IWF-Chef Strauss-Kahn tritt zurück

Strauss-Kahn

Erklärung im Internet veröffentlicht

IWF-Chef Strauss-Kahn gibt Amt auf

Der wegen eines mutmaßlichen Vergewaltigungsversuchs angeklagte Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, ist von seinem Amt zurückgetreten. In einer auf der Internetseite des Währungsfonds veröffentlichten Erklärung schrieb Strauss-Kahn, die Entscheidung erfülle ihn mit "unendlicher Traurigkeit". Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wies der 62-Jährige in der Mitteilung "mit größtmöglicher Entschlossenheit" zurück. Mit seinem Rücktritt wolle er sowohl seine Familie als auch das Ansehen des Fonds schützen.

Debatte über Nachfolger schon entbrannt

Bis ein neuer Direktor ernannt ist, soll laut IWF Strauss-Kahn-Vize John Lipsky die Geschäfte führen. Bereits vor dem Rücktritt von Strauss-Kahn, der auch als möglicher französischer Präsidentschaftskandidat galt, war die Nachfolgedebatte in vollem Gang. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde gilt als mögliche Kandidatin. Aber auch Entwicklungs- und Schwellenländer melden angesichts ihres wachsenden Gewichts in der Weltwirtschaft Anspruch auf den Spitzenjob an, der bisher traditionell an einen Europäer ging. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega schrieb in einem Brief an seine Amtskollegen der Gruppe der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer (G20): "Die Zeit ist längst vorbei, in der es auch nur entfernt hätte angemessen sein können, diesen wichtigen Posten für einen Europäer zu reservieren."

Anwälte stellen neuen Kautionsantrag

Zuvor hatten die Anwälte des Franzosen in New York einen neuen Versuch gestartet, ihren Mandanten per Kaution aus der Haft zu bekommen. Es sei "wahrscheinlich" dass der Antrag im Laufe des Tages verhandelt werde, sagte eine Justizsprecherin. Bis zu einem Prozess müsste der Franzose dann aber auf jeden Fall in New York bleiben. "Wir haben Bedingungen zugesagt, die alle Bedenken zerstreuen können, dass Mr. Strauss-Kahn die Stadt verlässt", erklärten die Anwälte. "Und wir hoffen, ihn umgehend von Rikers Island zu holen." Auf der Gefängnisinsel im New Yorker East River sitzt der 62-Jährige seit Montag.

Dominique Strauss-Kahn (Bildquelle: dapd)
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Dominique Strauss-Kahn ist von seinem Amt zurückgetreten.

Der US-Fernsehsender CNN berichtete, Strauss-Kahns Anwälte wollten vorschlagen, dass er nach seiner Freilassung ständig überwacht werden und eine elektronische Fußfessel tragen solle. Damit wollten die Anwälte jegliche Fluchtgefahr des 62-Jährigen ausschließen. Demnach soll Strauss-Kahn seinen Pass abgeben und in einer Wohnung oder einem Hotelzimmer unter Hausarrest gestellt werden. Zudem solle eine sehr hohe Kautionssumme angeboten werden.

Zimmermädchen überfallen?

Der Franzose soll am Samstag in einem New Yorker Hotel versucht haben, ein Zimmermädchen zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Am Montag hatte es eine Richterin abgelehnt, Strauss-Kahn gegen eine Kaution von einer Million Dollar vorerst auf freien Fuß zu setzen. Bei dem vermögenden und international vernetzten IWF-Chef bestehe Fluchtgefahr.

Stand: 19.05.2011 07:47 Uhr

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