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VW-Abgasskandal Jetzt klagt auch Luxemburg

Stand: 06.02.2017 20:29 Uhr

Volkswagen bekommt in der Abgasaffäre nun auch Druck aus Luxemburg. Der Staat stellte Strafanzeige wegen Betrugs. Die luxemburgische Prüfstelle hatte den Skandal-Motor EA 189 zertifiziert.

Im VW-Abgasskandal hat der Staat Luxemburg Strafanzeige wegen Fälschung und Betrugs gestellt. Die Anzeige richte sich gegen Unbekannt, da die Verantwortlichen bis heute nicht ermittelt seien, teilte das luxemburgische Verkehrsministerium mit. Es sei sehr wahrscheinlich, dass bei Abgastests eine Abschaltvorrichtung verwendet worden sei. Daher solle die Typgenehmigung für Fahrzeuge mit dem betroffenen Motor zurückgezogen werden.

Volkswagen hatte mithilfe einer Software in Millionen Dieselautos weltweit die Schadstoffwerte manipuliert. In Luxemburg seien nach Angaben des zuständigen Ministers François Bausch insgesamt mehr als 31.000 Autos der Volkswagen-Marken VW, Seat, Skoda und Audi von dem Skandal betroffen.

Aus Unterlagen, die bei einer Pressekonferenz in Luxemburg ausgehändigt wurden, geht hervor, dass die Anzeige vor allem auf Audi zielt. Die VW-Tochter hatte einen Teil der in der Dieselaffäre in Verruf geratenen Motoren mit der internen Typbezeichung EA189 in Luxemburg testen und zertifizieren lassen. Das Ministerium bezeichnete sich als Opfer krimineller Handlungen. "Der Staat wurde durch die Verwendung der Software angeschmiert", sagte Bausch einem Bericht der Zeitung "Lëtzebuerger Journal" zufolge. Das Zertifikat für die Fahrzeuge wäre nicht ausgestellt worden, wenn die Existenz der Software bekannt gewesen wäre, hieß es zur Begründung der Klage.

VW lehnt Entschädigung europäischer Verbraucher ab

In Brüssel traf sich unterdessen Konzernchef Matthias Müller mit der EU-Justiz- und Verbraucherkommissarin Vera Jourova. Dabei habe VW nach Angaben der EU-Kommission zugesichert, monatlich Berichte über die bis zum Herbst geplanten Umrüstungen an Fahrzeugen europäischer Kunden vorzulegen sowie Autobesitzer besser über diese Möglichkeit zu informieren. Eine Entschädigung europäischer Verbraucher lehne der Konzern aber weiter ab.

VW-Chef Matthias Müller und die EU-Justiz- und Verbraucherkommissarin Vera Jourova | Bildquelle: AFP
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In Brüssel traf sich VW-Chef Matthias Müller mit der EU-Justiz- und Verbraucherkommissarin Vera Jourova.

In den USA hatte sich VW mit den US-Behörden auf 13,3 Milliarden Euro an Entschädigungen geeinigt. Je nach Modell werden Autobesitzern dort zwischen 5100 und 10.000 Dollar gezahlt. Die Kunden können zudem ihr Auto durch VW zurückkaufen lassen. Eine ähnliche Entschädigungsregelung für europäische Kunden weist Volkswagen mit Verweis auf die dann drohende Pleite des Konzerns zurück. Die Rechtslage in Europa ist anders als in den USA und lässt in der Regel keine Sammelklagen zu. In Deutschland gibt es deshalb mehrere Hundert Zivilverfahren an Landgerichten, die Käufer gegen Autohäuser oder den VW-Konzern angestrengt haben

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Februar 2017 um 23:34 Uhr

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