstpläne mit vielen freien Tagen, sagt Marketing-Chef Kenny Jacobs: "Diese Streiks sind völlig ungerechtfertigt und werden nichts anderes bewirken, als Familienurlaube zu stören und konkurrierende Fluggesellschaften in Belgien, Portugal und Spanien zu begünstigen." Eher werde man Flugzeuge von einigen Märkten abziehen und Arbeitsplatzverluste in Kauf nehmen, hatte Ryanair-Chef O’Leary schon am Montag gedroht: "Denn wir sind nicht bereit, unangemessenen Forderungen nachzugeben, die entweder unsere niedrigen Tarife oder unser hocheffizientes Modell gefährden werden."

Ein Flugbegleiter von Ryanair geht durch vollbesetzte Reihen eines Flugzeugs. | Bildquelle: REUTERS
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Wegen eines Flugbegleiterstreiks in mehreren Ländern sagte Ryanair Ende Juli europaweit 300 Flüge ab.

Mallorca-Flughafen chaosfrei

Am Flughafen von Mallorca fielen gestern bereits die ersten Flüge aus, vor dem Ryanair-Schalter bildete sich eine Kundenschlange. Chaos herrscht hier nicht, es geht schnell voran. Nur wenige Ryanair-Kunden mit annulliertem Flug kommen zum Flughafen - ein Effekt der Info-E-Mail. Rentnerin Maria Heine steht vor der Gepäckabgabe. Bei ihrem Rückflug scheint jetzt alles zu klappen, der Hinflug allerdings wird ihr in Erinnerung bleiben.

"Vor 14 Tagen sind wir aus Bremen hergeflogen, wir waren schon fast im Flugzeug, da kam die Durchsage: abgesagt. Da stand ich dann mit meinen drei Enkelkindern", erzählt sie. Sie habe ein neues Ticket bei einer anderen Airline gekauft, für den Flug hätten sie aber nach Münster fahren müssen. "Dort saßen wir schließlich die Nacht am Flughafen, weil der Flug erst morgens um fünf ging. Wir waren länger als einen Tag unterwegs! Also, ich bin so sauer - ich werde nie wieder Ryanair buchen."

Umbuchung oder Flugpreis-Erstattung

Das soll an den Streiktagen heute und morgen nicht passieren. Gestern verkündete die Airline stolz per Twitter, dass alle von den Streiks betroffenen Kunden entweder auf alternative Flüge umgebucht worden seien oder den vollen Flugpreis erstattet bekommen hätten. Die Gewerkschaften halten dagegen: Allein die lauten Drohungen bewiesen, dass die Streiks trotz allem wirksam seien. Und die deutschen Touristen auf dem Plaça Mayor genießen ihren Urlaub - mit dem Handy im Blick. Wer bis jetzt keine Email bekommen hat, verspricht Ryanair, dessen Flug finde auf jeden Fall statt.

Jan-Peter Bartels, HR, über die Situation an den Flughäfen
tagesschau24 10:30 Uhr, 25.07.2018

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juli 2018 um 04:57 Uhr.

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