Prosper-Haniel | Bildquelle: dpa

Das Ende der Steinkohle Glückauf - und Schluss

Stand: 28.12.2017 14:02 Uhr

Deutschlands letzte Steinkohle-Zechen werden Ende 2018 schließen, die Förderung von Kohle aus über 1000 Metern Tiefe ist schon lange nicht mehr konkurrenzfähig. Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor.

Von Philipp Wundersee, WDR

Ab in die Dunkelheit. Der Förderkorb rattert laut, der Fahrtwind bläst Henning Tubenauer kalte Luft ins Gesicht, während er in die Tiefe saust. Der Bergmann steht an diesem Morgen schweigend neben den anderen Kollegen. 90 Sekunden dauert ihre Fahrt in die Tiefe des Ruhrgebiets, bis sie unter Tage auf mehr als 1000 Meter angekommen sind. Bei Temperaturen von teilweise 40 Grad arbeitet Tubenauer. Acht Stunden am Tag. Trinkt er zu wenig, bekommt er Krämpfe in den Händen. Schwerstarbeit, die er seit seinem 16. Lebensjahr liebt.

Noch bis Ende 2018 wird er als Bergmann arbeiten. Dann heißt es für ihn Schicht im Schacht. "Ich versuche, das noch zu verdrängen", sagt er. "Wenn du zu viel nachdenkst, dann passieren vielleicht auch Fehler, die du sonst nicht machen würdest. Das Ende kommt aber irgendwie immer näher."

Letzte Zeche im Ruhrgebiet bereitet sich auf Schließung Ende 2018 vor
Mittagsmagazin, 28.12.2017, Philipp Wundersee, WDR

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Weiter voller Einsatz unter Tage

Es ist schon die sechste Schließung einer Zeche, die Tubenauer mitgemacht hat. Es wird seine letzte sein. Er wird dann mit 50 Jahren in den Ruhestand gehen. Bergleute, die lange unter Tage gearbeitet haben, dürfen bei 80 Prozent der Bezüge in den Vorruhestand gehen. Tubenauer ist stolz, Teil einer großen Industrie-Geschichte zu sein. Er und seine Kollegen würden in Schichtarbeit noch immer vollen Einsatz bringen.

Bergmann Henning Tubenauer in der Zeche Prosper-Haniel | Bildquelle: WDR
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Bergmann Tubenauer: "Ich versuche das zu verdrängen"

"Eine Tradition geht in diesem Jahr zu Ende", sagt Bergwerkssprecher Michael Sagenschneider. "Bewusst wird das den Leuten hier erst jetzt, wenn wir direkt darauf angesprochen werden." Rund 1,7 Millionen Tonnen Steinkohle werden Tubenauer und seine Kollegen im kommenden Jahr noch zu Tage fördern. Es waren mal über 4000 Arbeitnehmer in Bottrop auf der Zeche Prosper-Haniel. Im Moment arbeitet nur noch die Hälfte hier.

Bei der letzten Schicht wird das Bergwerk um die 1500 Mitarbeiter haben. Der Personalabbau gehe Monat für Monat weiter, sagt Tubenauer. "Man merkt das schon. Allein in der Frühschicht haben wir im letzten Monat schon vier richtig gute Männer verloren, die gegangen sind."

Sozialverträglicher Stellenabbau seit 2007

Es ist ein Ausstieg mit langer Vorbereitung. Bereits vor zehn Jahren wurde auf dem Kohlegipfel ein sozialverträgliches Auslaufen bis 2018 beschlossen. Das Ende einer Ära war besiegelt, das Ende der subventionierten Steinkohlenförderung in Deutschland. Tubenauer bekommt das zu spüren. Zu seiner ersten Zeche konnte er zu Fuß gehen, mittlerweile muss er täglich lange durch das Ruhrgebiet mit dem Auto zu seiner aktuellen Arbeitsstätte fahren.  

2018 schließen die beiden letzten Zechen in Deutschland: Prosper-Haniel in Bottrop und Anthrazit Ibbenbüren. Für die Mitarbeiter und die Bergbaustädte bedeutet das Aus der Steinkohle einen Einschnitt. Neue große Arbeitgeber sind nicht in Sicht.

Mit dem Aus für die Zechen wird die Arbeit unter Tage noch lange nicht vorbei sein: Die verantwortliche RAG wird mehr als 500 Mitarbeiter weiter beschäftigen. Denn tief unter der Erde muss dauerhaft Wasser in riesigen Mengen abgepumpt werden, damit das Grundwasser geschützt wird und die Region nicht versinkt. Außerdem wird sich eine Stiftung der RAG um Bergbauschäden kümmern, wenn beispielsweise Risse in Hauswänden entstehen. Die sogenannten Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlebergbaus zahlt die RAG über ihre Stiftung selbst.

Bergleute in der Zeche Prosper-Haniel | Bildquelle: WDR
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2000 Bergleute arbeiten noch in der Zeche Prosper-Haniel.

"Eine Tradition stirbt aus"

Schweißgebadet klettert Henning Tubenauer aus dem Förderkorb. Er ist bedeckt mit schwarzem, schmierigem Steinkohlestaub. „Alle männlichen Vorfahren von mir waren im Bergbau tätig. Mit mir stirbt diese Tradition jetzt aus“, sagt er. Acht Stunden war er heute unter Tage. An dem Ort, den er manchmal auch Zuhause nennt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 28. Dezember 2017 um 13:25 Uhr.

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