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Im Kampf gegen die Fettleibigkeit hat US-Präsident Obama eine neue Steuer auf zuckerhaltige Limo ins Spiel gebracht. Die Reaktion: Ein Aufschrei. "Nächstens will man uns auch die Pommes verbieten", so die Gegner. Dabei sind 200 Liter süße Brause pro Kopf und Jahr eine Hauptursache für viele Erkrankungen.
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Allein der Gedanke erhitzt die Gemüter: Auf Softdrinks könnte es eine Steuer geben. ]
Amerikas Coca-Cola-Konkurrent Pepsi begann das Jahr 2009 ganz "Obama-like": "I know we can" verkündete der Konzern. Doch die "I know we can make it"-Euphorie in den US-Marketingabteilungen der Cola-Giganten hat mittlerweile merklich nachgelassen.
Der Präsident bemerkte nämlich in Interviews mit zwei amerikanischen Fitnessmagazinen, dass der starke Konsum zuckerhaltiger Getränke gar nicht o.k. sei. Und deshalb halte er die Idee einer sogenannten "Soda-Steuer" als Kaufabschreckung und als kleine Finanzierungsquelle für die große Gesundheitsreform für durchaus bedenkenswert.
Die Empörung der Obama-Gegner ließ nicht lange auf sich warten. "Nächstens will man uns noch verbieten, Pommes Frites zu essen" erregte sich CNBC-Moderator Carry Kudlow. Die Obama-Regierung erdreiste sich dem Volk zu diktieren, wie es zu leben habe. "Unglaublich", ereifert sich der Moderator über Obamas vorsichtigen Vorschlag, die Idee einer Sodasteuer zu prüfen.
Bereits heute sind 30 Prozent der Amerikaner übergewichtig. Setzt sich der Trend in gleicher Geschwindigkeit fort, ist rein statistisch in 40 Jahren jeder Amerikaner fettleibig. Bereits jetzt verdoppeln sich die US-Krankheitskosten wegen der rasant zunehmenden Fettleibigkeit alle zehn Jahre. Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigsten Konsequenzen.
[Bildunterschrift: 200 Liter süße Brause pro Jahr trinkt der Durschnittsamerikaner. ]
Der übermäßige Konsum stark zuckerhaltiger Getränke mache schlicht krank, schreiben sieben führende US-Gesundheitsexperten im einflussreichen "New England Journal of Medicine". Pro Jahr konsumiert der Durchschnittsamerikaner rund 200 Liter süßer Brause. Die Tradition des sogenannten "refill", des kostenlosen Wiederauffüllens der Cola-Becher in Restaurants, fördert den Trend.
Die Regierung müsse jetzt handeln. Nur eine deutlich spürbare Soda-Steuer von mindestens zwölf Prozent könne den Trend noch umkehren, argumentiert Doktor Mitch Katz, Medizinprofessor an der Universität von Kalifornien.
"Völliger Unsinn", kontert die Verbandschefin der US-Getränkeindustrie, Susan Neely. Die sogenannte Soda-Steuer funktioniere nicht und wäre lediglich ein weiterer Sargnagel für Amerikas Wirtschaft. Und eine Bestrafung des unteren Mittelstands. Etwas mehr Sport und Bewegung - und schon seien die Kalorien wieder verbrannt und das Problem gelöst, meint die Verbandschefin.
Und damit die Botschaft auch beim US-Kongress ankommt, meldet sich die Getränke-Lobby eifrig mit Radio- und TV-Spots zu Wort. "Bloß keine Steuern auf zuckerhaltige Getränke", lautet die Botschaft an den US-Kongress. Der hat bereits verstanden: Selbst Obamas Parteifreunde wagen es derzeit nicht, in den Finanzierungsentwürfen für die Gesundheitsreform den Begriff Soda-Steuer auch nur zu erwähnen. Deshalb denken der Bundesstaat Kalifornien und der Gouverneur von New York darüber nach, die Steuer im Alleingang zu erheben.
Die Debatte zeigt aber dennoch Wirkung: Coca-Cola-Boss Muhtar Kent kündigte an, der Konzern werde den Zucker- und Kaloriengehalt seiner Getränke in Zukunft deutlicher auf Flaschen und Verpackungen deklarieren.
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