Der Schriftzug "Steinhoff Möbel" an einem Gebäude in Westerstede | Bildquelle: dpa

Steinhoff-Bilanzskandal Deutschen Banken drohen Millionenverluste

Stand: 15.02.2018 18:09 Uhr

Der Möbelkonzern Steinhoff kann nach einem Bilanzfälschungs-Skandal offenbar seine Schulden nicht mehr zahlen. Auch deutsche Banken dürften Millionen verlieren.

Von Jan-Lukas Strozyk und Benedikt Strunz, NDR

Mehrere Banken müssen Kreditausfälle in Höhe von Hunderten Millionen Euro hinnehmen. Nach Informationen von NDR und "SZ" ist nun auch die BayernLB von Millionen-Belastungen betroffen. Auch die Commerzbank, die UBS, die Unicredit-Gruppe und weitere internationale Investment-Banken drohen Ausfälle. Sie alle hatten der Steinhoff-Gruppe Gelder geliehen und der Konzern kann die Schulden womöglich nicht mehr ausgleichen.

Hintergrund ist eine tiefe Krise bei der Steinhoff-Gruppe, ein ursprünglich in Niedersachsen gegründetes Möbel-Unternehmen, das heute weitgehend aus Südafrika geführt wird. Seinen Sitz hat der Konzern in den Niederlanden, er ist in Frankfurt und Südafrika börsennotiert.

Bilanzskandal um Steinhoff-Konzern
tagesschau 20:00 Uhr, 15.02.2018, Mareike Aden/Jan Strozyk, NDR

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Branchenriese in der Krise

Steinhoff gilt mit mehr als 112.000 Mitarbeitern und 13 Milliarden Euro Umsatz als weltweit zweitgrößter Möbelkonzern nach Ikea. In Deutschland ist der Konzern vor allem über die Marke Poco bekannt.

Im Dezember gab die Steinhoff-Gruppe bekannt, dass sie Unregelmäßigkeiten in den eigenen Jahresabschlüssen festgestellt habe. Der Verdacht steht im Raum, dass die eigenen Manager die Zahlen gefälscht hatten.

Der damalige Chef, Markus Jooste, trat zurück, sein Aufenthaltsort ist bis heute unbekannt. Der Konzern selbst habe seinen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden in der Zwischenzeit bei den südafrikanischen Behörden wegen der mutmaßlichen Bilanztricks angezeigt. Weltweit wird seitdem gegen die Manager des Unternehmens ermittelt, der Aktienkurs stürzte massiv ab.

Die Investoren haben Milliarden verloren. Nun müssen nach und nach auch zahlreiche Banken eingestehen, dass sie sich mit der Finanzierung des Konzerns Löcher in die eigene Bilanz gerissen haben.

Millionenverluste für BayernLB

Nach Informationen von NDR und "SZ" trifft der Skandal aber auch die landeseigene BayernLB, die bei Steinhoff-Finanzierungen stark engagiert gewesen ist. Dem Vernehmen nach hatte ausgerechnet die Landesbank mehr als 200 Millionen Euro Kredite vergeben um den aggressiven Expansionskurs der Steinhoff-Gruppe zu ermöglichen.

Aus Marktkreisen heißt es, die Bank habe sich von einem Teil der faulen Kredite bereits mit hohen Verlusten getrennt. Insgesamt soll die Bank allein durch diese Verkäufe rund 60 Millionen Euro verloren haben. Weitere 50 Millionen Euro hat die BayernLB noch in Form von Steinhoff-Krediten in den Büchern. Sie sollen durch Immobilien abgesichert sein. Die Bank wollte sich nicht dazu äußern, hält aber ihre Prognose weiter aufrecht, wonach sie für 2017 mit einem Konzerngewinn in mittlerer dreistelliger Millionen-Höhe rechnet.

Die Schweizer Bank UBS hat für das vierte Quartal fast 80 Millionen Schweizer Franken an Kreditverlusten verbucht, ein Großteil davon ging mutmaßlich wegen der Steinhoff-Krise verloren. Die Commerzbank ist mit einem dreistelligen Millionen-Betrag an einer Steinhoff-Finanzierung beteiligt, der nun womöglich auszufallen droht. Das berichtete das Manager Magazin.

Betroffen sind neben den deutschen Banken auch amerikanische Investbanken wie Citigroup, Bank of America und JP Morgan, auch die französische Bank BNP Paribas hat wohl hohe Kreditrisiken verbucht.

Inwiefern die Steinhoff-Gruppe zumindest einen Teil der Kredite in Zukunft zurückzahlen kann, ist ungewiss. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Konzern insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro Schulden hat. Inzwischen weiten sich die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Börsencrash der Steinhoff-Gruppe aus. Wie NDR und "SZ" erfahren haben, prüft die Finanzaufsicht BaFin in diesem Zusammenhang unter anderem, ob es zu Fällen von Insider-Handel gekommen ist. Eine entsprechende Vorprüfung wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen.

Insider-Handel und Verdacht der Marktmanipulation

Unlängst hat die BaFin eine förmliche Untersuchung wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des Insider-Handels eingeleitet. Ein Sprecher bestätigte den Vorgang auf Anfrage: "Wir führen derzeit eine Untersuchung wegen des Verdacht des Marktmissbrauch in den Wertpapieren der Steinhoff AG." Nach Informationen von NDR und SZ kooperiert die BaFin dabei auch mit südafrikanischen Ermittlungsbehörden. Gegen wen sich die Ermittlungen richten, sagte die BaFin nicht.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt zurzeit gegen mehrere Manager und ehemalige Manager der Steinhoff-Gruppe unter anderem wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung von Bilanzen, der Urkundenfälschung und der Steuerhinterziehung. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Bitte um Zahlungsaufschub

Die Steinhoff-Gruppe erklärte auf Anfrage, man bemühe sich derzeit um eine Einigung mit den Kreditgebern und habe zunächst einen Zahlungsaufschub bis Ende Juni verhandelt. Am 20. April findet die Hauptversammlung statt, dann will der Konzern sich den Fragen der Aktionäre stellen. Die mutmaßliche Bilanzfälschung soll nach Wunsch des Konzerns allerdings nicht thematisiert werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2018 um 17:16 Uhr.

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