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Steuervermeidungsstrategien von Großunternehmen
Großbritanniens Kampf gegen kreative Buchhaltung
Große Unternehmen wie Google, Starbucks oder Amazon machen Millionengewinne in Großbritannien. Die Steuerbehörden sehen davon jedoch meist wenig. Das alles ist unter anderem deshalb möglich, weil es international keine abgestimmte Gesetzgebung gibt. Britische Parlamentarier sind entrüstet.
Von Thorsten Huhn, NDR-Hörfunkstudio London
Eine Welle der Entrüstung rollt durch Großbritannien, nachdem bekannt wurde, dass große multinationale Unternehmen wie Starbucks, Google und Amazon kaum Steuern zahlen. "Warum in aller Welt manipulieren sie ihre Konten so, dass sie in Großbritannien keinerlei Körperschaftssteuer zahlen?", fragte die Vorsitzende des Finanzausschusses des Parlaments, Margret Hodge, bei einer Anhörung. Und der Finanzchef der Starbucks-Coffeshop-Kette antwortete: "Mit Respekt, mit ihrer Position stimme ich nicht überein. Wir manipulieren niemals irgendetwas."
Die eingeladenen Manager blamierten sich in der Anhörung, denn sie waren sehr zurückhaltend bei ihren Auskünften. Sie wollten schlichtweg keine Zahlen über Umsätze und Gewinne im Vereinigten Königreich preisgeben.
Multinationale Unternehmen zahlen kaum Steuern in Großbritannien
T. Huhn, NDR London
03.12.2012 16:47 Uhr
"Wir wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle"
Doch Fakt ist: Starbucks zum Beispiel machte in Großbritannien einen Umsatz von über 480 Millionen Euro, zahlte aber keinerlei Körperschaftssteuer. Amazon setzte über drei Milliarden um und zahlte keinerlei Gewinnsteuern. Auch Googles Steuerrechnung auf der Insel war, gemessen am Umsatz, gering. Die Labour-Abgeordnete Hodge findet das nicht in Ordnung: "Wir wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle. Im Moment haben die großen Firmen einen unfairen Vorteil. Denn sie vermeiden es, Körperschaftssteuer zu zahlen, während der kleine Coffeeshop an der Ecke oder lokale Buchhändler von den Steuerbehörden gejagt wird. Sie müssen mehr Steuern zahlen als globale Unternehmen."
Kreative Buchhaltung
Doch die Multis handeln weitgehend legal. Sie hinterziehen keine Steuern. Sie vermeiden sie, indem sie kreative Buchhaltung betreiben: Sie verschieben Gewinne von einem Land ins andere, oder sie müssen wie bei Starbucks astronomisch hohe Lizenzgebühren an eine Europazentrale zahlen, sodass in einem Land mit hohen Steuern keine Abgaben mehr anfallen. Apple schaffte es zuletzt, weniger als zwei Prozent Steuern auf außerhalb der USA erwirtschaftete Profite zu zahlen.
Das Hauptproblem liegt darin, dass es international kein abgestimmtes Steuerrecht gibt. Noch nicht einmal in der Europäischen Union besteht ein einheitliches Recht mit annähernd gleichen Steuersätzen. So verschieben US-Unternehmen ihre Gewinne gerne nach Irland, weil dort die Steuern niedrig sind. Auch Luxemburg und die Niederlande kommen den Multis gerne entgegen.
Mehr Personal - ob das reicht?
Der britische Finanzminister George Osborne will dagegen angehen. Aber seine Ankündigung, die Finanzämter personell aufzurüsten, klingt eher schwach: "Wir werden zusätzliche Ressourcen schaffen und mehr Leute einstellen, um sicherzustellen, dass Personen und Firmen die Steuern zahlen, die fällig sind. In Zeiten eines großen Defizits müssen alle ihre Steuern zahlen. Es ist nicht in Ordnung, dass reiche Leute oder multinationale Unternehmen Steuervermeidung betreiben."
Auf der Insel fordern viele, dass auch multinationale Unternehmen Steuern in dem Land zahlen müssen, in dem sie Geschäfte machen. Doch das umzusetzen dürfte schwer werden.
Erfolgversprechender ist da möglicherweise öffentlicher Druck, der das Image von Unternehmen beeinträchtigen könnte. Die Parlamentarierin Hodge sagte dazu: "Es ist sehr interessant, dass Starbucks unter öffentlichem Druck Verhandlungen mit den Steuerbehörden aufgenommen hat, um zu sehen, ob sie mehr Steuern zahlen sollten. Im Moment zahlen sie überhaupt keine."
Stand: 03.12.2012 16:51 Uhr
