Springer trennt sich von Traditionsblättern

Springer-Verlag: Hörzu und Abendblatt (Bildquelle: dpa)

Springer trennt sich von Traditionsblättern

Weniger Papier - mehr Internet

Der Axel-Springer-Verlag trennt sich von renommierten Zeitschriftentiteln wie "Hörzu" sowie den Regionalzeitungen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" - und will auf die digitale Zukunft setzen. Für 920 Millionen Euro übernimmt die Funke-Mediengruppe - ehemals WAZ-Gruppe - die Blätter, wie die beiden Verlage mitteilten.

Funke-Gruppe muss nicht sofort zahlen

Die beiden Verlage schlossen den Angaben zufolge einen rechtsverbindlichen Vorvertrag. Umgesetzt werden soll der Verkauf zum 1. Januar. Die Funke Mediengruppe muss bis dahin nicht den vollen Preis zahlen sondern vom Kaufpreis werden laut Springer beim Vollzug des Geschäfts 660 Millionen Euro fällig. Diese Summe sei spätestens am 30. Juni 2014 zu zahlen. Das restliche Geld werde Springer der Funke Mediengruppe als Darlehen mit mehrjähriger Laufzeit gewähren.

Funke-Mediengruppe kauft Axel-Springer-Zeitungen
I. Freitag, DLF
25.07.2013 15:08 Uhr

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Voraussetzung für den Verkauf ist die frühestens zum Ende des Jahres erwartete Zustimmung des Bundeskartellamts. "Wir werden uns das Zusammenschlussvorhaben genau ansehen müssen. Bislang liegt noch keine Anmeldung vor", sagte ein Sprecher des Kartellamtes.

Rund 900 Mitarbeitern und damit sechs Prozent der bisherigen Springer-Stammbelegschaft wechseln zu Funke, sagte eine Springer-Sprecherin. Deren Vertragsbedingungen würden nicht geändert.

Springer verkauft Traditionsblätter an Funke Mediengruppe
nachtmagazin 00:40 Uhr, 26.07.2013, Anke Hahn, RBB

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Springer Konzentration auf die Kernmarken und aufs Internet

Springer erklärte, sich zum führenden Digitalunternehmen entwickeln zu wollen und sich dazu auf seine journalistischen Kernmarken der "Welt"- und "Bild"-Gruppe konzentrieren zu wollen. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner erklärte, sein Konzern wolle nun in die "Bild"- und "Welt"-Gruppe journalistisch investieren und diese "sehr langfristig" als Kern des Unternehmens Axel Springer sehen.

Abschied mit "schwerem Herzen"

Zu dem Abschied von den traditionsreichen Marken schrieb Döpfner in einer Mail an die Mitarbeiter: "Wir tun das mit schwerem Herzen". Auf die Regionalzeitungen und Zeitschriften rolle eine Konsolidierungswelle zu. "Nur große Gruppen und Einheiten können es schaffen, dauerhaft zu überleben", umschrieb er den Konzentrationsprozess in der Print-Branche. Das führe dazu, dass einige Verlage Titel verkauften, andere hinzukauften. "Wenn wir jetzt nicht handeln, müssten wir uns um die Zukunft von "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und der Zeitschriften und deren dauerhafte Überlebenschancen ernsthaft Sorgen machen", schrieb Döpfner.

Funke: "Glauben an Print und Digital"

Die Funke Mediengruppe will nach eigener Aussage durch den Zukauf zu einem "führenden nationalen Medienhaus" werden". Das Unternehmen schrieb ihrererseits in einer Mail an die Belegschaft: "Vielleicht fragen Sie sich, ob es klug ist, Print-Titel in einer sich mehr und mehr digitalisierenden Welt zu erwerben", schrieb die Geschäftsführung und lieferte ihre Antwort gleich mit: "Wir glauben an Print - in enger Verbindung mit Digital!"

Zu den Titeln, welche die Funke Mediengruppe von Springer kauft, gehören auch "TV Digital", "Funk Uhr", "Bildwoche", "TV Neu", "Bild der Frau" und "Frau von heute" - und damit alle Programm- und Frauenzeitschriften Springers sowie außerdem deren Anzeigenblätter. Beide Verlage wollen zudem ein Gemeinschaftsunternehmen für die Vermarktung und den Vertrieb von gedruckten und digitalen Medienangeboten gründen, bei dem Springer die Mehrheit halten und die unternehmerische Führung übernehmen soll.

Kritik und Sorge

Journalistenvereinigungen und Politiker reagierten derweil besorgt auf das Geschäft. Der Chef des Deutschen Journalistenverbandes, Michael Konken, sprach vom "Ende für den Springer-Verlag in seiner bekannten und bewährten Form". Springer sei dabei, sich von einem der renommiertesten Verlage Europas in einen Mischkonzern mit digitalem Schwerpunkt zu verwandeln. "Ich bin in großer Sorge um die Arbeitsplätze bei den betroffenen Zeitungen und Zeitschriften", erklärte Konken. Die Funke-Mediengruppe sei "berüchtigt" für harte Einsparungen zulasten des Qualitätsjournalismus.

Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke hält die Folgen des Geschäfts für noch nicht absehbar. Er warf Funke vor, sich einen "unrühmlichen Namen als unsozialer Profitmaximierer" gemacht zu haben. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sieht für die Hansestadt durch die Entscheidung einen Einschnitt. Zugleich warnte Scholz die Funke-Gruppe vor harten Sanierungsschnitten. Die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, erklärte, offensichtlich sei der publizistische Ethos nicht mehr die treibende Kraft von Verlegern, "sondern es geht ausschließlich um Profit".

Der 1985 verstorbene Verlagsgründer Axel Springer hatte das "Hamburger Abendblatt" erstmals 1948 herausgegeben, die erste Ausgabe der "Hörzu" erschien sogar schon 1946. Die 1888 von Leopold Ullstein gegründete "Berliner Morgenpost" gehört seit den 1950-er Jahren zum Springer-Konzern. Die "Berliner Morgenpost", "Die Welt" und die "Welt am Sonntag" verfügen seit mehreren Jahren über eine Gemeinschaftsredaktion, um die Kosten zu senken.

Die Funke Mediengruppe

Das Mutterhaus der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) heißt seit März "Funke Mediengruppe" und trägt damit nun den Namen der alleinigen Besitzerfamilie.

Gegründet wurde das Medienhaus 1948 durch Jakob Funke und Erich Brost, die eine Zeitungslizenz von der britischen Besatzungsmacht bekamen. Die Familien der beiden Gründer hielten jahrzehntelang je 50 Prozent an dem Konzern. Im Januar 2012 übernahm die Funke-Tochter Petra Grotkamp für geschätzte 500 Millionen Euro den Anteil der drei Brost-Erben.

Der Konzern beherrscht insbesondere das Ruhrgebiet, nach eigenen Angaben mit einer verkauften Auflage von 700.000 Exemplaren - neben der WAZ mit der "Neuen Ruhr/Rhein-Zeitung", "Westfalenpost" und der "Westfälischen Rundschau". An zahlreichen Lokalradiosendern in Nordrhein-Westfalen hält die Mediengruppe Mehrheitsbeteiligungen.

Im Zeitschriftenbereich gehört dem Konzern der Münchner Gong-Verlag sowie weitere Titel. In Österreich ist er mit der "Kronenzeitung" und dem "Kurier" präsent.

Stand: 25.07.2013 17:42 Uhr

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