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Debatte um Werksschließungen
Stracke-Rücktritt weckt Ängste in Opel-Ländern
Der überraschende Rücktritt von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat in den Bundesländern mit Opel-Werken Besorgnis ausgelöst. Gerüchte und Spekulationen über Werksschließungen haben damit neue Nahrung erhalten.
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier pocht mit Blick auf das Werk in Rüsselsheim auf die Einhaltung von Zusagen, die Stracke der Landesregierung gegenüber gegeben hatte. Opel sei an sämtliche Verträge und Zusagen gebunden. Stracke habe ihm im Mai zugesichert, dass der Traditionsstandort Rüsselsheim in seiner jetzigen Form erhalten bleibe, betonte der CDU-Politiker in Wiesbaden. Außerdem habe Stracke zugesagt, dass die Produktion des Opel Astra in Rüsselsheim bis Ende 2014 sicher sei. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel wertete den Weggang Strackes als "alarmierendes Signal für Opel in Hessen und Europa". Die Stadt Rüsselsheim zeigte sich von dem Rücktritt überrascht.
Irritationen in NRW
Auch in Nordrhein-Westfalen ist man verunsichert. Die Landesregierung, die derzeit mit dem Autobauer über die Zukunft des Bochumer Opel-Werkes verhandelt, reagierte irritiert. "Was Opel am Dringendsten braucht, ist Vertrauen. Solche überraschenden Personalwechsel tragen nicht dazu bei", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) der "Rheinischen Post".
Die Opel-Arbeitnehmervertreter meldeten sich ebenfalls zu Wort. Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug forderte, "den eingeschlagenen Weg der Konsolidierung des Unternehmens gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen". Entscheidend für die Belegschaften werde sein, dass der dringend notwendige Wachstumskurs umgesetzt werde und keine Kahlschlagpolitik erfolge, sagte auch der Betriebsrat des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel.
Ähnlich äußerte sich der hessische IG-Metall-Chef Armin Schild. "Wichtig ist nun, dass die zwischen uns und dem Unternehmen getroffenen Vereinbarungen und die Diskussionsstände, die wir mit dem Vorstand erreicht haben, Bestand haben", erklärte Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt.
Erst vor zwei Wochen hatte das Opel-Kontrollgremium das von Stracke vorgelegte umfassende Sanierungskonzept gebilligt. Über die Umsetzung wird noch verhandelt. Nach Strackes Vorstellungen will Opel den Mitarbeitern bis 2016 ihre Jobs garantieren, aber 2017 das Werk in Bochum schließen. Unklar ist, ob die Konzernmutter General Motors jetzt noch an den Plänen festhält.
Ungeduld mit Stracke?
Über die Gründe für den Stracke-Rücktritt gibt es weiter keine offizielle Stellungnahme von Opel oder GM. Experten gehen davon aus, dass dem Aufsichtsrat die Sanierung von Opel nicht schnell genug gegangen sei. Nicht ausgeschlossen, dass Stracke seinen Posten wegen der schlechten Zahlen des Autobauers räumen müssen. Die Neuzulassungen von Opel in Deutschland waren im ersten Halbjahr 2012 laut Kraftfahrt-Bundesamt um 9,3 Prozent zurückgegangen.
Der Marktanteil der Traditionsfirma sinkt seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Zuletzt waren es weniger als sieben Prozent, was das Problem der Überkapazitäten vergrößert. Anfang der 1970er Jahre lag Opel mit Werten um die 20 Prozent auf Augenhöhe mit VW.
Stracke-Rücktritt weckt neue Ängste vor Werksschließung
tagesthemen 21:45 Uhr, 13.07.2012, Jens Eberl, WDR
Stand: 13.07.2012 11:51 Uhr
