Pipeline mit Druckmesser in Weißrussland (Bildquelle: REUTERS)

Baubeginn von South Stream Der Pipeline-Triumph von Gazprom

Stand: 07.12.2012 19:53 Uhr

Russland verstärkt seine Position auf dem Gasmarkt: Präsident Putin startete am Schwarzen Meer den Bau der Pipeline South Stream, die vor allem auf den südeuropäischen Markt abzielt. Dem Konkurrenzprojekt Nabucco droht das Aus: Der deutsche Energieversorger RWE ist jetzt ausgestiegen.

Von Horst Kläuser, ARD-Hörfunkstudio Moskau

South Stream ist ein gigantisches Projekt: eine technische Herausforderung, eine sehr teure Investition. Vor allem aber ist die Gaspipeline ein Politikum. Präsident Wladimir Putin kann sich die Hände reiben. Er und seine größte Geldquelle Gazprom haben die Nase vorn - wieder einmal.

Denn es geht um nicht weniger als die Gasversorgung ganz Südosteuropas. Fast meint man den Triumph in Putins Stimme hören zu können: "Das ist ein bedeutendes und wichtiges Ereignis angesichts der Prozesse, die zurzeit auf dem internationalen Energiemarkt verlaufen. Das ist ein Zeichen der Stabilität."

Für Russland gewiss. Andere Länder in Europa mögen das anders sehen. South Streams Dimensionen sind derweil gewaltig: Für etwa 16 Milliarden Euro entstehen vier Stränge der rund 1500 Kilometer langen Pipeline, die Gas aus Westsibirien nach Italien transportieren soll. Große Teile verlaufen quer durchs Schwarze Meer, bis zu 2250 Meter tief verlegt, berühren sie türkische Hoheitsgewässer. Weiter zieht sich die Pipeline durch Bulgarien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Ungarn und Slowenien.

Gazprom, der russische Gasmonopolist, hält 50 Prozent an South Stream; die anderen Anteilseigner sind die italienische ENI mit 20 Prozent, die BASF-Tochter Wintershall und die französische EDF, die sich die restlichen 30 Prozent teilen. Das Wettrennen mit der von der EU favorisierten Nabucco-Pipeline ist eröffnet. Während Russland seinen Markt in Europa sichern möchte und das Transitland Ukraine umgehen will, geht es bei Nabucco um noch mehr.

RWE steigt aus Nabucco aus

Das Konsortium, an dem türkische Unternehmen, die österreichische OMV, Bulgaren und Rumänen beteiligt sind, will sich von russischem Gas lösen und strebt Lieferverträge mit Aserbaidschan, Turkmenistan und dem Irak an. Nichts ist allerdings unterschrieben. Und weil Moskau eiligst und höchst geschickt in den genannten Ländern eigene Lieferverträge abschloss, ist RWE jetzt aus dem Nabucco-Projekt ausgestiegen.

Das könnte das Ende von Nabucco bedeuten. Alexej Miller, Putin-Vertrauter und Gazprom-Chef sieht sich bereits als Sieger im Wettlauf: "Der Zeitplan des Projekts South Stream wird genau eingehalten. Wir haben keine Zweifel, dass das Projekt zur geplanten Zeit fertig gestellt wird."

Das wäre Ende 2015, Anfang 2016. Dann soll das erste Erdgas kommen und bis 2050 fließen. So lange soll South Stream seinen Investoren Geld bringen. Chef ist der ehemalige Hamburger SPD-Bürgermeister Henning Voscherau. Auch dies ein kleiner Triumph der Russen. Während Ex-Kanzler Gerhard Schröder dem North-Stream-Projekt durch die Ostsee vorsteht, warb sein ehemaliger Außenminister Joschka Fischer für Nabucco und vergrätzte den Kreml.

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